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BILDUNGSOFFENSIVE

Andere Perspektive einnehmen

Wir hatten Barrierefreiheit außer Acht gelassen, erkennt Franziska Steckel in ihrem Bericht zum Seminar „sustainable Future Education“. Sie studiert im 7. Semester Tourism & Travel Management an der Hochschule Worms und ist der Einladung von tw tagungswirtschaft und m+a report gefolgt.

B
eim zweiten Seminar „sustainable Future Education“ am 16. September 2017 bin ich eine von 14 Auszubildenden, Studenten und jungen Menschen, die nachhaltige Veranstaltungen in ihrem Betrieb weiter fördern möchten. Das darmstadtium war als Location entsprechend gewählt. Michael Cordt, Leitung Sales & Marketing, führte uns herum und erklärte die Besonderheiten, wie die Regenwasseraufbereitung. Weil das Haus CSR ernst nimmt, werden Mitarbeiter und die Stadt in Planungen einbezogen, informiert und weitergebildet.

Nach einer Einführung ins Thema Nachhaltigkeit, bei der die Bedeutung von Transparenz und Glaubwürdigkeit verdeutlicht wurden, folgte eine Erläuterung der EU CSR-Berichtspflicht. Sie beinhaltet die Offenlegung nicht finanzieller Informationen. Themen wie Umwelt & Gesundheit, Soziales & Gesellschaft und Wertschöpfungsprozesse müssen offengelegt werden. Die Berichterstattung ist seit 2017 für am Kapitalmarkt orientierte Unternehmen ab 500 Mitarbeiter verpflichtend. Davon ist zwar nur eine überschaubare Zahl direkt betroffen, indirekt jedoch viele Dienstleister, da sie in die Berichtskette eingebunden an ihre Auftraggeber berichten müssen. Unternehmen fragen bei ihren Dienstleistern verschiedene Aspekte ab, z.B. ob Ökostrom verwendet wird. Die Nichterfüllung gewisser Kriterien kann dazu führen, dass mit diesen Lieferanten nicht mehr gearbeitet wird. In der Eventbranche kann das zu einem Dominoeffekt führen, da viele Zulieferer von weiteren Zulieferern Leistungen beziehen.

Anhand der Wertschöpfungskette von Veranstaltungen erarbeiteten wir Praxisbeispiele. Jede der vier Gruppen bekam einen Veranstaltungstyp zugeteilt. Anhand von diesem sollten wir erst Handlungsfelder wie Mobilität, Unterbringung oder Beschaffung identifizieren und dann Umsetzungsmaßnahmen zu Zielsetzungen erarbeiten. Diese lauteten „Reduzierung der verkehrsinduzierten Umweltbelastungen“ oder „Barrierefreiheit“. Wir hatten viele Ideen, wie z.B. auf Flyer verzichten und mehr mit Apps oder Screens arbeiten, mehr Busse einsetzen, vergünstigte ÖPNV-Tickets anbieten und mehr Inklusionskonzepte entwerfen.
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Aufbau der Bula- und Bonn-Zone auf dem COP23-Gelände in den Rheinauen. Bis Ende des Jahres soll der ganze Bereich wieder renaturiert sein.
FOTO: FUTURE SUSTAINABLE EDUCATION

Persönlich geprägt hat mich, dass wir zu Beginn der Veranstaltung die Barrierefreiheit komplett außer Acht gelassen haben. Dies kann im Arbeitsleben schnell vorkommen, weshalb ich mir vorgenommen habe, mein Umfeld genauer zu betrachten und andere Perspektiven einzunehmen. Mein Fazit zu diesem erfolgreichen und informativen Seminar fällt durchweg positiv aus.

Gut gefallen hat mir, dass die Veranstalter realistische Vorstellungen von der Durchsetzung nachhaltiger Projekte hatten und vermittelt haben, dass bei Nachhaltigkeit kein Dogmatismus betrieben werden sollte, sondern die Unternehmen freiwillig Interesse zeigen müssen. Veranstalter werden sich in Zukunft nicht mehr fragen „Wie viel bekomme ich mehr, weil ich nachhaltig bin?“, sondern: „Was fällt weg, wenn ich nicht nachhaltig bin?“ FRANZISKA STECKEL


SUSTAINABLE FUTURE EDUCATION 

Die bundesweite Bildungsoffensive 2017/ 2018 „sustainable Future Education“ ist eine Initiative des Kommunikationsverbands Famab, der Famab-Stiftung und der CSR-Agentur 2bdifferent. Die Seminarreihe will Nachwuchskräften der Veranstaltungswirtschaft den CSRGedanken näherbringen und Know-how für die nachhaltige Gestaltung vermitteln. Die nächsten Termine folgen hier: http://2bdifferent.de/bildung
„Bei Nachhaltigkeit sollte kein Dogmatismus betrieben werden.“
Franziska Steckel, Studentin an der Hochschule, Worms  
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