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NACHHALTIGER MESSEBAU

Gezielter Materialeinsatz macht Messe ökologischer

Unternehmen, die nachhaltig auftreten wollen, haben einen höheren Aufwand bei der Planung, sind mehr bei der Realisierung gefordert, beim Rückbau und Transport. Nachhaltigkeit finden viele von ihnen vor allem dann gut, wenn sie sich budgetschonend auswirkt.

„V
or X Jahren schon habe ich unseren Messestand CO2-frei stellen lassen. Hat ein Riesengeld gekostet – und es hat niemanden interessiert: weder die Besucher, noch die Mitarbeiter im Unternehmen. Es war ihnen schlicht egal“, klagte vor Jahren ein Messeverantwortlicher, der es richtig ernst meinte und nicht genannt werden möchte. Die gute Nachricht: Inzwischen ist er nicht mehr allein mit seiner Ernsthaftigkeit. Inzwischen achten vereinzelte Aussteller mehr auf den Aspekt Nachhaltigkeit, verzichten auf Dieselstapler und ordern Ökostrom in den Hallen. Der weniger gute Nachsatz allerdings lautet: „Viele agieren nur dann nachhaltig, wenn sie es müssen.“ Der Nachhaltigkeitsanspruch vieler ausstellender Unternehmen könnte ausgeprägter sein, häufig muss er erst durch aktive Beratung geweckt werden. Eine Beobachtung, die Alexander Schmidt, im Fachverband Famab für das Vorstandsressort Technik und Umwelt zuständig, teilt: „Aussteller fordern Nachhaltigkeit meistens nur dann ein, wenn dadurch ihr Budget geschont wird.“ Die seit kurzem geltenden Berichtspflichten im Bereich Nachhaltigkeit werden aber wohl zu erheblichen Veränderungen führen, glaubt der Experte. Ein wesentlicher Aspekt wird dann ein entsprechender Vorlauf sein, der Messebaudienstleistern ermöglicht, individuelle nachhaltige Lösungen umzusetzen.

Messen und Nachhaltigkeit, ein schwieriges Thema. Denn grundsätzlich verursachen Messestände natürlich Müll und verbrauchen Ressourcen, sogar eine ganze Menge davon. Messebaudienstleister und Cateringbetriebe rechnen jedenfalls damit, in Zukunft verstärkt unter die Lupe genommen zu werden, wenn sie auch am Ende der Kette liegen, die die EU-Berichtspflicht vorschreibt. Dass sie davon ausgehen, liegt zum einen an der hohen Fertigungstiefe und Materialverwendung im Messebau und zum anderen an dem umfangreichen, teils globalen Bezug von Lebensmitteln und dem Einsatz tierischer Produkte bei Caterern. Und da ihre Kunden, die ausstellenden Unternehmen, bei Messe nicht immer ganz so nachhaltig mit dem Thema umgehen, haben sie im Verband angefangen, vor der eigenen Tür zu kehren. Eine Vielzahl von ihnen ist, zusammen mit Kollegen aus Agenturen, Locations oder Hotels, in vielen Bereichen der Nachhaltigkeit bereits aktiv. Dies gilt für die Optimierung des Materialeinsatzes, die Wiederverwertung, den Bezug von Ökostrom, die Verwendung von umweltfreundlichen Technologien und Materialien. Famab-Mann Schmidt formuliert das so: „ Den Anspruch an die Nachhaltigkeit sowohl der internen Prozesse wie auch beim Bau stellen wir an uns selbst und leben dies mit viel Idealismus.“ 

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„Resourcing the world“: Messeauftritt von Veolia.
FOTO: VEOLIA

Der Verband für Live-Kommunikation hat schon vor Jahren ein eigenes Zertifikat entwickelt. Dafür wurden in Zusammenarbeit mit Co2ol, Bonn, Kriterien definiert, nach denen die Zertifizierung in allen Bereichen der Live-Kommunikation erfolgen kann und passend für die gesamte Branche sind. Sämtliche Prüfsteine sollten zudem für jeden transparent und nachvollziehbar sein. Ziel war eine Lösung, die sowohl für Messebauunternehmen unterschiedlichster Ausprägung als auch für Architekturbüros, Eventagenturen, Caterer und Dienstleister passt.

Das Ergebnis ist ein Kriterienkatalog, nach dem Unternehmen auf Belange nachhaltigen Handelns hin durchleuchtet werden. Hierin finden sich viele Maßnahmen für die nachhaltige Unternehmensführung. Doch nicht alle haben das gleiche Gewicht: Sie wurden von Brancheninsidern gemeinsam mit den Nachhaltigkeitsexperten in hoch, mittel und niedrig eingestuft und werden im Rahmen einer Zertifizierung einzeln überprüft und im Kontext bewertet. Ein Unternehmen ist nur dann ‚Sustainable Company powered by Famab’, wenn es im Rahmen von Energieeinsatz, Abfallvermeidung und Mobilität genauso wie in der Mitarbeiterverantwortung ‚State of the art’ ist. Der Erhebungsbogen beginnt bei Energie- und CO2-Effizienz, reicht über Abfall bis hin zu Materialeinkauf und Mitarbeiterverantwortung. Ausstellern zur mehr Nachhaltigkeit in Sachen Messe Mut machen wollte der Verband mit den Kategorie „Best sustainable Project“ respektive „Best sustainable Process“ in seinem „Famab Award“. Allein, die Zahl der Einreichungen bleibt hinter den Erwartungen zurück. Der Preis wurde in den vergangenen Jahren mangels Masse gar nicht vergeben. 


Es ist nicht immer einfach im Messebau nachhaltig und umweltbewusst zu arbeiten, wissen die Beteiligten. Wirklich klimaneutrale Lösungen sind durchaus möglich, aber sie erfordern hohen Aufwand. Und so geht es nur in kleinen Schritten vorwärts. Viele Aussteller nutzen die Module ihrer Stände längerfristig, setzen auf einen verstärkter Wiedereinsatz von Bestandsmaterialien und -elementen.

Die knappe Zeit beim Aufbauen der Stände, die Gesundheitsbelastung etwa durch Sägen von Holzwerkstoffen, macht Nachhaltigkeit zu einer Herausforderung. Kurze Aufbauzeiten sind die eine Seite, häufig noch kürzere Abbauzeiten die andere. Gerade der unter hohem Zeitdruck zu erfolgende Abbau sorgt für Verschleiß, kommt allzu häufig einem Abriss gleich. Je schneller er erfolgen muss, desto mehr leidet das Material. Dies macht eine zusätzliche Überprüfung und Reparatur wenn nicht gar Neuanfertigungen erforderlich.

Sinnvoll steuerbar wird der Prozess, wenn Planung und Ausführung aus einem Haus kommen. Auf- und Abbau haben einen ganz wesentlichen Anteil an der Nachhaltigkeit, denn ein schonender Umgang mit dem Material erfordert Zeit, spart aber im Nachgang die Überarbeitung oder Neubeschaffung. In der Folge setzen Messebaudienstleister immer weniger auf Einwegprodukte, um der Logistik ein Schnippchen zu schlagen, die die meisten irreparablen Beschädigungen verursacht. Ein ausreichend schützendes Verpackungssystem wird unverzichtbar. Durch einen gezielten Materialeinsatz sind deutliche ökologische Verbesserungen im Messebau möglich. Die hochwertigste Form der Nachhaltigkeit liegt in der Wiederverwendung der Bauteile bei weiteren Unternehmenspräsentationen. Das erhöht allerdings den Aufwand der Planung, der Realisierung, des Rückbaus und des Transports. Maßgebend hierbei ist, dass die Wiederverwendung nicht nur theoretisch möglich ist, sondern auch tatsächlich umgesetzt wird. 
CHRISTIANE APPEL 

www.famab.de
Die hochwertigste Form der nachhaltigkeit liegt in der Wiederverwendung der Bauteile. 
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