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EVENTS FÜR MORGEN

„Nachhaltigkeit schont den Geldbeutel“

Kerstin Pettenkofer, Geschäftsführerin der Agentur labconcepts und Mitgründerin des Netzwerks „events für morgen – Experten für nachhaltige Events“, über die neue CSR-Berichtspflicht, Vorurteile wie „Nachhaltiger ist teurer!“ und die „Besonderen Orte“

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w: In Deutschland ist zum 1. Januar 2017 die CSR-Berichtspflicht in Kraft getreten. Machen Sie erste Reaktionen in der Veranstaltungsbranche aus?
Kerstin Pettenkofer
: Bisher merken wir als Beratungs- und Veranstaltungsagentur nur marginal etwas, da wir kaum berichtspflichtige Kunden haben. Wir sprechen Unternehmen auf die neue CSR-Berichtspflicht an und stellen fest, dass viele verunsichert sind. Das Gesetz ist an dieser Stelle sehr vage und gibt keinen Rahmen vor. Für uns und die Veranstaltungsbranche werden sich möglicherweise – hoffentlich – langfristig durch die CSR-Berichtspflicht Veränderungen ergeben: Nämlich dann, wenn Veranstalter erkennen, dass sie mit einem nachhaltigen Veranstaltungsmanagement Pluspunkte für ihren Bericht sammeln können.

Wo findet sich das in der EU-Richtlinie wieder?
Konkret können Maßnahmen zu nachhaltigeren Events unter Art 19a (1) (e) EU-Richtlinie 2014/95/ EU zusammengefasst werden. Dabei geht es darum, „Risiken und deren Handhabung im Zusammenhang bzgl. Geschäftstätigkeit und ggf. Geschäftsbeziehungen, Erzeugnissen, Dienstleistungen“ darzulegen. Unternehmen, die ihre Veranstaltungen nachhaltig ausrichten, können hier beschreiben, welche Maßnahmen sie ergreifen.

Wie tragen die Art und Weise wie Firmenevents ausgerichtet werden zu einer positiven Nachhaltigkeitsbilanz von Unternehmen bei?
Aus unserer Beratungserfahrung können wir sagen, dass Kunden, die sich einen Teilbereich z.B. ihre Veranstaltungen durch die Nachhaltigkeitsbrille ansehen, schnell Punkte in ihrem Büroalltag, Vertrieb oder der Produktion entdecken, die einfach nachhaltiger gestaltet werden könnten. Auf den zweiten Blick merken sie, dass sie nicht nur bereits Einiges umsetzen, sondern durch ihre Maßnahmen oft ihr Budget schonen. Allein in Deutschland haben wir drei Millionen Veranstaltungen im Jahr mit rund 400 Mio. Teilnehmenden. Bei jeder Veranstaltung entstehen im Schnitt neun Kilo Müll (Altpapier inklusive) pro Teilnehmer! Mit nachhaltigen Veranstaltungen kann ein Unternehmen eine Haltung ausdrücken und eigenen Werten ein Gesicht geben.

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FOTO: RNE, ANDRÉ WAGENZIK


„Events für morgen“ will Hürden nachhaltigen Events abbauen. Wie schaffen Sie Abhilfe?
Es gibt reichlich Vorurteile: „Nachhaltiger ist teurer!“, „alles wird noch komplexer und komplizierter“ und das beliebteste Argument: „Was kann ich bzw. mein Event alleine schon ausrichten?“ Wir wollen aufklären und zeigen, dass Nachhaltigkeit ein Qualitätsmerkmal ist und dass Nachhaltigkeit bei Events zu mehr Kreativität und Individualität beiträgt. Wir verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit den Geldbeutel schont und Veranstalter sehr viel mehr zu erzählen haben, wenn sie kein 08/15-Event planen – ein Plus für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit! Wir halten Vorträge, publizieren, bieten Lernwerkstätten an, geben Trainings und teilen unsere Praxiserfahrung.

Was entgegnen Sie jenen, die Nachhaltigkeit bei ihren Events als „nice to have“ betrachten?
Bei jeder Veranstaltung müssen andere Rahmenbedingungen berücksichtigt werden. Daher sind die „need to have“ bei einigen nur die „nice to have“. Darauf nehmen wir Rücksicht. Aber wir werden nicht müde, immer wieder nachhaltigere Alternativen aufzuzeigen, Empfehlungen auszusprechen und so für Nachhaltigkeit zu sensibilisieren. Schon oft genug hat es dann plötzlich Klick gemacht! Denn wer kann ernsthaft etwas gegen Nachhaltigkeit sagen?

Sie gehen in Tagungsstätten ein und aus. Welche drei überzeugen Sie hinsichtlich Nachhaltigkeit?
Die „Besonderen Orte“ in Berlin mit dem Umweltforum, dem Tagungswerk, der Neuen Mälzerei, der Französischen Friedrichstadt, der Zwingli Kirche und Haus Zwingli sind genial! Sie haben ein gut durchdachtes Nachhaltigkeitskonzept, das sie in den vielen Jahren, die ich sie kenne, immer weiterentwickeln. Und nicht ganz unwesentlich: Die Besonderen Orte sind wirklich besonders! KERSTIN WÜNSCH


„EVENTS FÜR MORGEN“ 

Das Netzwerk „events für morgen“ ist ein Zusammenschluss der Agenturen labconcepts GmbH, greenstorming GmbH und Quartier Stuttgart. Die 2015 gegründete Initiative will Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche etablieren. Das Netzwerk unterstützt von der Konzeption bis zur Nachbereitung Kongressen und Messen, berät und schult.

Events für morgen hat für Organisationen wie Flughafen Stuttgart, WWF, UNESCO, KfW oder Rat für Nachhaltige Entwicklung Veranstaltungen nachhaltig umgesetzt.

www.events-fuer-morgen.de
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Die Agentur labconcepts hat den RNE bei der nachhaltigen Umsetzung seiner Konferenz beraten.
FOTO: RNE, DAVID AUSSERHOFER, SVEA PIETSCHMANN


ANLEITUNG ZU NACHHALTIGEM TAGEN 

Auszug der Maßnahmen zum nachhaltigen Veranstaltungsmanagement der 17. Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE) am 29. Mai 2017, basierend auf den Empfehlungen des „Leitfadens für die nachhaltige Organisation von Veranstaltungen“ des Umweltbundesamtes (UBA) und des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMUB):

1. Mobilität (Transport. Logistik, Verkehr)
a. Anreise mit dem Veranstaltungsticket „Umwelt Plus“ der Deutschen Bahn
b. Verkehrsgünstige Lage des Hotels mit guter Anbindung an das ÖPNV-Netz
c. während des Einladungsprozesses Teilnehmende zur Nutzung der Bahn/ÖPNV motivieren
d. Ein Live-Stream ermöglicht das Verfolgen der Veranstaltung auch ohne Anreise.

2. Teilnahmemanagement
a. Einladungsverfahren komplett elektronisch
b. Auf Papier wird weitestgehend verzichtet
c. Über Erinnerungsmails Reduktion der No-show-Rate von 30% auf ca. 10%

3. Barrierefreiheit
a. Barrierefreiheit ist eine Voraussetzung für Inklusion. Die Teilhabe aller Menschen ist uns wichtig.

4. Veranstaltungsort bcc – Berlin Congress Center
a. Integriertes Nachhaltigkeitskonzept vorhanden (Teamarbeit, Optimierung der Maßnahmen)
b. Einsatz nachhaltiger Materialien (FSC-Papier, Reinigungsmittel, etc.)
c. Energieeffiziente Wärmedämmung
d. energieoptimierte Klima- und Heiztechnik (Empfehlung BMU: Tagungsräume nicht über 20°C heizen, nicht unter 6°C Außentemperatur kühlen)
e. Einsatz von Niedrigenergiegeräten A+++ Standard, Energy Star (Kühlzellen, Beamer)
f. getrennte Abfallsammlung und -entsorgung
g. Einsatz energiesparender Beleuchtungstechnik (LED, Stufen- bzw. Zeitschaltungen)

5. Catering
a. vegetarische, regionale und saisonale Produkte sind Bestandteil des Sortiments
b. Einsatz zertifizierter Produkte (Bio, MSC, Fair-Trade, Naturland, Demeter, etc.)
c. Vermeiden von Lebensmittelabfällen
d. Weitergabe der Speisen an die Berliner Tafel

6. Veranstaltungstechnik und Ausstattung
a. Einsatz energieeffiziente Veranstaltungs- (Energy Star, EU-Label, etc.) und Beleuchtungstechnik
b. Einsatz nachhaltiger Bühnentechnik und Messebausysteme: Einsatz zertifizierter Produkte/Materialien (z.B. blauer Engel, FSC)
c. Möbel: Nutzung zertifizierter Produkte (z.B. Das Goldene M, ÖkoControl, FSC), Vermeidung kurzlebiger Kunststoffmöbeln, Einsatz wiederverwendbarer Möbel

7. Abfallmanagement

a. Einsatz eines Entsorgungskonzepts
b. Mülltrennung vor Ort (Papier, Glas, Bio-, Restmüll)

8. Wasserverbrauch
a. Einsatz einer Abscheideranlage (Öle und Fette)
b. Einsatz wassersparender Geräte (z.B. Industrie-Spülmaschinen), wassersparender Toilettenspülsysteme (z.B. Stopfunktion)

9. Print
a. Reduzierung Papierverbrauch durch den Einsatz elektronischer Kommunikation
b. Bereitstellung elektronischer Tagungsprogramme und Tagungsunterlagen
c. Nutzung von Papier aus zertifizierter Quelle

10. Werbemittel & Tagungsunterlagen
a. Verzicht auf Give Aways und Werbemittel
b. Druck der Namensschilder vor Ort, zur Vermeidung des Postversands
c. Recycling der Namensbadges aus Polypropylen

11. Hotel-Übernachtung
a. Nutzung zertifizierter Hotels (Green Certified, Bio Hotel, Green Key u.v.m.) mit ÖPNV-Anbindung
b. Zusammenarbeit der Hotels mit regionalen Dienstleistungsunternehmen

12. Kommunikation
a. Kommunikation der nachhaltigen Maßnahmen im Einladung- und Anmeldeprozess und im Programm
b. Einbindung des Themas Nachhaltigkeit in die Live-Kommunikation
c. Monitoring der umgesetzten nachhaltigen Maßnahmen

13. GreenNote-Siegel
a. Die Berechnung über 13 nachhaltige Handlungsfelder und über 200 Maßnahmen nach CO2-Relevanz gewichtet und gewertet
b. GreenNote dokumentiert und bewertet nachhaltige Veranstaltungen, die ressourcenschonend und klimafreundlich umgesetzt werden.
c. GreenNote ist ein Label von talk & act Nachhaltigkeitsmanagement.

Quelle:

www.nachhaltigkeitsrat.de/jahreskonferenz

„Die Jahreskonferenz des Rates für Nachhaltige Entwicklung ist qua DNA die größte Spielwiese in Sachen Nachhaltigkeit.“ 

Kerstin Pettenkofer,

Geschäftsführerin labconcepts
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