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SCHLESWIG-HOLSTEIN

„Woodstock der Windkraft“

Schleswig-Holstein gilt als Pionier der Windkraft und als Wegbereiter der deutschen Energiewende. Damit bietet das Land zwischen Nord- und Ostsee auch ein interessantes Umfeld für Tagungsplaner, die auf das Thema Nachhaltigkeit setzen.

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ieses Grün ist zum Verlieben. Hinter jeder Biegung schimmert es in einem anderen Ton. Moosgrün, apfelgrün, gelbgrün, kobaltgrün, smaragdgrün. Mal leuchtet es wie junge Triebe, mal düster wie nasse Algen. Wer im Frühsommer durch die nordfriesische Marsch und Geest radelt, kann im wahrsten Sinne des Wortes sein Grünes Wunder erleben. Und das liegt nicht allein an der schönen Landschaft. Denn neben pflanzlichem Grün in allen Schattierungen fällt der Blick noch auf etwas anderes: Windräder. Nirgends sonst in Deutschland gibt es mehr davon pro Fläche als hier im Hohen Norden. Schleswig-Holstein gilt als Wiege der Windindustrie und als Vorreiter der Energiewende. Seitdem 1983 in Dithmarschen die erste Großwindanlage Deutschlands, „Growian“, in Betrieb ging, hat es zwischen Nord- und Ostsee einen regelrechten Boom bei der Windkraft gegeben. Heute drehen sich mehr als 3.500 große Windräder in Schleswig-Holstein und mehr 1.000 Unternehmen und Betriebe arbeiten in der Windindustrie.

Den rasanten Aufstieg zum Wind-Champion hat das kleine Küstenland auch der Husum Wind zu verdanken. Aus kleinsten Anfängen war die erste Windmesse Deutschlands Ende der 80er-Jahre in der Husumer Viehauktionshalle entstanden und hatte sich schnell zur weltweit wichtigsten Leistungsschau der Wind-Branche entwickelt. Mittlerweile lockt die Messe alle zwei Jahre mehr als 600 internationale Aussteller und 20.000 Fachbesucher in das rund 10.000 Quadratmeter große Messezentrum samt fünf Hektar großem Freigelände.
                         
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In Schleswig-Holstein drehen sich mehr als 3.500 große Windräder. Über 1.000 Unternehmen arbeiten in der Wind-Industrie.
FOTO: ANDREAS BIRRESBORN

Aussteller und Besucher schätzen die Husum Wind nicht nur wegen der Weltneuheiten, die dort präsentiert werden, sondern auch wegen der informellen und entspannten Atmosphäre. „Woodstock der Windkraft“ nannte ein früherer Messechef die Veranstaltung einmal. Auch der aktuelle Messechef Arne Petersen schwärmt vom besonderen „Spirit“ der Messe. „Die einzigartige Lage, die wunderschöne Hafenkulisse, die kurzen Wege und die Nähe zum Unesco-Weltnaturerbe Wattenmeer – all das trägt zum unnachahmlichen Flair bei“, sagt Petersen und fügt hinzu. „Außerdem bietet die Messe ein einzigartiges Freizeit- und Erlebnisangebot für ein besonderes Rahmenprogramm. Bei uns kann man hervorragend tagen und gleichzeitig eine Auszeit genießen. Das fängt schon mit der Anreise an, versprochen.“

Auch wenn inzwischen andere Formate wie die Wasser- und Freizeitsportmesse Seaside oder die touristische Einrichtungsmesse Domizil, die beide in diesem Jahr erstmals stattfanden beziehungsweise noch stattfinden, nach Husum gekommen sind, sollen Windkraft, Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit das Kernthema der Messe bleiben. Neben der Husum Wind findet bereits seit 2002 die internationale Messe für Erneuerbare Energien New Energy in Husum statt – seit 2019 unter dem Namen New Energy Days. Im Oktober 2019 geht erstmals der Küstenschutz-Fachkongress Coast & Prevention an Start. Ab 2020 ist zudem eine neue Messe für nachhaltig orientierte Bauherren und Hauseigentümer geplant.

Aber nicht nur in Husum – auch in anderen Regionen Schleswig-Holsteins spielt das Thema Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit eine große Rolle. Sogar auf der Landwirtschafts- und Verbrauchermesse Norla, die jedes Jahr von der Messe Rendsburg veranstaltet wird, zeigt die wachsende Zahl von Ausstellern aus dem Bereich alternativer Energietechnik die Bedeutung des Themas.
       
                                     
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Arne Petersen, Geschäftsführer der Messe Husum & Congress, schwärmt vom besonderen „Spirit“ der Husum Wind.
FOTO: MESSE HUSUM, TIM RIEDIGER

Zum bedeutenden Standort für regenerative Energien und die gesamte Nachhaltigkeitsbranche hat sich besonders die Landeshauptstadt Kiel entwickelt. Das liegt vor allem an der reichlich vorhandenen Expertise der traditionellen maritimen Wirtschaft, die auch ideale Voraussetzungen für die Entwicklung der Technologien und Dienstleistungen für die Windindustrie bietet. Aber auch die Universität mit ihren technischen und ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen sowie die Vielzahl an „nachhaltigen“ Konferenzen und Tagungen trägt ihren Teil dazu bei. Die Messe Klima & Energie, die Fachtagung Kieler Energie Effizienz oder die von der Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (EESH) organisierte Konferenz Windwert sind seit langem feste Größen im Veranstaltungskalender der Stadt. 2017 und 2018 fand in der Kieler Sparkassen-Arena zudem das von der Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ und dem Land Schleswig-Holstein veranstaltete Future Energies Science Match statt – nach Darstellung der Veranstalter „Deutschlands größter Energie-Forschungsgipfel“. Dabei stellten rund 90 herausragende Energie-, Klima- und Nachhaltigkeitsforscher vor mehr als 750 Top-Entscheidern und Nachwuchskräften aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft in Drei-Minuten-Präsentationen ihre neuesten Innovationen und Entwicklungen aus vielen Jahren Forschung vor.

Es sind die vielen Puzzle-Teilchen aus kleinen Veranstaltungen und großen Messen, öffentlichen Initiativen und privaten Unternehmen, die Schleswig-Holsteins Image als Taktgeber und Innovationsmotor im Bereich nachhaltiger Wirtschaft prägen und die die Region für nachhaltig orientierte Veranstaltungs-Planer auch als Tagungs-Destination so interessant machen, zumal das Thema Nachhaltigkeit längst in der Veranstaltungsbranche angekommen ist.
                 

„GLÜCKN = NACHHALTIG ERFOLGREICHER“

FOTO: TASH, FRANK PETER
FOTO: TASH, FRANK PETER
Dr. Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus- Agentur Schleswig Holstein (TASH)

tw: Das Thema Nachhaltigkeit wird auch für die Veranstaltungsbranche immer wichtiger. Was hat Schleswig-Holstein hier zu bieten?
Dr. Bettina Bunge: Innovative Wirtschaftscluster wie die Netzwerk-Agentur Erneuerbare Energien oder das Maritime Cluster beschäftigen sich stark mit Fragen der Nachhaltigkeit. Auch Themen wie Elektromobilität oder Ressourceneffizienz sind Innovationsschwerpunkte im Land. Seit Ende 2003 dient die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes als politischer Handlungsrahmen und alle zwei Jahre wird ein Nachhaltigkeitspreis für Unternehmen beziehungsweise Institutionen vergeben. Speziell im Schleswig- Holstein-Tourismus gibt es eine breit angelegte Nachhaltigkeitsinitiative, organisatorisch angesiedelt bei der Wirtschaftsförderung, die mit Fachtagungen, Weiterbildungen und individueller Beratung hilft. In Anlehnung an unsere Marketingkampagne „Das ist Glück“ gibt es als kommunikative Glücksformel für einen nachhaltigeren Tourismus „GLÜCKn = nachhaltig erfolgreicher“.

Können Sie Beispiele für nachhaltige Angebote nennen?
Vorzeigeprojekte finden sich beispielsweise mit dem ersten klimaneutralen Hotel in Schleswig- Holstein, Janbecks Fairhaus, sowie diversen Bio- Hotels, zertifizierten Veranstaltungsstätten, Bio- Hofläden, regionalen Manufakturen, dem Bildungszentrum für Nachhaltigkeit Christian Jensen Kolleg, Greentable Restaurants wie dem Odins Haddeby oder regionalen Produktnetzwerken wie Feinheimisch. Die Ostseefjord-Schlei-Region ist dahingehend Vorreiter in Schleswig-Holstein, dass sie 2018 als Region insgesamt durch TourCert als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert wurde.
AXEL KADEN
            
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„Nachhaltigkeit wird auch im MICE-Geschäft immer wichtiger und umfasst in der Veranstaltungsbranche heute weit mehr als nur regionales und saisonales Catering und Umweltschutz“, bestätigt Bettina Bunge, Geschäftsführerin der Tourismus- Agentur Schleswig-Holstein (TASH). Die Einhaltung nachhaltiger Standards im Hinblick auf soziale Aspekte, Corporate Social Responsibility, Mitarbeiterkomfort und Compliance sei dabei genauso in den Mittelpunkt gerückt wie das nachhaltige, wirtschaftliche Handeln. In der 2015 vorgestellten „Tourismusstrategie Schleswig-Holstein 2025“ wurde dem Thema Nachhaltigkeit bereits ein eigenes Handlungsfeld zugedacht. Für die Zukunft gelte es, Schleswig-Holstein flächendeckend als nachhaltige MICE-Destination zu entwickeln.

Dass sich umweltorientiertes und sozialverantwortliches Handeln auch wirtschaftlich lohnt, zeigt das Beispiel der Musik- und Kongresshalle Lübeck, kurz MUK. Seit zehn Jahren setzt diese auf „Green Meeting“ und gehört damit zu den Vorreitern in der Branche. Inzwischen schmückt sich das überregional bekannte Veranstaltungshaus mit zahlreichen einschlägigen Zertifizierungen von der Ausbildungsinitiative Kodex 100PRO bis zu fairpflichtet, dem Nachhaltigkeitskodex der deutschsprachigen Veranstaltungsbranche. Erst jüngst wurde die MUK mit dem Green Globe Gold Status ausgezeichnet, einem renommierten internationalen Zertifizierungsverfahren und Gütesiegel für Veranstalter.

„Was zunächst von vielen Seiten als grünes Marketing aufgefasst worden ist, wird für uns immer mehr zum wesentlichen Wettbewerbsvorteil“, berichtet MUK-Geschäftsführerin Ilona Jarabek, die auch Präsidentin des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs-Centren EVVC ist, und ergänzt: „Wir machen immer häufiger die Erfahrung, dass ganz gezielt nach nachhaltigen Veranstaltungshäusern gesucht wird, und wir verzeichnen seit einigen Jahren einen Zuwachs an Veranstaltungen, bei denen nachhaltige Kriterien wesentlich die Entscheidung für unser Veranstaltungshaus beeinflusst haben.“
               
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MUK Lübeck setzt seit zehn Jahren auf „Green Meetings“.
FOTO: MUK, OLAF MALZAHN
              


Neben Ministerien aus Land und Bund, Hochschulen, Forschungs- und Bildungseinrichtungen und privaten Unternehmen gehören auch große Verbände zu den regelmäßigen Tagungsgästen der MUK. Unter anderem hat im vergangenen Jahr die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde ihre Jahresversammlung hier abgehalten mit 2600 Teilnehmern aus 44 Nationen. 2022 wird die MUK außerdem Gastgeberin für den Bundesentscheid von „Jugend forscht“ sein mit erwarteten 1.200 Teilnehmern.

Auch im Hotelbereich hat die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten zu neuen Impulsen geführt, sei es in Form innovativer Energiekonzepte, nachhaltiger Bau- und Einrichtungsmaterialien oder besonderer kulinarischer Angebote. Um die Entwicklung zu beschleunigen hat das Tourismus- Cluster Schleswig-Holstein – eines von sechs Branchennetzwerken in Schleswig-Holstein – vor zwei Jahren eine Nachhaltigkeitsinitiative gestartet, die Hoteliers, Gastronomen und andere touristische Leistungsträger dazu ermutigen soll, in einen nachhaltigeren Tourismus einzusteigen, beispielsweise durch Maßnahmen zum optimierten Ressourcenmanagement, Natur- und Umweltschutzmaßnahmen oder die Verwendung regionaler Lebensmittel und Produkte. Qualifizierte Betriebe können Partner des Nachhaltigkeits-Netzwerkes werden und Mehrwerte wie Weiterbildungsangebote und Beratungsangebote nutzen.
           

EXPERTEN-HUBS

Das Land Schleswig- Holstein setzt auf Clusterinitiativen und Konferenzen wie die „Future Energies 2018“ in Kiel.FOTO: JAN KONITZKI
Das Land Schleswig- Holstein setzt auf Clusterinitiativen und Konferenzen wie die „Future Energies 2018“ in Kiel.
FOTO: JAN KONITZKI
Mit seiner Clusterpolitik setzt das Land Schleswig- Holstein auf die Schwarmintelligenz von Branchennetzwerken. Davon profitieren auch die Planer von Veranstaltungen. Als relativ kleines und eher ländlich strukturiertes Bundesland muss sich Schleswig-Holstein anstrengen, um im wirtschaftspolitischen Wettbewerb mit den großen Ballungszentren zu bestehen. Deswegen die Landesregierung vor einigen Jahren eine Clusterpolitik ins Leben gerufen, die auf den Mehrwert von Branchennetzwerken setzt. „Es geht darum, Wissen und Kompetenzen zu transferieren, gemeinsame Ideen und Anliegen voranzubringen sowie technologie- und branchenübergreifend Innovationspotenziale zu entwickeln, um neue Wertschöpfung in Schleswig-Holstein zu generieren“, beschreibt Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Bernd Buchholz die Ziele. Innovationsschwerpunkte und Wirtschaftscluster, aus denen sogenannte Clusterinitiativen hervorgegangen sind, sind die Bereiche Maritime Wirtschaft, Erneuerbare Energien, Digitale Wirtschaft, Medizin- und Biotechnologie/Life Science, Ernährungswissenschaft und Tourismus. Durch gemeinsame Projekte, Netzwerktreffen, Fachkonferenzen, Partnerbörsen und andere Formate soll der regelmäßige Informationsaustausch und Wissenstransfer sichergestellt werden. Die geballte Branchenkompetenz der Clusterinitiativen kommt auch der Veranstaltungsindustrie zugute, denn für Tagungsplaner bedeuten sie eine zentrale Anlaufstelle, wenn es darum geht, schnellen Zugang zu Expertenwissen oder Unternehmen zu bekommen. „Wenn es um Kontakte zu Akteuren der Nachhaltigkeits- Branche in unserem Land geht, sind wir in jedem Fall ein guter Startpunkt. Gerne organisieren wir für interessierte Tagungsgäste Exkursionen zu Windparks, Sektorkopplungsprojekten oder Unternehmen und helfen auch bei der Planung von Events“, verspricht beispielsweise Axel Wiese Projektleiter der Clusterinitiative Netzwerkagentur Erneuerbare Energien Schleswig-Holstein (EESH). Vergleichbare Unterstützung bieten auch die übrigen Clusterinitiativen.
AXEL KADEN
                       


Der Initiative haben sich bereits zahlreiche Betriebe angeschlossen, darunter das Ringhotel Birke nahe Kiel. Das renommierte Tagungshotel ist nicht nur für sein Umweltbewusstsein und seinen mehrfach prämierten Tagungsbereich bekannt, sondern gehört auch zu den sieben Gründungsmitgliedern des Vereins „Feinheimisch“. Dessen Mitglieder haben sich dazu verpflichtet, mindestens 60 Prozent ihres Wareneinkaufs mit Produkten aus Schleswig-Holstein zu decken und außerdem die heimische Küche zu bewahren. Mittlerweile zählt der Verein fast 40 gastronomische Betriebe und Hotels. Neben regionaler Lebensmittelqualität achten diese auch auf möglichst kurze Transportwege und so wenig wie möglich Verpackungen.

Sogar im Segment der Firmenevents und Incentives gibt es mittlerweile nachhaltige Angebote. So bietet etwa das MICE-Team der Insel Sylt Green-Events als Teambuildingmaßnahme. Dabei können Teilnehmer selbst in Sachen Umweltschutz aktiv werden und dabei ein „großartiges Gruppenerlebnis ohne erhobenen Zeigefinger und mit Zufriedenheitseffekt als Langzeitwirkung“ erleben. Wer lieber auf eigene Faust für nachhaltige Zufriedenheit sorgen will, dem sei eine Wanderung auf dem Kliffweg empfohlen, einem idyllischen, sieben Kilometer langen Wanderweg zwischen Keitum nach Kampen. Wer früh genug aufbricht, kann unterwegs nicht nur den schönsten Sonnenaufgang der Insel erleben, sondern inmitten der üppig wuchernden Natur auch hier sein Grünes Wunder.
AXEL KADEN
                              
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Die Husum Wind hat sich zur weltweit wichtigsten Leistungsschau der Wind-Branche entwickelt.

„Auch Themen wie Elektromobilität oder Ressourcen-Effizienz sind Innovations-Schwerpunkte.“
Dr. Bettina Bunge,
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