Denkfabriken für Technik Image 1

VERBÄNDE

Denkfabriken für Technik

Die Digitalisierung baut die Wirtschaft, ihre Unternehmen und Verbände um. Umbauhelfer ist der Bundesverband Deutsche Startups. Seine Gründer sind auf der Cebit wie auf der Grünen Woche gefragt. Analog dazu titelt der Deutsche Verbändekongress 2018 „Der Verband als Innovationstreiber“.

C
ebit reloaded: Aus der Weltmesse für IT wird Europas Business-Festival für Innovation und Digitalisierung. Stell-dich-ein für Startups, Kapitalgeber und Unternehmen ist „scale11“. Als Sparringspartner hat sich die Deutsche Messe den Bundesverband Deutsche Startups gesucht. Verband und Mitglieder informieren und diskutieren vom 11. bis 15. Juni 2018 in Hannover auf dem „Expert Stage“ mit Gründern, Politikern, Investoren und Influencern. Der Startup-Verband ist nicht nur in der Informatik gefragt, sondern auf dem Feld: Zur Internationalen Grünen Woche auf der Messe Berlin bringen der Bundesverband Deutsche Startups und der Deutsche Bauernverband (DBV) AgTech-Startups (Agrartechnologie) und Landwirtschaftsbetriebe zusammen. Durch die Verzahnung wollen sie den Wissenstransfer von der Agrar-Forschung in die landwirtschaftliche Praxis beschleunigen. DBV-Generalsekretär Bernhard Krüsken weiß: „Digitale Techniken, neue Züchtungsmethoden und moderne Datenmanagementsysteme bieten ein großes Innovationspotential, das die Landwirtschaft nutzen muss, wenn sie international wettbewerbsfähig bleiben und den vielfältigen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden will.“

Nur hat der Digitalverband Bitkom per Umfrage herausgefunden, dass 65 Prozent der Vorstände und Geschäftsführer von Unternehmen ab 20 Mitarbeitern nicht mit Startups zusammenarbeiten.
Für Bitkom-Präsident Achim Berg verspielen Mittelständler wie Konzerne damit große Chancen, digitale Innovationen ins Unternehmen zu holen. Der Grund für die fehlende Zusammenarbeit ist simpel: 77 Prozent der Befragten haben schlicht keinen Kontakt zu Gründern. Ein Missstand, den Kooperationen mit dem Bundesverband Deutsche Startups beheben können.

Denkfabriken für Technik Image 2
Warming up zur Cebit 2018 beim Meetup „Scale 11“: eine Diskussion zur neuen Gründerzeit mit Florian Nöll, Vorstandsvorsitzender des Startup-Verbands (links).
FOTO: CEBIT

TOP FIVE IM VERBANDSMANAGEMENT 2018

1. Kommunikation und PR-/Öffentlichkeitsarbeit nach außen generell stärken (unverändert)
2. Ausbau von Mehrwertleistungen und Dienstleistungen für die Mitglieder (unverändert)
3. Die Digitalisierung im Verband und in der Verbandsarbeit vorantreiben (Neueinstieg!)
4. Profil des Verbandes schärfen (Marke-/Image schärfen und ausbauen) (Vorjahr 3. Rang)
5. Verstärkung von Lobbying-Aktivitäten (regional, national, europäisch) (Vorjahr 4. Rang)
QUELLE: VERBÄNDEREPORT 1/2018

„Verbandsstrukturen sollten sich verändernden Branchenstrukturen folgen“, betont Christian Schiffers im Verbändereport 1/2018. Für den Geschäftsführer vom FFI Fachverband Faltschachtel- Industrie ist die Verpackungswirtschaft gekennzeichnet durch Konsolidierung, Digitalisierung, Spezialisierung und Internationalisierung. Digitalisierung ist für fast jede zweite von der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM) befragte Führungskraft das Thema 2018. Selbst wenn unter den Top-Five der Trends im Verbandsmanagement unverändert „Kommunikation und PR-/Öffentlichkeitsarbeit nach außen generell stärken“ und „Ausbau von Mehrwertleistungen und Dienstleistungen für die Mitglieder“ oben stehen, „Die Digitalisierung im Verband und in der Verbandsarbeit vorantreiben“ rückt auf Platz drei vor. „Das bedeutet, dass Verbände intern die Voraussetzung schaffen müssen, sich personell und technisch auf den Wandel einzustellen“, beschreibt Wolfgang Lietzau, Geschäftsführer der DGVM, die große Herausforderung der digitalen Transformation für die rund 15.800 haupt- und nebenamtlich geführten Verbände.

„In den nächsten Jahren werden wir unsere Digitalisierungsstrategie konsequent umsetzen“, kündigt Ralph Appel Direktor und geschäftsführendes Präsidiumsmitglied des VDI,
Verein Deutscher Ingenieure, an. „Damit stellen wir sicher, dass unsere rund 150.000 persönlichen Mitglieder den VDI künftig auch im digitalen Raum als attraktives Netzwerk und als spannende Denkfabrik für Technik wahrnehmen.“ Analog zu ihren Mitgliedern setzt die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement das Schwerpunktthema für ihren 16. Deutschen Verbändekongress 2018 am 12. und 13. März: „Der Verband als Innovationstreiber“.



Den Auftakt macht im Titanic Hotel in Berlin die Keynote zur Rolle der Verbände in der digitalen Revolution. Im Panel diskutieren Karl-Heinz Land, Digital Darwinist & Evangelist, Geschäftsführer Neuland, Prof. Dr. Hans Fleisch, Berater von Stiftungen und Verbänden, Flick Gocke Schaumburg und Prof. Carsten Busch, Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Berlin.

„Der Verbändekongress lebt vom Austausch seiner Teilnehmer“, weiß Stefan Kirchner. Deshalb führt er dieses Jahr neue, interaktive Formate ein und fährt den Anteil klassischer Bestandteile auf unter 30 Prozent zurück. Das Plenum teilt sich folglich nach der Keynote in drei Tracks: „Classics“ wie „Förderung für die Verbandsarbeit einwerben“, „Themenarenen“ zu „Wie mit Volatilität, Ungewissheit, Komplexität und Ambiguität (VUKA) richtig umgehen? Organisationsstrukturen und Führungsprinzipien an die heutige Zeit anpassen“ und „Ideenpools“ wie „Digitale Transformation des Verbandsmarketing: Was Verbände von Amazon & Co. lernen können“.

„In Themen-Arenen sowie Ideenpools sollen die Teilnehmer und Referenten auf einer Ebene diskutieren können – nicht getrennt durch Bühne, Status oder diverser Technik“, verdeutlicht Kirchner. „Mir geht es darum, nicht nur einfach Themen anzubieten, sondern als Mehrwert den Austausch zu ermöglichen und das nicht erst am Ende der Vortrags, sondern mittendrin.“ So kommen Teilnehmer der Session „Kommunikation im Umbruch – die Zukunft der Gemeinsamkeit: Wie Menschen morgen in Kontakt treten werden; VR und AR als Game Changer“ mit dem Ersten Deutschen Fachverband für Virtual Reality ins Gespräch. Für seine 90-minütigen Themen-Arenen und Ideenpools hat Kirchner das Format Fishbowl abgewandelt. Jeder der vier Referenten hält einen Impulsvortrag, gefolgt von einer Diskussion mit den Teilnehmern. Neu sind die „Work-in-Progress-Sessions“, zu denen bis zu acht Teilnehmer ein Thema mit einem Experten vertiefen, z.B. „Wie Sie das Verbandsprofil (digital) sichtbar schärfen und somit den Mehrwert sichtbar machen“. 60 Referenten haben ihr Kommen zugesagt.

“BUILDING A COMMUNITY”

Das Dubai Association Centre umwirbt Verbände und veranstaltet seine erste Association Conference.FOTO: DUBAI ASSOCIATION CENTRE
Das Dubai Association Centre umwirbt Verbände und veranstaltet seine erste Association Conference.
FOTO: DUBAI ASSOCIATION CENTRE
Auf der ersten Dubai Association Conference am 11/12. Dezember 2017 zeigen sich die Verantwortlichen des Dubai Association Centre (DAC) zuversichtlich und diskutieren ihre Vision für den Ausbau des Verbandsmarkts in Dubai und dem Nahen Osten. „Verbände leisten einen großen Beitrag zum Wirtschaftswachstum und der Geschäftstätigkeit weltweit. Sie sind entscheidend für die Verbreitung innovativer Ideen, die unserer Gesellschaft einen Mehrwert verleihen können“, weiß Seine Exzellenz Hamad Buamim, Präsident und CEO des Dubai Chamber of Commerce and Industry. Seine Exzellenz Helal Al Marr, Generaldirektor der Dubai Department of Tourism and Commerce Marketing und Dubai World Trade Center, beschreibt die Vision des Dubai Association Centre als Tor für regionale und internationale Verbände, die sich im Emirat niederlassen und die Möglichkeiten Dubais und der Region nutzen möchten. „Wir werden weiterhin Verbände, Regierung und Unternehmen durch das DAC zusammenführen. Dubai soll die Top-Destination für Verbände in Mittleren Osten werden.“

Das Dubai Association Centre ist eine gemeinsame Initiative des Dubai Chamber of Commerce and Industry, der Dubai Department of Tourism and Commerce Marketing (DTCM) und des Dubai World Trade Center (DWTC) und Gastgeber der Dubai Association Conference unter der Schirmherrschaft seiner Hoheit Sheikh Hamdan bin Mohammed bin Rashid Al Maktoum, Kronprinz von Dubai und Vorsitzender des Dubai Executive Councils. Mit steigenden Zahlen an Verbänden im Mittleren Osten will die Konferenz eine Plattform für die Vernetzung und den Austausch von Wissen schaffen und bringt unter dem Motto „Building a Community“ Verantwortliche in Verbänden mit Regierungsvertretern, Universitätsfakultäten und Studenten aus aller Welt zusammen. Die 300 Teilnehmer aus 32 Ländern zur ersten Dubai Association Conference deuten die Veranstalter als Zeichen für die wachsende Nachfrage von Verbänden in Dubai, das Emirat als Drehscheibe für ihre Aktivitäten im Nahen Osten und Nordafrika zu nutzen.

Das Programm im Dubai World Trade Center konzentrierte sich folgerichtig auf den Aufbau einer Community für internationale Verbände, die Entwicklung von Kompetenzen für Verbandsverantwortliche und den Austausch von Wissen und von Best Practices. So erörterten Dr. Noah Raford, COO und Futurist-in-Chief bei der Dubai Future Foundation, und Dr. Samir Hamrouni, CEO der World Free Zones Organization, wie Verbände und Regierungen zusammenarbeiten und neue Technologien einsetzen können. Mit dem Titel „The Impact of Associations“ verdeutlichte Susan Robertson, Präsidentin der American Society of Association Executives (ASAE) Foundation in ihrem Vortrag, welch einzigartige Gelegenheit Verbände haben, große Beiträge für die Wirtschaft, Wettbewerbsfähigkeit und Lebensqualität eines Landes zu leisten.

www.dubaichamber.comwww.dwtc.com



Selbst den traditionellen Höhepunkt, die Verleihung des DGVM Innovation-Awards mit Abendveranstaltung, hat Kirchner neu aufgesetzt und nicht wie gewohnt in einem Hotel, sondern zur Abwechslung im Festsaal Kreuzberg anberaumt. „Die Location ist so gänzlich anders, als alles andere, was wir bisher hatten. Damit holen wir unsere Teilnehmer nach dem ersten Tag in eine „andere Welt“ und sorgen dafür, dass sich alle ungezwungen austauschen können.“ Den Deutschen Verbändekongress von Düsseldorf nach Berlin umzuziehen, ist für Kirchner nur ein logischer Schritt. „Aus meiner Sicht gehört der Verbändekongress unbedingt hier her, denn Berlin ist modern und steht für Aufbruch.“ Er gesteht: „Kongress war über die Jahre angestaubt.“

Die Anmeldungen seitens der Verbände laufen gut, die Plätze für Partner und Sponsoren sind längst vergeben, z.B. an das Visit Berlin Convention Office und das Vienna Convention Bureau, Accor- Hotels und Maritim Hotel. Ihnen stehen alle Sessions offen. „Somit haben unsere Partner und Sponsoren die Gelegenheit, den Verbänden ‚ganz nah‘ zu kommen. Sie erfahren von den Problemen in der Verbandswelt und können ihre Services besser abstimmen.“ Schließlich stehen Verbände für ein Drittel der auf dem deutschen Tagungs- und Kongressmarkt umgesetzten 84 Mrd. Euro. Doch Kirchner geht es um mehr, nämlich „um ein grundsätzliches Verständnis darüber, warum sich Verbände so verhalten, wie sie sich verhalten.“ Gerade jetzt, da die Digitalisierung Verbände und Veranstaltungen auf den Prüfstand stellt. KERSTIN WÜNSCH
 

https://verbaendekongress.de
Digitalisierung ist für fast jede zweite von der DGVM befragte Führungskraft das Thema 2018.

Datenschutz