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CSR-BERICHTSPFLICHT

Vorbildlich

Rückwirkend zum 1. Januar 2017 ist in Deutschland die CSR-Berichtspflicht

 in Kraft getreten. Sie betrifft große, am Kapitalmarkt orientierte Unternehmen und indirekt deren Dienstleister. Eine nachhaltige(re) Denk- und Arbeitsweise in den Eventabteilungen deutet sich an.

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enn an der Seite von Nobelpreisträger Prof. Muhammad Yunus, Dr. Lisa Svensson von UN Environment und Peter Schwarzenbauer von der BMW AG Platz nehmen, ist es auf dem Global Social Business Summit (GSBS) Zeit für den Expert Dialogue „The GSBS Plastic Hub“. Die Diskussion im Plenum am 6. November 2017 auf dem International University Campus Paris adressiert wie alle anderen Sessions die 17 Sustainable Development Goals der United Nations. In dieser Runde sind es beispielsweise die Ziele 9 (Industrie, Innovation, Infrastruktur), 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden) und 12 (Nachhaltige/r Konsum, Produktion).

Dass Vorstandsmitglied Peter Schwarzenbauer im Panel sitzt, mag auf den ersten Blick überraschen, auf den zweiten nicht. Schwarzenbauer sprach schon auf dem Sustainable Innovation Forum 2015 in Paris zum Thema urbane Mobilität. Zum selben Thema diskutierten Studenten aus zwölf Ländern im ersten internationalen „BMW Group Student Forum“ auf dem Klimagipfel von Paris. Seit 1992 bringt sich die BMW Group in die Klimakonferenzen ein. Ihre zehn strategischen Nachhaltigkeitsziele bis 2020 mit den drei Themenfeldern Produkte und Dienstleistungen, Produktion und Wertschöpfung, Mitarbeiter und Gesellschaft stehen im Einklang mit dem „Action 2020-Programm“ des World Business Council of Sustainable Development (WBCSD) und werden ausführlich dokumentiert.


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Die besten Nachhaltigkeitsberichte deutscher Unternehmen vor Einführung der CSR-Berichtspflicht im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. V.l.n.r.: Michael Helbig (KfW Bankengruppe), Ursula Wilms (Miele), Thomas Korbun (IÖW), Alexander Nick (BMW), Udo Westermann (future), Thorben Albrecht (Staatssekretär Bundesministerium für Arbeit und Soziales), Ulrich Walter (Lebensbaum), Gerd Scholl (IÖW), Bettina Roth (Vaude), Christian Rinn (Rinn Beton- und Naturstein)
FOTO: IÖW, GORDON WELTERS

Bereits vor Einführung der CSR-Berichtspflicht zeichnete das Bundesministerium für Arbeit und Soziales BMW, Miele, die KfW Bankengruppe und fünf weitere Unternehmen für ihre Nachhaltigkeitsberichte aus. Maßgeblich ist das Ranking des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensvereinigung „future – verantwortung unternehmen“. Von den ausgewerteten CSR-Berichten der 150 größten deutschen Unternehmen entsprechen 79 den Anforderungen einer vollumfänglichen Berichterstattung, so das Ergebnis auf dem Fachkongress „CSR-Reporting vor der Berichtspflicht“ am 26 September 2016.

Die neue EU-Richtlinie zur CSR-Berichtspflicht haben bisher 19 Mitgliedsländer in nationales Recht überführt. In Deutschland ist sie rückwirkend zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten. Das „Gesetz zur Stärkung der nichtfinanziellen Berichterstattung der Unternehmen in ihren Lage- und Konzernlageberichten“ verpflichtet kapitalmarktorientierte Unternehmen ab 500 Mitarbeiter über ihre Maßnahmen u.a. Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen zu informieren. Anleitung gibt der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE). Er hat seinen Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) an das verabschiedete CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz angepasst und in der DNK-Datenbank erfasst.

Unternehmen können ihre Berichte entlang den 20 Kriterien des DNK anlegen; unterteilt in Strategie (Strategische Analyse und Maßnahmen, Ziele) Prozessmanagement (Verantwortung, Regeln und Prozesse, Kontrolle), Umwelt (Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen, Ressourcenmanagement) und Gesellschaft (Arbeitnehmerrechte, Chancengleichheit). Bisher machen das 229 Organisationen: Unternehmen wie Allianz und Audi, BASF und BMW, Coca Cola und Commerzbank, Daimler, Deutsche Bank und Deutsche Telekom, EnBW, Ernest & Young und Evonik Industries AG, aber auch die Forschungszentrum Jülich GmbH und Fraunhofer-Gesellschaft, die Universität Bayreuth und Universität Hamburg, Verkehrsträger wie die Deutsche Bahn, der Flughafen München, die Fraport AG und sogar erste Venues wie das Besondere Orte Umweltforum Berlin und das Hotel und Tagungszentrum Spenerhaus am Dominikanerkloster in Frankfurt/Main. 


Die Beiersdorf AG lehnt ihr Audit-Programm „Environmental Protection and Safety Management Audit Scheme“ an die international Normen ISO 14001 (International Organization for Standardization) und OHSAS 18001 (Occupational Health and Safety Assessment Series) an. Nachhaltigkeitsstrategie und -bericht der Hamburger stehen auf den drei Säulen „Products“, „Planet“ und „People“ mit den drei Ebenen sozial, ökologisch und finanziell. 2016 übertrafen sie ihr ursprüngliches „Planet“-Ziel für 2020 mit 41% statt 30% weniger CO2-Ausstoß pro verkauftem Produkt (Basisjahr 2005). Bis 2025 will Beiersdorf eine Senkung um 70% erreichen (Basisjahr 2014), bis 2020 den Strom aller Standorten zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen beziehen.

Dass sich das nachhaltige Bewusstsein von Beiersdorf im Conference & Event Management fortsetzt, verdeutlicht der „Beratungskatalog für die nachhaltige Planung von Veranstaltungen der Beiersdorf AG“. Teamleiter Holger Leisewitz schilderte die Geschichte und Entwicklung des Katalogs auf dem ersten Famab Sustainability Summit. Den Gipfel riefen der Kommunikationsverband Famab und die CSR-Beratungsagentur 2bdifferent 2017 ins Leben, um Auftraggeber und -nehmer der Live-Kommunikationsbranche ins Gespräch zu bringen. 

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Im Berliner „ewerk“ wurden die „GreenTec Awards“ vergeben, u.a. an Mobisol für seine autonomen Solaranlagen. Neumann & Müller Veranstaltungstechnik unterstützte die technische Umsetzung: 350 Scheinwerfer mit stromsparender LED-Technik kamen zum Einsatz – auch auf dem „Grünen Teppich“, wo LED-Stufenlinsen für das optimale Fotolicht sorgten.
FOTO: GREENTECAWARDS

Eine aktuelle Studie der IMEX Gruppe und Meeting Professionals International (MPI) im Vorfeld der IMEX America 2017 bestätigt, dass Nachhaltigkeit Veranstaltungsplaner in Unternehmen und Verbänden umtreibt: 72% der Planer haben sich in den letzten fünf Jahren verstärkt bemüht, ihre Veranstaltungen nachhaltiger zu planen. 
Dass die Einführung der CSR-Berichtspflicht eine nachhaltige(re) Denk- und Arbeitsweise in den Eventabteilungen der Unternehmen und ihren Dienstleistern nach sich zieht, zeigt Wolfgang Altenstrasser Unternehmenskommunikation der Vok Dams Gruppe auf: „Wir arbeiten heute für internationale Global Player, die weltweit neue Standards gerade auch bei Themen der CSR setzen und entsprechende Forderungen an ihre Dienstleistungspartner haben.“ Das weiß Vok Dams nicht nur aus dem Agenturalltag, sondern als Unterstützer des UN Global Compact. Die globale Initiative für verantwortungsvolle Unternehmensführung. Unter den 12.678 Unterzeichnern ist auch die MCI Agenturgruppe. Ihr jährlicher Sustainability Report fußt wie bei den Großen auf „People, Planet and Profit“. 

„In den letzten zehn Jahren hat MCI die CO2- Emissionen um 12% gesenkt, mehr als 5,7 Mio. Euro für 468 Gemeinschaftsprojekte gesammelt, 33.361 Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter geschult und 850 Projekte im Bereich Nachhaltigkeit und Energie betreut“, berichtet Sébastien Tondeur. Der CEO der MCI Group betont: „Seit wir vor zehn Jahren mit unserer Nachhaltigkeitsreise begonnen haben, haben sich das Volumen und die Arten von internationalen Umwelt- und sozialen Herausforderungen stark erhöht. Unternehmen, Regierungen und zivilgesellschaftliche Organisationen müssen Innovation und Zusammenarbeit fördern, damit sie in größerem Umfang agieren können.“ Tondeur sieht sich hier durchaus in der Pflicht: „Unsere Hauptaufgabe besteht darin, unseren Kunden zu helfen, die Macht der Gemeinschaft zu nutzen, um Veränderungen anzuregen, zu fördern und umzusetzen.“

„Die Erkenntnis, dass die Art und Weise wie Firmenevents ausgerichtet sind, zu einer positiven Nachhaltigkeitsbilanz beiträgt, ist bei vielen Unternehmen noch nicht angekommen“, befindet Kerstin Pettenkofer, Geschäftsführerin der Agentur labconcepts und Gründungsmitglied des Netzwerks „events für morgen – Experten für nachhaltige Events“ (siehe Interview Seite 24). Die vor zwei Jahren gegründete Initiative will Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen etablieren und Hürden für Veranstalter abbauen. Nachhaltiges Veranstaltungsmanagement umfasst dabei zahlreiche Einzelmaßnahmen, darunter Gästemanagement, Mobilität und Catering – allesamt Maßnahmen, die gut beschreibbar und ganz einfach messbar sind. Darüber hinaus lassen sich viele der Maßnahmen auf den Büroalltag übertragen und führen so insgesamt zu mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen. KERSTIN WÜNSCH

http://gsbs-2017.comwww.deutscher-nachhaltigkeitskodex.dewww.vokdams.dewww.mci-group.com

„We need to transform this greed based civilization into one based on real human values. We can do it, if only we want to.”
Professor Muhammad Yunus,
Nobel Peace Prize Laureate 
„Wir arbeiten für internationale Global Player, die neue Standards bei CSR setzen.“ 
Wolfgang Altenstrasser,
Vok Dams 
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