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DEGEFEST FACHTAG 2018

Eine Einladung zum Dialog

Mit dem diesjährigen Thema „Trends verstehen – Zukunft gestalten!“ will der degefest auf seinem Fachtag 2018 mit seinen Mitgliedern ins Gespräch kommen. Das gelingt ihm, allen voran beim Thema Vielfalt und Frauen in der Veranstaltungsbranche und, na klar, Datenschutz.

„W
as ist ein Trend? Müssen wir jedem Trend folgen? Wie wichtig sind welche Trends für unsere Branche?“, fragt Prof. Dr. Kim Werner in ihrer Keynote „Trends in der Veranstaltungsbranche“. Sie wirft eine Wortwolke an die Wand, darunter die üblichen Verdächtigen: Digitalisierung, Diversität, demografischer Wandel. „Viele verbinden Trends nur mit Technologie“, beobachtet die neue Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats des deutschen Kongressfachverbands degefest. Die Leiterin des Studiengangs Veranstaltungsmanagement & Business Events an der Hochschule Osnabrück wird von Studenten begleitet, die in „Trendstationen“ ihre Themen darstellen, darunter Inklusion.

Die Trends verstehen Beirat und Vorstand als „eine Einladung zum Dialog, um gemeinsam über die Zukunft nachzudenken“, sagt Werner. Konkret heißt das: Die Professorin steigt von der Bühne und stellt sich vor die 100 Teilnehmer. Ihr zur Seite eine weiße Papierwand und Hiltraud Czygan von der Hochschule Osnabrück, die das Gesagte grafisch festhält. Die Themen, die die Teilnehmer umtreiben, wie demografischer Wandel und Fachkräftemangel, unterscheiden sich kaum vom Vorjahr. Neu sind Popularisierung und Polarisierung, die immer mehr Fragen zum Umgang mit Anfragen der AfD aufwerfen.

Aufgrund der Bandbreite an Trends holt der 
degefest zum Fachtag am 15. Juni 2018 in der Osnabrück- Halle
 zwei Themen auf die Bühne: Digitalisierung von Big Data bis Datenschutz und Diversität von Feminisierung bis Fachkräftegewinnung. Klaus Lindiger von DataWerks zeigt in seinem Vortrag „Big Data und die Zukunft von Kundenerlebnissen“ was datenbasierte Besuchersteuerung möglich macht, beispielsweise „MagicBands“, mit denen Besucher ihre persönlichen Daten und Vorlieben am Handgelenk durch Freizeitparks in den USA tragen. Ob sie das in der EU tun werden, ist mit der Datenschutz- Grundverordnung fraglich geworden. Die DSGVO beschäftigt die degefest, ihre Mitglieder und somit ihren Verbandsjuristen Martin Leber.

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Im Fishbowl kommen die Mitglieder zu Wort und zum Thema: Vielfalt und Frauen.
FOTO: ALEX TALASH

Neu ist, dass Daten, die zur Vertragserfüllung übermittelt wurden, z.B. die Überlassung von Räumen für eine Tagung, nur für diesen Zweck genutzt werden dürfen und nicht im CRM-System für Folgeangebote oder Newsletter. Bei Bilddaten wie auf Veranstaltungen müssen Teilnehmer ihre Zustimmung geben. Diese setzt die Freiwilligkeit, Informiertheit, Ausdrücklichkeit, Widerrufbarkeit voraus. D.h. bei der Anmeldung zum Event ist das Einverständnis einzuholen und vor Ort ein Hinweisschild aufzustellen. Leber warnt: „Sie haben die Nachweispflicht. Sie müssen nachweisen, was Sie getan haben.“

Smartphones und Tablets sind für den Juristen „kleine Überwachungsgeräte“. „Wir können uns gegenseitig die Daten klauen“, sagt der Jurist. Die Betreiber von Facebook-Seiten seien mitverantwortlich und der Facebook-Messenger höre mit.

Das andere Thema, das auf dem Fachtag die Gemüter bewegt, ist Vielfalt, vielmehr Frauen. Zwar sind diese in der Veranstaltungsbranche in der Mehrzahl – aber nicht im Management. Dabei belegen Studien, dass divers aufgestellte Management- Teams oft innovativer sind. In ihrem Vortrag „Wettbewerbsvorteile durch Vielfalt. Frauen in der Veranstaltungsindustrie – auf Augenhöhe mit den Männern“ gehen Tanja Knecht von der Imex Gruppe und Kerstin Wünsch von der tw tagungswirtschaft auf ihre Studie „Frauen in der Eventindustrie“ ein. Ihr zufolge fühlt sich jede zweite Befragte im Vergleich zum männlichen Kollegen bei Gehalt und Karrieremöglichkeiten ungleich behandelt. Es entsteht eine lebhafte Diskussion mit dem Publikum.



Nicht zuletzt geht es um den degefest-Vorstand bestehend aus neun Männern. „Wir bemühen uns immer wieder, Frauen in den Vorstand zu holen“, versichert der Vorsitzende Jörn Raith, Geschäftsführer der Stadthalle Hagen. Auf die Frage, warum Frauen nicht für ein Amt im Vorstand kandidieren, schildert eine Teilnehmerin stellvertretend für andere ihren Konflikt: „Wie kann ich meiner Verantwortung in Beruf und Familie gerecht werden – und dann noch ein Ehrenamt übernehmen?“

Die Diskussion geht in den Pausen munter weiter. Die Stimmung ist gut, die Atmosphäre in der renovierten OsnabrückHalle trägt mit Deckenlicht und hellen Räumen dazu bei. Auf den Gedankenaustausch ausgelegt sind auch die drei Parallel-Workshops: „Aus- und Weiterbildung“ mit Prof. Dr. Gernot Gehrke von der Hochschule Hannover, „Wissensmanagement und Wissenstransfer“ mit Prof. Dr. Kim Werner und „Social Media“ mit Prof. Dr. Lothar Winnen von der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW). Die drei Professoren sind Mitglieder im siebenköpfigen wissenschaftlichen Beirat.

Nach den Sessions wird im Fishbowl in großer Runde weiter diskutiert, beispielsweise: „Ist Social Media die Sache der Jungen?“ Die Auszubildenden der OsnabrückHalle melden sich zu Wort: „Wir machen das, dürfen das, müssen das…“ Die anderen lachen. Alt wie Jung bringen sich ein und ihre Themen an, wie eben Frauen in Führungspositionen und die gläserne Decke. Eine junge Teilnehmerin stellt fest: „Uns mangelt es nicht an Selbstbewusstsein.“ Ihre ältere Nachbarin gibt zu bedenken: „Je höher Sie steigen, desto größer die Frage: Schaffe ich das?“ Im Namen des wissenschaftlichen Beirats reicht Prof. Kim Werner allen die Hand: „Sagen Sie uns, wo Ihnen der Schuh drückt. Sagen Sie uns, welche Themen Sie interessieren. Wir können das gemeinsam erforschen.“  KERSTIN WÜNSCH
 

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„Wir bemühen uns immer wieder, Frauen in den Vorstand zu holen.“
Jörn Raith, Vorsitzender im degefest-Vorstand
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