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NEUE KONGRESSZENTREN

Geplant, gebaut, geöffnet

Der deutsche Veranstaltungsmarkt boomt. Das wirkt sich auf die Nutzung der Kongresszentren positiv aus. Ein Überblick über Eröffnungen, Renovierungen und neue Pläne. Nicht nur in Deutschland.

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it einem Plus von 2,8 Prozent auf insgesamt rund 405 Mio. Teilnehmer von Tagungen, Kongressen und Events in Deutschland im Jahr 2017 erweisen sich Veranstaltungen laut „Meeting- & Event- Barometer 2017/2018“ – einer Untersuchung der Deutsche Zentrale für Tourismus mit dem EVVC und dem GCB – als Wachstumsmarkt. Der Trend ist nunmehr seit Jahren positiv. Und das macht sich im Angebot an Veranstaltungsstätten bemerkbar. In ganz Deutschland gibt es neue und im Bau befindliche Kongresshäuser.

Erst im April hat nach vier Jahren Bauzeit das RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden eröffnet. Für das von Architekt Ferdinand Heide geplante Gebäude hatte die hessische Landeshauptstadt rund 194 Mio. Euro bereitgestellt. „Eine Investition, die sich auszahlen wird“, zeigt sich Oberbürgermeister Sven Gerich bei der feierlichen Eröffnung überzeugt. Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier teilt diese Meinung: „Für die Stadt und auch die Region ist das ein großer Gewinn. Mit dem RheinMain CongressCenter erhält Wiesbaden ein modernes Kongresszentrum, wie es zu einer Landeshauptstadt passt. Die hervorragend ausgestatteten neuen Räumlichkeiten werden dafür sorgen, dass viele traditionelle Veranstaltungen in Wiesbaden bleiben und viele neue dazukommen werden.“ Das Bauvolumen umfasst eine Bruttogeschossfläche von rund 30.000 qm. Die Veranstaltungsfläche liegt bei 20.000 qm. Die Meetings Expert Conference (Mexcon) von GCB und EVVC war am 21. und 22. Juni bereits Gast im RMCC.


Schon etwas länger, nunmehr fast ein Jahr, ist das Carmen Würth Forum in Künzelsau am Markt. Unternehmer Reinhold Würth hat das rund 60 Mio. Euro teure Kultur- und Kongresszentrum seiner Frau Carmen an ihrem 80. Geburtstag gewidmet. Das Haus verfügt über eine multifunktionale Veranstaltungshalle für bis zu 2.000 Personen und den Reinhold Würth Saal mit rund 600 Sitzplätzen. Durch den Verzicht auf eine feste Bühne ist der Saal in alle Richtungen bespielbar. Rund 60 Hängepunkte verteilt im ganzen Saal und neueste Veranstaltungstechnik runden die Ausstattung ab. Übernachtungsmöglichkeiten bieten die Hotels der Würth-Gruppe – vom gehobenen Standard bis hin zum Luxussegment. Insgesamt stehen 250 Zimmer und 23 Tagungsräume zur Verfügung.

In Berlin ist für April 2019 die Eröffnung des neuen hub27 für die Messe Berlin geplant. Auf der Imex in Frankfurt präsentierte die Messe Berlin das aktuelle Bauvorhaben sowie einen virtuellen Rundgang. „Was zunächst wie ein Marketing-Gag aussieht, wird unseren Kunden bereits jetzt die konkrete Planung ihrer Veranstaltungen erleichtern“, erläutert Dr. Ralf Kleinhenz, Senior Vice President und Leiter des Bereichs für Gastveranstaltungen bei der Messe Berlin. „So lassen sich zum Beispiel die verschiedenen Aufteilungen der großen Halle in kleinere Räume erleben.“ Der hub27 wird mit einer stützenfreien Haupthalle mit 10.0000 qm Veranstaltungsfläche, mobilen Trennwänden sowie einem multifunktionalem Eingangs- und Konferenzbereich samt Dachterrasse aufwarten.

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Im April hat nach vier Jahren Bauzeit das RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden eröffnet.
FOTO: RMCC

Mit Spannung erwartet wird die Eröffnung eines der größten Kongresszentren Europas. Das CCH – Congress Center Hamburg wird seit Januar 2017 umfassend modernisiert und umgebaut. Die 12.000 qm Ausstellungsfläche, 12.000 qm Foyerfläche und 12.000 Sitzplätze in bis zu 50 Sälen werden voraussichtlich ab 2020 zu nutzen sein. „Während der Bauphase setzen wir mit unserer CCHange- Kampagne gezielt auf eine digitale Marketingstrategie, um das neue CCH so erlebbar wie möglich zu machen“, unterstreicht Heike Mahmoud, Chief Operating Officer CCH – Congress Center Hamburg. Ebenfalls auf der Imex präsentierte das CCH eine Anwendung, die auf einer „Echtzeit-Engine“ basiert und mit einer VR-Brille genutzt wird. „Damit bieten wir unseren Kunden eine Erfahrung, die einem echten Rundgang durch das neue CCH gleicht und statische 360-Grad-Ansichten weit übertrifft“, erklärt Heike Mahmoud. Da die 3D-Engine für Computerspiele entwickelt wurde, bestimmt der Nutzer selbst das Geschehen. Darüber hinaus gibt es weitere digitale Tools zum neuen CCH: Von einer für iPads konzipierten App über einen individuellen Raumlayout- Konfigurator bis hin zum Showroom in Hamburg.


Neuigkeiten gibt es aus Frankfurt. Das Airport Conference Center ist nun das Fraport Conference Center (FRACC). Der Umbenennung voraus gingen umfangreiche Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Auf 2.800 qm Konferenzfläche stehen den Tagungsgästen nun 31 Räume zur Verfügung. Egal ob für zwei oder bis zu 150 Personen. Das Leitmotiv des neuen Designkonzepts soll das FRACC mit dem Airport, mit dem Reisen und Fliegen verbinden. „Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich auf einem Flug und schauen aus dem Fenster. Sie sehen die Erde aus großer Höhe und nehmen vier verschiedene Elemente wahr: Wasser, Land, große urbane Zonen und den Himmel. Diese vier Elemente bestimmen das Erscheinungsbild unserer Räume“, erklärt Leiterin Nadja Singh. Die zwei offenen Lounges mit Kaffeebar lockern die Raumaufteilung auf.

Die Inbetriebnahme des CongressCentrums Ingolstadt (CC-IN) soll im Frühjahr 2021 erfolgen. Den Betrieb des CongressCentrums und des Hotels hat sich die Maritim-Hotelgesellschaft gesichert. Innerhalb des CC-IN sind mehrere multifunktionale Seminar- und Veranstaltungsräume vorgesehen. Den Kern bildet der Kongressaal für rund 1.200 Gäste. Die Gesamtnutzfläche beträgt ca. 6.600 qm. Direkt angrenzend wird die KHI Immobilien ein Hotel im Vier-Sterne-Standard mit sechs Obergeschossen und rund 220 Zimmern und Suiten errichten.

Etwa 70 Kilometer entfernt in Regensburg ist die Eröffnung eines neuen Kongresshauses bereits vollzogen. Seit April 2018 ist der ehemalige Schlachthof ein neues Tagungs- und Veranstaltungszentrum: das Marinaforum Regensburg. Das alte Gebäude – während der Zeit der Industrialisierung 1888 erbaut – präsentiert sich im neuen Gewand, Viktorianik trifft auf Moderne, Flair auf Nachhaltigkeit. Das Marinaforum bietet Raum für Veranstaltungen in einem Größensegment bis zu 750 Personen in Reihe.

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Marinaforum Regensburg: Seit April ist der ehemalige Schlachthof ein Tagungszentrum.
FOTO: MARINAFORUM

Doch nicht nur in Deutschland wird gebaut und investiert. So stellt das Austria Center Vienna das bisher größte Bauvorhaben in seiner rund 30-jährigen Geschichte vor. Ein neues Zugangsgebäude mit einem Skywalk und drei weiteren Eingängen ermöglicht die gleichzeitige Nutzung der unterschiedlichen Ebenen. Außerdem erhält der Vorplatz mit dem „Donausegel“ eine attraktive Überdachung – bis 2022 entstehen hier ein neuer städtischer Begegnungsraum und 4.200 qm zusätzliche Veranstaltungsfläche, die offen oder geschlossen genutzt werden kann.„Das größte Kongresszentrum Österreichs ist ein Erfolgsmodell. Es hat seit seinem Bestehen schon 1,5 Mio. internationale Teilnehmer nach Wien gebracht. Der Bund hat sich daher bewusst für diese Investition entschieden, sie macht das Haus auch weiterhin international konkurrenzfähig. Ich bin sehr froh, dass im Sinne eines starken Kongressstandortes alle an einem Strang ziehen“, sagt Finanzminister und Eigentümervertreter Hartwig Löger bei der Vorstellung des Modernisierungskonzepts.

In der benachbarten Schweiz verzögert sich unterdessen die Fertigstellung des Milliarden-Bauprojekts „The Circle“ am Zürcher Flughafen. Das Dienstleistungszentrum mit Büros, zwei Hotels der Hotelgruppe Hyatt mit Convention Centre, ein Gesundheitszentrum des Universitätsspitals Zürich (USZ) sowie Kunst, Kultur, Gastronomie und Bildung auf 180.000 qm Nutzfläche eröffnet vermutlich nicht wie geplant Ende 2019, sondern 2020. Die Pläne für „The Circle“ sind allerdings bemerkenswert. Am Empfang des Gesundheitszentrums USZ Flughafen unmittelbar beim Südplatz des Circle werden ab 2020 täglich 1.000 Patienten erwartet. Im Gesundheitszentrum USZ Flughafen kümmern sich künftig 380 Mitarbeitende aus unterschiedlichen Berufen und medizinischen Disziplinen um die Gesundheit der Besucher. 30 der 43 Kliniken und Institute des USZ sind in irgendeiner Form am Circle engagiert. Als universitäre Einrichtung wird am USZ Flughafen auch geforscht und gelehrt. Die klinischen Forschungstätigkeiten umfassen etwa Medikamentenstudien in der Onkologie und in der Dermatologie. Nicht zuletzt wird vor Ort der medizinische Nachwuchs ausgebildet.

Hinsichtlich der Digitalisierung des Circle geht die Flughafen Zürich AG (gemeinsam mit der Swiss Life AG Eigentümer) und Microsoft Schweiz eine strategische Partnerschaft ein. Das gemeinsame Ziel: The Circle soll als Destination Mietern, Mitarbeitenden und Gästen eine personalisierte digitale Erlebniswelt bieten. Dazu ist unter anderem eine IoT-Plattform (Internet of Things) geplant.


Die Entwicklung beobachtet die deutsche Tagungsbranche freilich aufmerksam. Besonders der Fokus auf die Digitalisierung dürfte beeindrucken. Denn hierzulande sind durch den Einsatz neuer Technologien erste Verschiebungen innerhalb des Marktes bereits spürbar. Das bestätigt der im Juni aus dem Amt geschiedene Präsident des EVVC, Joachim König: „Die aktuelle Analyse bestätigt die Entwicklung, die sich bereits im Vorjahr gezeigt hat: Im Segment der kleineren Veranstaltungen werden zunehmend virtuelle Formen des Austausches genutzt. Gleichzeitig bereichern die technologischen Möglichkeiten auch physische Tagungen und Kongresse, so dass die Zahl hybrider Veranstaltungen zunimmt. In der Summe bietet die Digitalisierung also für die Akteure der Veranstaltungsbranche Chancen und neue Geschäftsmodelle in einem insgesamt wachsenden Markt.“  CHRISTIAN FUNK
 

www.hub27-berlin.dewww.das-neue-cch.dewww.marinaforum.dewww.carmen-wuerth-forum.dewww.thecircle.ch
Das Airport Conference Center heißt ab sofort Fraport Conference Center (FRACC).
„Digitalisierung bietet auch für Kongresshäuser neue Chancen und neue Erlösmodelle.“
Joachim König, Geschäftsführer Hannover Congress Centrum
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