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MEXCON 2018

„Challenge accepted“

Die Mexcon in Wiesbaden setzt sich mit den „Industry Challenges der Zukunft“ auseinander. Im Rahmen der Konferenz wird mit Ilona Jarabek erstmals eine Frau an die Spitze des EVVC gewählt.

„S
etz dich ruhig, Joachim, dann kannst du dich schon mal an deine neue Rolle gewöhnen. Im Publikum sitzen ja bereits ein paar Alt- und Ehrenpräsidenten.“ Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau, begegnet der nahenden Verabschiedung Joachim Königs als Präsident des Europäischen Verbandes der Veranstaltungs- Centren (EVVC) mit Humor, unter Umständen aber auch mit ein wenig Wehmut. Traten die beiden Verbandsspitzen in der Vergangenheit doch stets als harmonierendes Gespann auf, das einige Initiativen angestoßen hat.

So wie die Meeting Experts Conference (Mexcon), die dieses Jahr am 20. und 21. Juni im gerade neu eröffneten RheinMain CongressCenter (RMCC) in Wiesbaden stattfindet. Bei den turnusgemäßen Neuwahlen des Vorstandes des EVVC bei der Jahreshauptversammlung im Rahmen der Mexcon steht Joachim König nach drei Amtsperioden als Präsident satzungsgemäß nicht mehr zur Wahl. Das Treffen der deutschen Meetingindustrie in Wiesbaden steht ganz im Zeichen der Themen Industry Challenges, New Work und – passend zur Staffelübergabe beim EVVC – New Leadership.

Eine für viele der insgesamt 450 Besucher neue Vortragsform ist die Einstimmung von Poetry Slammer Marius Hanke alias „Zwergriese“, der sich mit besagten Industry Challenges auseinandersetzt und in Stakkato-Dichtung darbietet:

„Deswegen gibt es Fragen über Fragen und viele Antworten, die warten. Keine Zeit für leere Phrasen, weil wir Verantwortung tragen. Die Zukunft wird starten. Ganz egal, ob wir den Mut dafür haben. Also auf ins Powerpoint-Abenteuer und dann zur Tat. Auch die Führungsriege bleibt nicht von dem Wandel verschont, doch wie umgehen mit den Folgen der digitalen Transformation? Ganz ehrlich: Wenn die Work-Life-Balance jetzt Chef ist, dann gibt es nur eine Antwort: Challenge accepted“

Mit diesem frischen Wind im Rücken verteilen sich die Besucher auf die Räume und das für sie relevante Angebot bestehend aus Vorträgen, Best-Practice- Vorstellungen und interaktiven Sessions. Die Herausforderungen werden in Themensträngen beleuchtet: „Marketing im Zeichen des Digitalen Wandels“, „Eventtech: zwischen analog und Mice 4.0“, „Arbeiten in Zeiten von New Work“ sowie „Perspektive Zukunft: Dynamik politischer & gesellschaftlicher Entwicklungen“. Die räumliche Teilung im RMCC erlaubt es zwischen den Sessions zu wechseln, von aktuellen Cases zu lernen oder mit den Speakern und Teilnehmern in den Dialog zu treten.

FOTOS: GERMAN CONVENTION BUREAU

Der Technologie-Strang beginnt mit einer Paneldiskussion zu Chancen und Herausforderungen der technischen Entwicklung bei Veranstaltungen. Nach diesem kurzen Impuls nutzen die überwiegend in Kongresshäusern und Locations beschäftigten Zuhörer die Möglichkeit, mit Experten über Infrastrukturnetzwerke für Veranstaltungen, die virtuelle Ergänzung von Events sowie den Einsatz von interaktiven Tools in kleinen Gruppen zu diskutieren. Das Format wird als „Learning by doing“ umschrieben.

Parallel dazu lauschen die Teilnehmer der „New Work“-Sessions unter anderem „Upstalsboomer“ Sebastian Schmidt, der nach 25 Jahren Erfahrung als Führungskraft in mittelständischen und großen Industrieunternehmen seit Ende 2016 als Quereinsteiger ein Haus der Hotelkette Upstalsboom leitet. Der gelernte Elektrotechniker und auch die Geschäftsführung sehen das aber keinesfalls als Problem: „Der Nachteil ist: Ich kenne das Hotelgeschäft nicht. Der Vorteil ist: Ich kenne das Hotelgeschäft nicht“, so Schmidt süffisant. Zusammen mit dem Team des Hotel Deichgraf entwickelt er Wege zu einer evolutionären Organisation. Dabei geht es darum, den Menschen die Verantwortung für das eigene Handeln zurückzugeben. Sein Credo: „Ich bin hier, um mich abzuschaffen!“ Die etwas andere Art zu führen, „New Leadership“eben.

Ein ähnliches Beispiel zeigt am zweiten Morgen Marc Stoffel, CEO der Haufe-umantis AG. Sein Unternehmen ist ungewöhnlich organisiert, dort wählen die Mitarbeiter ihren CEO jährlich demokratisch. In seiner kurzweiligen Keynote berichtet er über die Reaktionen seiner Mitarbeiter zur Modernisierung der gesamten Unternehmensstruktur, dem Transformationsprozess bis hin zur finalen Implementierung und zeigt auf, welchen Stolpersteinen er begegnet ist. Sein Rat an die im Saal sitzenden Führungskräfte läuft komplett konträr zur in der DACH-Region weit verbreiteten Mentalität, gut vorbereitet zu sein: „Start before you are ready.“

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FOTO: GCB, MICHAEL PASTERNACK

SECHS THESEN

Das German Convention Bureau hat sechs Thesen zu den Auswirkungen der Plattform-Ökonomie in der Tagungsbranche aufgestellt. Die Plattform-Ökonomie bestimmt unser Leben in erheblichem Maße. Die weltweit erfolgreichsten digitalen Unternehmen YouTube, Google, Facebook oder Amazon sind Plattformen. Diese Ökonomie ist das zentrale Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft:

1. Genau wie in anderen Branchen werden sich auch in der Tagungs- und Kongressbranche aus vielen Meetingportalen wenige marktbeherrschende Plattformen kristallisieren und die Margen aller anderen Marktteilnehmer reduzieren.
2. Die Anbieter der Plattformen werden nicht aus der Tagungs- und Kongressbranche kommen, sondern neutrale Anbieter sein, die häufig aus dem Technologie und E-Commerce Business Umfeld kommen.
3. Der Endkunde, als jeder, der in einem Unternehmen oder Verband eine Veranstaltung organisieren muss – wird sich sein Event selbst konfigurieren können.
4. Die Plattform-Ökonomie sorgt für hohe Vergleichbarkeit und Transparenz bei der Marktübersicht, da sich das Angebot von wenigen Anbietern bündeln wird.
5. Das Nutzerverhalten ändert sich radikal. Durch Plattformen wird es zur Interaktion kommen zwischen dem, was Plattformen anbieten und Kunden nachfragen. Auf diese Weise werden bei den Kunden neue Bedürfnisse geweckt, eine neue Nachfrage stimuliert.
6. Data-Profiling wird zum Erfolgsfaktor in der Plattform-Ökonomie. Über Analysen, unterstützt durch immer ausgefeiltere Tech-Tools (Stichwort: künstliche Intelligenz), wissen Plattformen, was Kunden wollen. Intelligente Algorithmen können genau das passende Angebot für den Kunden ermitteln.

Den Veranstaltern gelingt es, die „Industry Challenges“ treffend zu thematisieren und Impulse zu liefern. Sei es durch die smart gewählten Inhalte, durch den gelassenen Raum für einen intensiven Austausch zwischen Teilnehmern und Experten, praxisnahe Workshops, in denen beispielsweise die Design-Thinking-Methode selbst angewendet wird, durch kurzweilige, frische Formate wie Brownbag-Sessions, Breakout-Möglichkeiten, Exkursionen zu ortsansässigen Unternehmen wie Panasonic oder der Henkel&Co.-Gruppe oder etwa einem Social-Media-Walk hinter die Kulissen des RMCC.

„Die gemeinsame Erfolgsgeschichte der Mexcon ist ein starker Beleg für die Möglichkeiten und Chancen, die Kooperationen in der Branche möglich machen. Das GCB und der EVVC können dabei auf eine sehr erfolgreiche Zeit zurückblicken, die für die Zukunft Mut macht, das Format noch weiter zu entwickeln und weitere neue Ideen und Möglichkeiten ins Auge zu fassen“, bilanziert der scheidende EVVC-Präsident Joachim König, der den Staffelstab weitergibt an Ilona Jarabek. Die Geschäftsführerin der Musik- und Kongresshalle Lübeck wird am zweiten Konferenztag einstimmig zur neuen Präsidentin gewählt. Damit steht erstmals eine Frau an der Spitze des Verbandes. In ihrer Antrittsrede erklärt Jarabek, dass sie einen so genannten Schrittwechsel im EVVC einleiten und ihren eigenen Weg gehen wolle, anstatt Joachim König in die „Fußstapfen zu folgen“. Ihr Motto: „Bewährtes mitnehmen und Neues zulassen.“ Jarabek: „Es kommt darauf an, das Profil des Verbandes zu schärfen und weiter Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern zu verteilen.“ Challenge accepted.  CHRISTIAN FUNK
 

www.mexcon.dewww.gcb.dewww.evvc.org
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