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TRANSITION FORUM MONACO

Heiße Debatte

Bei Monaco denken viele an Reiche, an die Verschwendung von Ressourcen und nicht an deren Schonung. Doch das Fürstentum setzt sich für Nachhaltigkeit ein und strebt Klimaneutralität in 2050 an. Das Monaco Convention Bureau und seine Partner tragen ihren Teil dazu bei. Konferenzen wie das Transition Forum den ihren.

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m Juni erfasst eine Hitzewelle Frankreich. Der französische Wetterdienst misst 45 Grad und ruft hier und da die Alarmstufe Rot aus, das französische Parlament den Klimanotstand. Die „Grande chaleur“ ist das Thema für die Menschen am Mittelmeer und eine Steilvorlage für das Transition Forum in Monaco. Unter der Schirmherrschaft Seiner Durchlaucht Fürst Albert II von Monaco widmet sich das Transition Forum der Förderung des Übergangs zu einer sauberen und nachhaltigen Zukunft. Selbst wenn der Fürst nicht die angekündigten Worte der Begrüßung spricht, sein nachhaltiges Bestreben ist in den Reden der anderen allgegenwärtig.

„Handeln bedeutet, unseren Lebensstil zu betrachten! Wie leben wir, was essen wir und wie bewegen wir uns? Was ist der Preis dafür? Wir können uns nicht wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts verhalten“, verdeutlicht Lionel le Maux, Chairman von Aqua Asset Management und Co-Founder des Transition Forums. Zum Konferenzthema „Shifting Towards Sustainable Lifestyles“ am 26. und 27. Juni 2019 finden sich 60 Speaker und gut 200 Teilnehmer im Hotel Fairmont Monte-Carlo zur interdisziplinären Debatte ein. Entlang der Themen „Food“, „Mobility“, „Housing“, „Production and Consumption“ suchen Klimaforscher und Politiker, Investoren und Gründer nach Lösungen für eine sauberere Zukunft. „Wir befinden uns an einem Wendepunkt der Geschichte. Wir führen einen Kampf gegen den Klimawandel, den wir nicht verlieren dürfen“, mahnt le Maux.
              

Die sechs Eröffnungsredner unterstreichen das. Etwa Johan Eliasch, Gründer des NGO Cool Earth: „Wir alle wissen, dass der Planet nicht für 7,5 Milliarden Menschen ausgelegt ist. Wir reden viel, aber tun wir genug? Nein! Die Art und Weise, wie wir leben, erzeugt Millionen von Tonnen an Kohlenstoff.“

Seine Hoheit Fürst Albert II handelt. In seinem Strategieplan gibt er ein klares Ziel vor: Klimaneutralität bis 2050! Just im Juli führt das Fürstentum e-Bikes und e-Taxis ein. Neben umweltfreundlicher Mobilität werden erneuerbare Energien wie Solarenergie ausgebaut, scheint in dem südeuropäischen Stadtstaat doch an 300 Tagen die Sonne. Die „Mission for Energy Transition“ verwaltet den staatlichen Klimafond „National Green Fund“ für Großprojekte im Einklang mit dem UN-Klima-Übereinkommen. Größtes Projekt des zwei Quadratkilometer kleinen Fürstentum ist die Landgewinnung: Weitere sechs Hektar wollen die Monegassen dem Meer abringen.
             
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Green benchmark: The Grimaldi Forum has been certified to ISO 14001 already since 2008 as one of the very first congress centers in Europe.
FOTO: MONACO CONVENTION BUREAU

Den Blick auf die See geben die Panoramascheiben im Foyer vor dem Tagungssaal „Salle d’Or“ frei. Dort geht es um das Thema „Food“ und somit um Wasser. 80 Prozent sauberen Wassers gehen in die Herstellung von Lebensmitteln. Die Agrarwirtschaft ist der größte Wasserverschmutzer und verantwortlich für zehn bis zwölf Prozent der Treibhausgas-Emissionen. Pierre Gagnaire trägt in seinem ‚„Disruption Speak“ eine Kochjacke. Der Sternekoch fordert Gäste, Gastronome und Hoteliers auf, nur zu bestellen oder zuzubereiten, was auch gegessen wird. „Fleisch ist für viele Köche der Mittelpunkt des Tellers“, kritisiert Veronika Pountcheva, Senior Vice-President und Global Director Corporate Responsibility bei der Metro AG. In der Diskussion „Food Transition“ beschreibt sie neue Proteine als eine Lösung. Essen ist aber auch eine kulturelle Frage. „Die Franzosen lieben Fleisch“, bemerkt ein Delegierter. So wundert es nicht, dass der Speiseplan beim Transition Forum Fleisch und Fisch vorsieht.

In der Session „Innovators in Focus“ stellen Startups ihre Lösungen vor. Philippe Ouaki Di Giono ist Gründer von „Polyter“. Sein Dünger soll den Wasserverbrauch um bis zu 80 Prozent senken. In den Pausen bietet die Tiefgarage des Fairmont weiteren Anschauungsunterricht. Dort, zwischen den Luxusautos, steht die Anlage von Pierre Magnes, Mitgründer von Firmus Grey Water Recycling System (FGWRS). Die Firma im Startup-Verbund „Monaco Tech“ sammelt das Wasser aus den 596 Zimmern und bereitet es für die Toilettenspülung auf. Es ist ein Pilotprojekt, das das Fairmont Monte-Carlo gerne unterstützt. Das Haus zählt zu den AccorHotels, deren Programm „Planet 21“ nachhaltige Prioritäten setzt.
          


82 Prozent der Hotelzimmer in Monaco sind umweltzertifiziert, sei es mit dem Green Globe oder Green Key. Die meisten Hotels beschäftigen Umweltmanager. Vorbildlich ist das Monte-Carlo Bay Hotel & Resort, gerade ausgezeichnet mit dem Green-Globe-Gold-Zertifikat. Für General Manager Frederic Darnet ist diese Auszeichnung nicht das Ende seines Engagements, sondern der Anfang. Sein Haus hat Sonnenkollektoren auf dem Dach und darunter 45 Räume für Veranstaltungen bis zu 950 Personen sowie neben 30 Restaurants ein Bio-Restaurant. Das Monte-Carlo Bay Hotel & Resort gehört zur Monte-Carlo Société des Bains de Mer mit vier Casinos und vier Hotels.

Am „Place du Casino stehen das Hôtel Hermitage Monte-Carlo und das Hôtel de Paris Monte-Carlo mit 278 und 209 Zimmern und Suiten, beide mit eleganten Räumlichkeiten für Konferenzen. Zweiteres hat die Monte-Carlo Société des Bains de Mer für 270 Mio. Euro revitalisiert und in seiner Nachbarschaft, im neuen „One Monte-Carlo“-Viertel, 370 Mio. Euro in das One Monte-Carlo Conference Centre investiert. Einen Tag nach der Eröffnung am 4. Juni 2019 hat hier EY mit 450 Teilnehmern getagt. Weil der Platz in Monaco knapp ist, geht es zu den neun Tagungsräumen mit der Rolltreppe zwölf Meter in die Tiefe. Über der Erde finden sich 37 Apartments, 17 Boutiquen und ein Restaurant. Das Ensemble ist nach der „Building Research Establishment Environmental Assessment Method” (BREAM) gebaut. Für Direktor Emmanuel Sine das Fundament für sein nächstes Ziel. „2020 wollen den Green Globe für das Konferenzzentrum bekommen.”
                

Das Kongresszentrum „Grimaldi Forum“ und seine 35.000 qm für Events sind bereits seit 2008 nach ISO 14001 zertifiziert. In zehn Jahren hat es seinen Energieverbrauch um 25 Prozent reduziert und seinen Wasserverbrauch mehr als halbiert. In 2019 wird Plastik verbannt, in 2020 soll die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien erfolgen. Das Grimaldi Forum will die wichtigste Quelle für Solarenergie im Fürstentum werden und wird im September auf seinem Dach eine 2.500-qm-große Photovoltaikanlage in Betrieb nehmen. Zeitgleich tritt Thomas Trucchi seinen Job als Umweltverantwortlicher an. Die Landgewinnung verfolgt er aufmerksam, denn sie wird dem Grimaldi Forum ab nächstem Jahr 6.000 qm für Ausstellungen und eine neue Terrasse mit 600 qm bescheren. „Nachhaltigkeit wird immer wichtiger“, ist sich Trucchi sicher und realistisch zugleich: „CSR ist vielleicht nicht das wichtigste Thema für alle Kunden, aber wenn Sie sich nicht damit befassen, haben Sie ein Problem. Es ist ein Übergangsmoment!“
      
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New: The One Monte-Carlo Conference Centre, where visitors take an escalator down to the meeting rooms.
FOTO: MONTE-CARLO SOCIÉTÉ DES BAINS DE MER

Klimaneutralität als Ziel haben das Grimaldi Forum und das Monaco Convention Bureau auf der IMEX 2019 aufgegriffen und die neue Initiative für nachhaltige Events vorgestellt: „Business is Green“. „In einer Zeit, in der die Umwelt und die Probleme des Klimawandels zunehmend unternehmerische Entscheidungen beeinflussen, hat das Fürstentum Monaco die Green Palm für Europas beste CO2-Bilanz erhalten”, erklärt Sandrine Camia. Die Direktorin des Monaco Convention Bureau ergänzt: „Die Entscheidung für Monaco ermöglicht eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um durchschnittlich 15 bis 40 Prozent im Vergleich zu Städten wie Barcelona, London oder Paris.” Sie verweist auf den Global Destination Sustainability Index mit Monaco auf Platz 13.

Auch hier: Treiber ist die Fürstenfamilie. Nachhaltigkeit war ihr laut Camia schon immer wichtig. Erst für Fürst Rainier III und nun für den Sohn. Anlässlich des Transition Forums spricht Fürst Albert II eine Warnung aus: „Wenn wir heute nicht handeln, werden wir morgen nicht mehr handeln können.“
KERSTIN WÜNSCH
  
www.transitionmonacoforum.comwww.monaconventionbureau.comwww.grimaldiforum.com
"If we do not act today, we will no longer be able to act tomorrow."
H.S.H. Prince Albert II of Monaco
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