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SHE MEANS BUSINESS 2019

Von wegen Frauensache

Zweite Auflage der „She Means Business“ zeigt: Gender Equality geht alle an – und ein „Elefant im Raum“ bringt Frauen auch nicht aus der Fassung.

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ie „She Means Business“ hat ganz offensichtlich einen Nerv getroffen. Für Carina Bauer, CEO der IMEX Group und Mitinitiatorin der neuen Fachkonferenz, ist die Sache klar: „Diversität sollte für jeden eine Selbstverständlichkeit sein.“ Auch die Meeting-Industrie wolle das Thema besser verstehen. Dafür sei die She Means Business eine wichtige Bühne, so Bauer in ihrer Begrüßungsrede. Am 20.Mai fand die She Means Business bereits zum zweiten Mal statt, im Rahmen des Education Monday der IMEX in Frankfurt. Gut 300 Menschen nahmen teil, fast 30 Speakerinnen und Speaker füllten zehn Slots mit Wissen und bestritten mehr 14 Roundtable Discussions. Ein Erfolg, der selbst die Initiatorinnen überrascht hat. „Der demografische Wandel, der War for Talents sowie die Diversität bringen das Thema Frauen auf die Business-Bühne“, betont Kerstin Wünsch, Chefredakteurin tagungswirtschaft, Co-Initiatorin und Moderatorin der She Means Business.

Immer relevanter wird das Thema auch für Männer. Zunehmend setzt sich die Überzeugung durch: Gender Equality ist nicht nur Frauensache. Im Gegenteil: Immer mehr Männer machen sich für Gleichberechtigung und Vielfalt im Business stark. Warum? Weil die ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklungen schlichtweg ein Umdenken in den Unternehmen erfordern.
              
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Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gender Pay Gap, Glasdecke, Mentoring... 14 Themen, über welche die Frauen auf der Bühne an runden Tischen diskutieren wollten.
FOTO: IMEX GROUP
           

SHE MEANS BUSINESS AMERICA

Save the date: She Means Business America will take place on 9 September 2019 on the day before IMEX America at Sands Expo in Las Vegas. As part of Smart Monday, the conference about diversity, gender equality and female empowerment will be organized by the IMEX Group and tw tagungswirtschaft in cooperation with Meeting Professionals International (MPI). www.imexamerica.com

Deutlich sichtbares Zeichen auf der She Means Business: Mit Louis Tongbong-Thomson und Gernot Sendowski meldeten sich gleich zwei männliche Redner auf dem Podium zu Wort – und waren sich in vielen Punkten einig. „Gleichberechtigung und Vielfalt brauchen dringend mehr männliche Rollenvorbilder“, sagt Tongbong-Thomson, Senior Associate Diversity bei Pricewaterhouse Coopers (PwC). Um eine positive Entwicklung in den Unternehmen voranzutreiben, müssten beispielsweise dringend auch männliche Vorgesetzte Teilzeitarbeitsmodelle für sich selbst nutzen und diese vorleben, glaubt der Berater. Noch klarer auf den Punkt bringt es Gernot Sendowski. Die Frage der Moderatorin, warum ihn das Thema Gleichberechtigung überhaupt kümmere, beantwortet der Banker mit einer simplen Gegenfrage: „Warum sollte es mich nicht kümmern? Es ist ganz einfach das Richtige.“ So falsch kann Sendowski damit nicht liegen. Nicht nur, weil er Head of Diversity & Inclusion bei der Deutschen Bank und Deputy Chairman „Charta der Vielfalt“ ist. Auch der Applaus auf der She Means Business gibt ihm Recht.
          

Ein anderes Thema wurde dann doch wieder von den Frauen auf die Konferenzbühne gebracht: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – oder wie es eine Teilnehmerin ausdrückte: „Der Elefant im Raum“. Denn alles Umdenken in den Unternehmen, alle neuen Konzepte, Förder- und Mentoringprogramme machen wenig Sinn, wenn sich zu viele Frauen noch immer zwischen Kind und Karriere entscheiden (müssen). Eine schöne Steilvorlage für die Powerfrauen auf der Bühne wie Nelly Mukazayire. Die CEO des Rwanda Convention Bureau und zweifache Mutter erzählte über ihre schnelle, aber fordernde Karriere und hatte über den „Elefant im Raum“ eine sehr klare Meinung. „24/7-Mütter sind nicht zwangsläufig bessere Mütter“, so Mukazayire. Schließlich gehe es in der Familie letztlich auch wie im Job um „gute Resultate“. Entscheidend sei, so die Afrikanerin, was man seinen Kindern mitgebe und welche Werte man ihnen vermittle. Auch Britta Wirtz, CEO Messe Karlsruhe, geht das Thema professionell an. Ihr Credo: „Wer Events und Messen managen kann, kann auch eine Familie managen.“
             

UMDENKEN ERFORDERT

Es sind blanke Zahlen, die die Unternehmen zum Umdenken beim Thema Gender Equality und Vielfalt zwingen. In Deutschland etwa sind nur 71 Prozent aller erwerbsfähigen Frauen berufstätig. Bei den Männern liegt die Erwerbsquote bei 82 Prozent. Aktuell sind 46 Prozent der Frauen Teilzeitbeschäftigte, aber nur 11 Prozent der Männer. Nur 26 Prozent der Führungskräfte auf erster Ebene sind weiblich. Der zunehmende Arbeitskräftemangel aufgrund des demografischen Wandels erfordert jedoch eine höhere Beschäftigungsquote von Frauen. Und dafür braucht es bessere Karrierechancen für Frauen und bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Martina Niemann sieht das naturgemäß etwas programmatischer. Sie ist nicht nur Personalchefin bei Lufthansa, sondern auch Mitglied der im Rahmen der G20 gegründeten Business Women Leaders Task Force (BWLTF). „Bezahlbare Kinderbetreuung für alle ist extrem wichtig, um dieses Problem zu lösen“, sagt Niemann. Außerdem gelte es, die Idee der Shared Leadership deutlich auszubauen. Es müsse viel öfter möglich sein, dass sich Frauen und/ oder Männer einen Führungsposten teilen können. Darüber hinaus stellte Niemann auf der She Means Business den 7- Punkte-Plan für die Förderung von Gender Equality vor, den die BWLTF im Auftrag der G20 erarbeitet hat. Danach empfiehlt die Task Force nicht nur das Einreißen vielfältiger gesetzlicher und sozialer Hürden sowie das Ende von Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen, sondern auch die Behebung des Digital Gender Gap. Frauen, so Niemann, hätten weltweit deutlich weniger Zugang zu allen Formen der Digitalisierung. Ein Zustand, der sich schleunigst ändern müsse, damit Frauen gerade bei einem so wichtigen Thema nicht den Anschluss verlieren. Schließlich verändert die Digitalisierung nicht nur weite Teile der Arbeits- und Berufswelt, sondern auch gesellschaftliche und soziale Entwicklungen massiv.
                

„MICH WUNDERT DIE FRAGE“

Gernot Sendowski macht sich für das Thema Vielfalt stark.FOTO: DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION
Gernot Sendowski macht sich für das Thema Vielfalt stark.
FOTO: DEUTSCHLANDSTIFTUNG INTEGRATION
Gernot Sendowski, Deputy Chairman „Charta der Vielfalt“ und Head of Diversity & Inclusion Deutsche Bank, über die neue Rolle von Männern.

tw: Wie weit sind deutsche Unternehmen denn bereits bei den Themen Vielfalt und Gleichberechtigung?
Gernot Sendowski: Das lässt sich nicht pauschalisieren. Auch hier ist das Spektrum vielfältig und sollte individuell betrachtet werden. Die Studie „Diversity in Deutschland“ von EY und Charta der Vielfalt ergab, dass mehr als 65 Prozent der Befragten überzeugt sind, dass Diversity Management der eigenen Organisation konkrete Vorteile bringe. Trotzdem haben zwei Drittel der Unternehmen noch keine Maßnahmen im Diversity Management umgesetzt.

Eine relativ neue Erkenntnis lautet: Gleichberechtigung für Frauen ist auch ein Thema für Männer. Warum eigentlich?
Mich wundert die Frage. Als Führungskraft mit Blick aufs Ganze ist Gleichberechtigung für Frauen auch ein Thema für alle Geschlechter. Und aus meiner Sicht als männliche Führungskraft, ist es einfach das Richtige, zu tun. Zwei Gründe als Beispiele: Erstens sehe ich beim Blick auf die Top-Etagen deutscher Unternehmen unverändert überwiegend Männer. Zweitens sind Vielfalt und Teilhabe positive Wettbewerbsfaktoren für Unternehmen.

Man hört immer öfter: Gleichberechtigung braucht auch männliche Role Models. So müssten Männer beispielsweise deutlich öfter Teilzeit-Jobs ausüben. Ein frommer Wunsch oder machbar?
Selbstverständlich ist es machbar und wird aus verschiedenen Gründen auch mehr und mehr kommen. Eltern wollen immer öfter beide Zeit mit den Kindern verbringen. Und ältere Kinder müssen und wollen auch immer öfter Zeit für die Pflege ihrer Eltern und/oder Angehörigen aufwenden. Das sind zwei konkrete Gründe, auch für Männer in flexible Arbeitsmodelle zu gehen. Aber braucht es diese konkreten Gründe? „Future of Work“ und „Flexible Work“ gehören für mich zusammen. Und ja: Noch braucht es männliche Rollenmodelle. Solange Männer in Eltern- und/oder Teilzeit gesellschaftlich nicht gleichberechtigt anerkannt sind, brauchen wir Männer auf allen Ebenen, die zeigen, dass es geht, und diese Gleichberechtigung in ihrem Umfeld fördern und fordern.
ANJA STURM



Erheblich von der Digitalisierung profitiert hat indes Anne Kjaer. Die Dänin und Keynote-Speakerin der She Means Business 2019 verriet, wie sie aus einem kleinen Startup eine erfolgreiche NGO machte: die Programmierschule ReDi School of Digital Integration in Berlin. In nur drei Jahren schaffte es die junge Frau, mehr als 300 Programmierer zu begeistern, die überwiegend ehrenamtlich für ReDi arbeiten und bis heute bereits mehr als 900 Flüchtlinge geschult haben. Bleibt zum Schluss eigentlich nur noch eine Frage: Was ist ihr Erfolgsgeheimnis? Kjaer: „Mein wichtigstes Learning war: Sei in der Lage, Dir helfen zu lassen.“ Viele Frauen glaubten noch immer, alles können zu müssen. In Wahrheit ginge es darum, die richtigen Menschen zusammenzubringen. „Es ist, als ob man einen Stein ins Wasser wirft und dann sehen kann, was für Wellen er schlägt.“ Ein schönes Bild. Und wie gemacht für die She Means Business, die jetzt schon Wellen schlägt. Kerstin Wünsch: „Das Wichtigste ist, dass die She Means Business weitergeht, dass sie sich verstetigt.“
ANJA STURM
  
https://www.imex-frankfurt.com/whats-on/she-means-business

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