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STARTUP-SZENE

„Diese Kultur muss sich ändern“

In Deutschland herrscht keine Gründermentalität, beklagen Politiker auf der Cebit. Das soll anders werden. Wie man ein erfolgreiches Startup auf die Beine stellt, zeigen die Gründer von Spacebase.

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ill man in Deutschland ein Unternehmen gründen, muss man erst einmal neun Behördengänge absolvieren. Eine Gründung dauert bei uns zehn Tage, in anderen Ländern nur zwei.“ Moderator Stephan Dörner, Online-Chefredakteur vom Magazin t3n, eröffnet die Podiumsdiskussion „Neue Gründerzeit: Wie kann Deutschland zum Startup- Paradies werden?“ am 22. März 2017 auf der Cebit in Hannover mit einem grundlegenden Problem, mit dem sich die deutsche Startup-Szene konfrontiert sieht: Bürokratie.

Als Panelist Christian Lindner, Bundesvorsitzender der FDP, in die gleiche Kerbe schlägt und die deutsche Bürokratie an den Pranger stellt, trifft er den Nerv des mehrheitlich jungen, technologieaffinen Publikums. Hier säßen hauptsächlich junge Gründer, die „dieses Leid ja längst gewöhnt sind“, so Lindner. Gut gemeinte Schutzmaßnahmen wie das Arbeitszeitgesetz seien für viele Startups vor allem ein Hindernis. Das bestätigt Tim Gude, Leiter IT-Solutions von Volkswagen. „Es ist für uns ein großes Problem, mit kleinen Firmen zusammenzuarbeiten. Arbeitsrechtliche Hürden gibt es überall.“ Oder Matthias Hunecke, Gründer von Brille 24: „Es wäre ja schon toll, wenn ich mich nicht jedes Jahr aufs Neue in Gesetzesänderungen einarbeiten müsste.“

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Teilnehmerinnen eines Seminars in einer privaten Location. Gebucht über die Plattform Spacebase.
FOTO: SPACEBASE

Doch bei allem Ärger über die „deutsche Regulierungswut“ herrscht in der Runde auch Konsens darüber, dass in Deutschland „die Bereitschaft zu gründen“ allgemein geringer ist. „Diese Kultur muss sich ändern“, findet der SPD-Bundestagsabgeordnete Lars Klingbeil. Und Linder kann es kaum fassen, dass zum Beispiel in den Niederlanden eine höhere Startup-Bereitschaft herrscht als in Deutschland: „Wir müssen bei uns dazu kommen, eine Gründermentalität zu fördern“, sagt er.

Diese Mentalität besitzen die jungen Männer hinter Spacebase, einer Buchungsplattform für Workshop- und Meetingräume. Julian Jost und Jan Hoffmann-Kleining haben gezeigt, wie man ein erfolgreiches Startup auf die Beine stellt. Die Idee zu diesem Portal kam den beiden 2014, als sie bei ihrem damaligen Arbeitgeber, der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers, schlechte Erfahrungen damit gemacht haben, selbst Locations zu buchen. „Wir haben den ganzen Prozess der Buchung aus Kundensicht mitbekommen“, sagt Hoffmann-Kleining. „Erst die langwierige Auswahl einer Location, danach die Verfügbarkeit in Erfahrung zu bringen und dann noch den Vertrag abzuschließen… das war ein riesiger Aufwand. Und das wollten wir verändern.“

SPACEBASE

Spacebase ist eine weltweite Buchungsplattform für Workshop- und Meetingräume. Das Unternehmen hat ein Netzwerk aus mehr als 2000 Räumen in über 30 Städten in zwölf verschiedenen Ländern aufgebaut. Das breitgefächerte Portfolio buchbarer Locations reicht vom angesagten Designer-Loft, über den Coworking-Space bis hin zum Boxring.
www.spacebase.com

Getreu dem digitalen Grundgesetz „maximale Einfachheit“ folgend, haben die Gründer versucht, alles auf einer Plattform zu vereinen. „Wir wollten das Tageslicht-Gegenstück zu Airbnb werden“, sagt Hoffmann-Kleining und beschreibt den steinigen Weg, den die Gründer zu gehen hatten. „Zunächst gab es einige wichtige Erfahrungen. Denn es war unglaublich schwierig, große Locations zu vermitteln. Das war enttäuschend. Wir haben dann relativ schnell gemerkt, dass wir das ändern müssen.“ Kleinere Meetings und Workshops (mit bis zu 50, manchmal 100 Teilnehmern) hätten von Anfang an – im Januar 2015 ist Spacebase live gegangen – gut funktioniert. „Darauf haben wir uns dann konzentriert und unser Produkt dementsprechend angepasst und verbessert.“

Mitten in diesem Prozess haben die jungen Geschäftsleute ihren „Business Angel“ gefunden: Stephan Ekbergh, einen Pionier im Bereich des Online Travels, der 1999 erfolgreich „Travelstart“ gegründet hatte. Der Schwede unterstützt Spacebase weiterhin voll.

Spacebase entwickelt sich dann tatsächlich zum „Airbnb für Meetings“: „Durch uns ist es für Unternehmen möglich, die starken Bedarfsschwankungen der Räumlichkeiten auszugleichen“, so Hoffmann-Kleining. „Gleichzeitig entfällt für die Locations das Bearbeiten von Anfragen und die zeitfressende Angebotserstellung.“ Die Bezahlung läuft provisionsbasiert.


Damit das Ganze funktioniert hat, war sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig. Denn das Meeting- und Konferenzgeschäft kommt noch aus der „alten Welt“, wie der Gründer weiß. „Wir mussten diese Welten nun verbinden, die verschiedenen Kulturen – Digitalität, einfach, schnell auf der einen und Gastlichkeit, Service und persönlicher Austausch auf der anderen Seite – zusammenbringen. Wir haben viele, viele Gespräche geführt, immer wieder erklärt, aber es hat sich gelohnt.“

Heute vereint das inzwischen 16-köpfige Team auf seiner Plattform bereits über 1.800 Veranstaltungslocations aus 15 Städten in elf Ländern. Location- Scouts überall auf der Welt ergänzen das Portfolio stetig um weitere außergewöhnliche und „handverlesene“ – darauf legt Hoffmann-Kleining Wert: „Wir haben alle Locations selbst besucht!“ – Spaces und konnte Anfang dieses Jahres sogar ein Büro in New York eröffnen. Zu den Kunden, die ihre Meetings über Spacebase buchen, zählen namhafte Unternehmen wie Ebay, Daimler oder die Deutsche Bahn.

Ein Erfolgsrezept sieht Hoffmann-Kleining in der „vollen Transparenz“. „Es lässt sich alles nachvollziehen bei uns. Außerdem ist klar, dass wir preislich attraktiv sein müssen. Bei uns ist keine Buchung teurer als bei der Location selbst.“ Darüberhinaus legen die Spacebase-Macher hohen Wert auf Kommunikation und den permanenten Austausch mit den Locations. „So bleiben wir am Ball, wissen welche Räume tatsächlich für eine positive Meetingumgebung sorgen und das ist letztlich auch wieder ein Vorteil für die Kunden. Ganz einfach.“

Einfach war die Gründung zwar nicht, aber erfolgreich. Und vielleicht ändert sich auch in Deutschland etwas an den erschwerten Rahmenbedingungen, um ein Unternehmen zu gründen. Die Runde aus Hannover würde es freuen. Ganz einfach.  CHRISTIAN FUNK
 
„Wir wollten das Tageslicht-Gegenstück zu Airbnb werden.“
Jan Hoffmann-Kleining
Gründer, Spacebase
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