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GREEN MEETINGS

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… nicht alle aber viele Teile der Veranstaltungsplanung umsetzbar. Orientierung bieten Zertifikate wie Fairpflichtet oder Certified. Maßnahmen für Green Meetings umfassen Abfallreduktion oder smartes Energiemanagement genauso wie den Bereich Human Resources.

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ast drei Viertel (72 Prozent) internationaler Veranstaltungsplaner haben innerhalb der letzten fünf Jahre ihre Bemühungen, die eigenen Veranstaltungen nachhaltiger zu planen, verstärkt. Jeder Fünfte davon in großem Maße. Dies fand eine gemeinsame Umfrage der IMEX Group und Meeting Professionals International (MPI) im Vorfeld der IMEX America heraus, die gerade im Oktober in Las Vegas stattfand. Für Carina Bauer, CEO der IMEX Group ist das ein erfreuliches Ergebnis. Sie weiß um die Verantwortung großer Veranstaltungen, die Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringen: „Wenn jeder Besucher und jeder Aussteller auf der IMEX in Frankfurt und auf der IMEX America nur je einen Schritt in die Richtung nachhaltiger Eventplanung geht, haben wir alle schon einen riesigen Schritt in die richtige Richtung getan.“ Die IMEX selbst hat zuletzt 2,7 Tonnen Papier gespart, indem kein Messe-Katalog mehr produziert wurde. Und auf der letzten IMEX America wurde der Energieverbrauch pro Teilnehmer um 13 Prozent reduziert und die Kohlenstoffdioxid-Emissionen insgesamt um 18 Prozent verringert.

Nachhaltige Eventplanung beinhaltet auf der einen Seite natürlich eigenverantwortlich umzusetzende Maßnahmen wie Abfallreduktion, Recycling oder die Weitergabe von nicht verbrauchten Lebensmitteln und Materialien. Auf der anderen Seite kommen aber auch weniger selbst zu beeinflussende Faktoren wie eine „grüne Stadt“ oder nachhaltige Locations als Veranstaltungsorte hinzu. Orientierung bei der Wahl nachhaltiger Hotels, Locations und anderen Dienstleistern gibt der Kodex „Fairpflichtet“ mit 193 Unterstützern. Initiiert haben den Nachhaltigkeitskodex der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche das German Convention Bureau (GCB) und Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren (EVVC). Die Unterzeichner verpflichten sich freiwillig der Nachhaltigkeit bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen entlang von zehn Leitlinien zu „Ressourcen und Energie“ und deren verantwortlicher Umgang oder zum „nachhaltigen Arbeitgeber“, der die Qualifikation seiner Mitarbeiter steigert und ihre Beschäftigung sichert.

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Starkes Argument „Green“? Eine IMEX-Umfrage hat ergeben, dass Planer ihre Veranstaltungen verstärkt nachhaltig gestalten.
FOTO: IMEX  


Ein anderes Siegel zur Orientierung bietet Certified. Ein Certified Green Hotel ist ein nachhaltig und zukunftsweisend geführtes Hotel. Der verantwortungsvolle und nachhaltige Umgang mit Ressourcen wird hier genauso groß geschrieben wie ein fairer Umgang mit Personal und Lieferanten. Zudem ist das Speiseangebot regional und saisonal. Mit dem Zertifikat wurde ein besonderer Schwerpunkt auf ökologisches und gesellschaftlich verantwortliches Handeln gelegt. Der Certified Green Hotel Kriterienkatalog umfasst 80 Kriterien in den Kategorien Energie, Wasser, Müll, Essen & Trinken, Mobilität, gesellschaftliche Verantwortung (CSR) und Information & Management.

Wie im Certified Green Hotel Landgut Stober Nauen mit 25 Tagungsräumen für bis zu 750 Personen und 105 Zimmern, das vor den Toren Berlins im Havelland liegt und mehrfach für seine nachhaltigen Ansätze ausgezeichnet wurde. Als Geschäftsführer des ersten Bio-zertifizierten Hotels in Brandenburg stößt Michael Stober immer wieder auf drei Vorurteile: „Ach, Sie sind Öko?“, „Auf was muss ich verzichten?“ und „Wird es jetzt teuer?“. Stober versichert, dass die Gäste seines Vier-Sterne-Hauses bis auf die Klimaanlage auf nichts verzichten, und sein nachhaltiges Management 4,6 Prozent der Kosten einspart. Mehr noch: Die eigene Stromerzeugung, die Hackschnitzelheizung mit eigenem 12,5-ha-großen Wald, die Nutzung von Regenwasser für die 200 Toilettenanlagen, die Zubereitung regionaler und saisonaler Speisen reduzieren den CO2-Wert deutlich und damit verbundene Kompensationszahlungen. Das Landgut Stober ist in Kooperation mit Zertifizierer CO2OL seit 2013 klimaneutral und händigt jetzt jedem Gast eine Urkunde für seinen klimaneutralen Aufenthalt aus. Die ersten Empfänger waren am 19. und 20. Juli 2017 die Teilnehmer der internationalen Führungskräfte-Tagung der Bio Company.

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Goldeimer: Beim Gang aufs stille Örtchen im Scandic Hamburg Emporio sollen Besucher für eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft sensibilisiert werden.
FOTO: GOLDEIMER

In den Bergen Tirols steht das Congress Centrum Alpbach (CCA) für ein nachhaltiges Veranstaltungshaus. „CSR und Nachhaltigkeit sind untrennbare Bestandteile des Alpbacher Tagungsangebots und damit auch ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil für uns als Anbieter sowie für die Veranstalter und Teilnehmer ein sehr hochwertiger Zusatznutzen“, ist Geschäftsführer Georg Hechenblaikner überzeugt. „Sämtliche Kongresse, Tagungen und Seminare im CCA werden als Green Meeting durchgeführt.“ Wie das Europäische Forum Alpbach. Dieser Kongress mit zuletzt 5.800 Teilnehmern wurde seit dem Jahr 2009 jedes Jahr mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Meetings zertifiziert. Bei der Erweiterung 2016 wurde vor allem nach ökologischen Kriterien gebaut: Hohe Energieeffizienz mit modernster Gebäudetechnik, eine geothermisch gespeiste Wärmepumpe für Heizung und Kühlung, Spitzenlastabdeckung mit Pellets, eine Fassade mit integrierten Photovoltaikpanelen und Strom zu hundert Prozent aus regionalen Kleinkraftwerken.

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Das Landgut Stober bei Berlin spart dank nachhaltigen Managements 4,6 Prozent seiner Kosten.
FOTO: LANDGUT STOBER 

Auch Human Resources sind ein Pfeiler für Nachhaltigkeit. Die Leonardo Hotels wurden mit dem European Excellence Award in Human Resources ausgezeichnet.
In der Kategorie „Employee Engagement“. Im vergangenen Jahr haben Anke Maas, Human Resources Director of Europe, und ihr Team die Mitarbeiter-App als internes Kommunikations- und Informationstool ins Leben gerufen. Mehr als 2.700 Mitarbeitern der Leonardo Hotels, die in über 40 Destinationen europaweit tätig sind, wird damit eine Plattform geboten, auf der sich jeder Einzelne einbringen, mit seinen Kollegen im In- und Ausland austauschen und informieren kann.



Im Scandic Hamburg Emporio gehört Nachhaltigkeit zur Unternehmensphilosophie. Das ganzheitliche Konzept umfasst neben Umweltschutz und dem verantwortlichen Umgang mit Energie und Rohstoffen auch die Barrierefreiheit und soziales Engagement. Als neuestes Projekt startet das Scandic Hamburg Emporio eine Kooperation mit Goldeimer. Ziel des Sozialunternehmens ist es, für eine faire und nachhaltige Kreislaufwirtschaft zu sensibilisieren. Sämtliche Gewinne fließen in die Arbeit von Viva con Agua und der Welthungerhilfe, um auf die weltweite Sanitärkrise aufmerksam zu machen. 2,3 Mrd. Menschen weltweit haben keine Toilette. Mit jeder gekauften Packung Goldeimer Klopapier fließen 20 Cent in die gemeinnützige Arbeit .


Wollen Veranstaltungsplaner sich selbst informieren, dienen neben den obligatorischen Messen wie IMEX und ibtm World regionale Veranstaltungen wie zum Beispiel die Green World Tour als Anregung. Auf dem Campus Adlershof der HU Berlin informierten am 13. und 14. Oktober 2017 Wissenschaftler und Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum und aus den Niederlanden 3.100 Besucher über Solarstrom, Abfallvermeidung, Lebensmittelkonsum genauso wie Schadstoffvermeidung oder E-Mobilität. „Messebesucher können bei uns die Vielfalt der Nachhaltigkeit erleben. Wir zeigen auf, dass sich Nachhaltigkeit heutzutage kinderleicht in den Alltag integrieren lässt. Jeder kann seinen Teil dazu beitragen, jeden Tag ein wenig mehr“, so Michael Lülf, Geschäftsführer der Autarkia GmbH, die die zweitägigen Nachhaltigkeits-Messen in deutschen und österreichischen Metropolen veranstaltet. 2018 finden die Green World Tour Messen gleich an sechs Standorten in Stuttgart, München, Wien, Hamburg, Berlin und Münster statt. 


Weitere nachhaltige Möglichkeiten zeigt die Ideenbörse „Meine Ideen, Meine Projekte, Meine Grüne Hauptstadt“ auf. Unter den 115 Bürgerprojekten ist App „greenApes“, die umweltbewusste Menschen vernetzt und umweltfreundliche Tätigkeiten wie Fahrrad fahren, regional konsumieren oder Müll trennen mit Punkten belohnt, die sich zum Beispiel gegen Prämien eintauschen lassen. Die Ideenbörse ist ein Projekt von Essen 2017 – Europas Grüner Hauptstadt. Mit dem Titel zeichnete die Europäische Kommission die beispielhafte Transformationsgeschichte der Kohle- und Stahlstadt zur grünsten Stadt in Nordrhein-Westfalen aus. „Als Grüne Hauptstadt Europas möchten wir Themen platzieren, die auch über unsere Stadt hinaus Umweltbewusstsein schärfen – sei es in der Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft, der Verwaltung oder einfach bei den Menschen“, so Oberbürgermeister Thomas Kufen zur Eröffnung der vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit geförderten Konferenz „Nachhaltige Architektur im (Klima-)Wandel“ im Q2 des Thyssen-Krupp-Quartiers. Essen soll auch nach 2017 grün bleiben: „Bis 2025 sollen in Essen 20.000 Umweltjobs entstanden sein. Bereits heute existiert eine starke Umweltwirtschaft mit einer hohen Innovationskraft. Wirtschaftsförderung und grüne Stadtentwicklung widersprechen sich nicht, sondern gehen bei uns Hand in Hand. Das ist das Modell der Zukunft“, betont Simone Raskob, Umwelt- und Baudezernentin der Stadt Essen und Projektleiterin der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017. 


Dass nachhaltige Initiativen mehr als ein Trend sind, zeigt die aktuelle von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt in Auftrag gegebene „Umweltbewusstseinsstudie“. Demnach ist Umwelt- und Klimaschutz für die Deutschen derzeit das drittwichtigste gesellschaftliche Problem. „Nachhaltigkeit ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, befindet Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Und wie die Studie der IMEX zeigt: In der Veranstaltungsplanung ebenso.  CHRISTIAN FUNK
 

www.certified.dewww.fairpflichtet.dewww.landgut-stober.dewww.congressalpbach.comwww.essengreen.capital
Die IMEX hat zuletzt 2,7 Tonnen Papier gespart, indem sie keinen Messe-Katalog mehr produziert. 


Von CO2OL zertifiziert: Tagungen im Landgut Stober sind klimaneutral.

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