Nachhaltigkeit ist Chefsache Image 1

FAMAB SUSTAINABILITY SUMMIT 2018

Nachhaltigkeit ist Chefsache

In den Vorträgen des Famab Sustainability Summits 2018 geht es um die 17 Sustainable Development Goals der UN, im Praxisforum „Nachhaltige Messe- und Eventprojekte“ ums Geschäft: Wird Nachhaltigkeit zum Kriterium bei Ausschreibungen oder Teil des Businessmodells?

„N
achhaltigkeit ist Chefsache geworden“, sagt Stefan Schulze-Hausmann, Vorstand der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis. „Anfangs haben sich die Kommunikatoren beworben oder der Umweltbeauftragte, heute ist es oft der CEO.“ Seit zehn Jahren zeichnet Deutschlands wichtigster Nachhaltigkeitspreis in fünf Wettbewerben ökologische und soziale Ideen für morgen aus. „Die Ansprüche an die Bewerbungen sind gestiegen, es reicht nicht mehr ein umweltfreundliches Projekt zu organisieren“, so Schulze-Hausmann. „Jetzt geht es um Transformation, die Frage nach dem wirklichen Wechsel.“

Schulze-Hausmann spricht auf dem 
Famab Sustainability Summit
 am 18. Juni 2018 über die „Wirkung und Wirksamkeit des Deutschen Nachhaltigkeitspreises“. Er redet frei und kommt auf den Punkt: „Den Preis brauchen wir, um das Thema in die Gesellschaft hineinzutragen.“ Schulze-Hausmann rät den 230 Zuhörern im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhallen, das eigene Kerngeschäft anzusehen und Kunden zu beraten. „Gehen Sie nicht davon aus, dass die Unternehmen schon viel wissen.“ Für ihn ist nicht nur die CSR-Berichtspflicht ein guter Antrieb, nachhaltig zu handeln, sondern der Wettbewerb. „Das Motiv, warum Sie es machen, ist egal. Hauptsache: Sie tun es!“

Klare Worte. Worte, die sich an beide Seiten des Eventmarktes richten: den Kunden in Unternehmen und Verband und seinen Dienstleister. Jörn Huber, Präsident des Kommunikationsverbands Famab, freut die Resonanz auf den zweiten Sustainability Summit. Selbst wenn nicht die erhofften 300 Personen kommen, so sind es 15% mehr als im Vorjahr. Nur jeder zweite Teilnehmer ist Famab-Mitglied. 30 Kunden sind gekommen wie die Ergo Group, die Deutsche Bahn, Schenker Deutschland und Schüco International. Jeder dritte Teilnehmer arbeitet für eine Messebaufirma, jeder fünfte für eine Agentur. Das nachhaltige Anliegen eint sie und bringt sie ins Gespräch – und genau darum geht es den Veranstaltern Famab und der CSR-Agentur 2bdifferent.

Nachhaltigkeit ist Chefsache Image 2
Der zweite „Famab SuSu“ deckt alle drei Dimensionen ab; die ökologische, die ökonomische und die soziale.
GRAPHIC RECORDING: FAMAB, BARBARA SCHNEIDER “VISUAL FACILITATORS”

17 SUSTAINABLE
DEVELOPMENT GOALS BY UN

1 No poverty 2 Zero hunger 3 Good health and well-beeing 4 Quality education 5 Gender equality 6 Clean water and sanitation 7 Affordable and clean energy 8 Decent work and economic growth 9 Industry innovation and infrastructure 10 Reduced inequalities 11 Sustainable cities and communities 12 Responsible consumption and production 13 Climate action 14 Life below water 15 Life on land 16 Peace, justice and strong institutions 17 Partnerships to the goals
www.un.org/sustainabledevelopment/sustainable-development-goals

Orientierung geben zum Summit die Sustainable Development Goals (SDG) der UN. Ob Zufall oder Fügung: Die 17 nachhaltigen Entwicklungsziele und ihre 169 Unterziele (!) ziehen sich als roter Faden durch die Vorträge. Prof. Dr. Ulrich Holzbaur lehrt im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Aachen und spricht über das SDG 47. Nachhaltige Bildung sei zwar ein Unterziel, aber die Voraussetzung für die Umsetzung der anderen Ziele.

„Ohne Frauen keine Nachhaltigkeit“ argumentieren analog Bettina Metz, UN Women Nationales Komitee Deutschland, Sandra Mamitzsch, re:publica, Tanja Knecht, IMEX Gruppe, und Kerstin Wünsch, tw tagungswirtschaft, im Panel und erörtern, wieso Veranstaltungen die Vielfalt der Gesellschaft sichtbar machen sollten. Ihr Beitrag zahlt auf das SDG 5 ein: „Gleichstellung der Geschlechter“.

Als Leiter der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) steht Dennis Winkler für die 17 Nachhaltigkeitsziele und appelliert an das Plenum: „Docken Sie Ihre Events an die Sustainable Development Goals an – und sei die Maßnahme noch so klein.“ Im Fall des UN-Klimagipfels ist es u.a. das Ziel 13 „Maßnahmen zum Klimaschutz“, dargestellt in seinem Vortrag „COP 23: Wie nachhaltig kann eine UN-Klimakonferenz sein?“ Erst recht, wenn dafür 27.000 Menschen um den Globus fliegen, Bonn 55.000 qm Boden zur Eventfläche umfunktioniert. „Natürlich ist es ein Riesen-Footprint“, räumt Winkler ein. „Wir versuchen Umweltbelastungen zu vermeiden, nicht nur zu kompensieren.“ Wir, das sind im Fall des COP23 das UN-Klimasekretariat, das Bundesministerium für Umwelt, die Stadt Bonn und die Agentur Vagedes & Schmid.


Winkler ist gekommen, um sich mit den Event- Fachleuten auszutauschen. Nach dem der Vormittag mit Vorträgen, die zeitlich überziehen, kaum Möglichkeit zur Interaktion bietet, besteht der Nachmittag aus nichts anderem. Den Raum schaffen die Foren „Nachhaltiger Geschäftsbetrieb”, „Inklusion” und „CSR-Kommunikation” mit ihren Fallbeispielen. Am besten besucht ist das vierte Forum „Nachhaltige Messe- und Eventprojekt“. Dennis Winklers COP23- Mitstreiter Jan-Michael Rudzik und Umweltmanagement- Beauftragter bei Vagedes & Schmid führt durch die Zertifizierung der Weltklimakonferenz nach dem Eco-Management and Audit Scheme (EMAS).

Ein anschauliches Best-Practice-Beispiel liefert auch Petra Naoum, Leiterin Eventmanagement vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, mit der „DLR-Conference on Climate Change – Nachhaltigkeits- und Eventkonzept“. Durch die Foren ziehen sich weniger die 17 SDGs als Fragen zum Geschäft: Sind die Kunden bereit, ihre Event-Konzepte neu und nachhaltig zu denken? Gewinnt am Ende nicht doch das günstige Konzept und nicht das nachhaltige die Ausschreibung? Die Diskussion ist leidenschaftlich und offen. Dass das im Programm angekündigte Fishbowl kein Fishbowl ist (fehlender freier Stuhl, falsche Bestuhlung), stört niemanden.

Claudia van’t Hullenaar diskutiert eifrig mit. „Es war motivierend zu erleben, wie viele Unternehmen und Menschen erkennen, dass Nachhaltigkeit wichtig ist. Viele wissen aber noch nicht, wie sie Nachhaltigkeit in das Geschäftsmodell oder Event-Design strategisch integrieren können“, fasst die Gründerin von Sustained Impact ihre Eindrücke zusammen und kommt zu der Erkenntnis, „dass noch eine ganze Branche aufholen muss“. Ein ähnliches Fazit zieht Mitveranstalter Jürgen May, CEO von 2bdifferent. „Nachhaltigkeit braucht mehr Verbindlichkeit. Nachhaltigkeit braucht in den Führungsetagen von Verbänden und Unternehmen ein Gesicht!“  KERSTIN WÜNSCH
 

https://famab.de/sustainability-summit/startseite
„Docken Sie Ihre Events an die Sustainable Development Goals an.“
Dennis Winkler,
Leiter der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC)
Datenschutz