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AIPC 2018

Black Box

Mit „Strategies for a changing world!“ setzt die AIPC das richtige Leitthema für ihre Jahrestagung 2018 in London. 240 Delegierte suchen den Gedankenaustausch und neue Geschäftsmodelle, für die meisten eine „Black Box“.

D
r. Razeen Sally ist zurück. Wie zur Jahrestagung
 2017 der International Association of Convention Centres (AIPC) in Singapur hält er am 2. Juli 2018 die Keynote in London. „Das ist sehr unüblich, doch bekam er so gute Bewertungen“, kündigt ihn AIPC-Präsident Aloysius Arlando an. Eine Stunde und 15 Minuten referiert Sally über aktuelle Handels- und geopolitische Turbulenzen. „Beim internationalen Handel haben wir eine deutliche Erholung gesehen“, berichtet der Co-Direktor des European Centre for International Political Economy. „Letztes Jahr sagte ich, die Erholung würde nicht anhalten, und ich lag falsch”, gesteht Sally. Mit Blick auf US-Präsident Trump und den drohenden Handelskrieg sieht er gute Chancen, dass die wirtschaftliche Erholung in 2019 andauert, aber durch Protektionismus und Geopolitik eine Delle bekommt.

Für den Abgleich mit dem Tagesgeschäft befragt Sally drei CEOs. „Meine überraschendste Beobachtung ist, dass wir trotz Ihrer Sorgen und den geopolitischen Bedrohungen, keinerlei Auswirkungen sehen”, befindet Greg O’Dell vom Walter E. Washington Convention Center in Washington, Mit im Panel stimmen ihm zu Peter King vom Melbourne Convention and Exhibition Centre (MCEC) und Joachim König vom Hannover Congress Centrum (HCC).

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Das Format der AIPC-Tagung war traditionell.
FOTO: EXCEL LONDON

„Vergesst nicht den Rest der Welt“, mahnt Elishilia D. Kaaya vom Arusha International Conference Centre in Tansania. „Vergesst nicht Afrika!“ Lindiwe Rakharebe vom Durban International Convention Centre wünscht sich mehr Inklusion – nicht nur der Afrikaner, auch der Frauen, beide vermisst sie auf der Bühne. Ebenso die Möglichkeit zur Interaktion. Die ICC Platinum Suite im Excel London ist trotz LED-Wand eine „Black Box“. Der Gedankenaustausch unter den 240 Mitgliedern aus aller Welt und der so wichtige Abgleich der Eindrücke aus den Medien mit den Erfahrungen vor Ort findet vor dem Saal statt, in den Pausen.

„Wenn es Probleme gibt wie Protektionismus, Instabilität und Brexit, müssen wir uns treffen“, bemerkt HCC-Chef König. Dafür ist London angesichts des EU-Ausstiegs gut gewählt. „Der Brexit bedeutet Ungewissheit. Wir wissen nichts über die Auswirkung des Ausstiegs“, berichtet Kevin Murphy. Der Chairman des Excel London setzt auf die Partnerschaft mit der Stadt und verkauft erst London, dann sein Haus, das 4,5 Mrd. GBP zu Londons Wirtschaft beiträgt. Stornierungen gab es seit dem Brexit-Votum keine, und die European Society of Cardiology kommt 2021 wieder. London setzt auf Cluster wie Technologie und Aushängeschilder wie die London Tech Week. Diese steht nicht nur für Technologie, sondern den Trend Festivalisierung.

„In fünf Jahren werden wir nicht mehr in einem Raum wie diesem sitzen“, glaubt Julia Cyboran in der Session „From Disruption to Evolution: a consumer-centric approach to rethinking of the delegate experience“. Sie arbeitet für C2 und will Business Events revolutionieren, indem sie den Teilnehmer in den Mittelpunkt stellt. Ihre „C2 Montréal“-Konferenz schafft ein Umfeld des Lernens und der Interaktion. Cyboran: „Entertainment-Acts sind entscheidend für uns. Sie bringen Menschen dazu, die Dinge anders zu sehen und ein Gespräch zu beginnen.“ Immer öfter bitten Unternehmen C2, ihnen bei ihrer Transformation zu helfen.



An ihrer Seite sitzt Peter King und stellt fest: „Wir verkaufen keine Räume mehr, wir verkaufen Erfahrungen und Erlebnisse.“ Der Kongresshauschef begründet die neue Partnerschaft: „Erstens ist es ein Unterscheidungsmerkmal. Zweitens erweitern wir unsere Fläche und haben ehrgeizige Umsatzziele. Drittens langweilen sich Leute auf Konferenzen in Formaten wie diesem!“

Das Format der AIPC-Tagung ist traditionell. Es sieht lange Vorträge vor, hier und da unterbrochen von Diskussionen im Panel. Für Fragen des Publikums per App bleibt kaum Zeit. Eine weitere Stunde dauert die Keynote „Securing and Retaining Talent in a Global Competition“. „Die richtigen Talente zu finden, ist Herausforderung Nummer eins“, erklärt Avinash Chandarana. Der Group Learning & Development Director MCI ergänzt: „2025 werden Millennials die Mehrheit der Belegschaft stellen.“

Auf Einladung macht er, was viele machen: Über die Generation Y und Z sprechen und nicht mit ihr. Stefan Lohnert sähe das Programm dagegen gerne um deren Beiträge erweitert. „Wir haben junge Talente in unseren Reihen, die hier ein Forum bekommen könnten.“ Der Leiter ICS Internationales Congresscenter Stuttgart will wissen, wie die jungen Mitarbeiter das eigene Haus und andere Häuser sehen und welche Themen und Trends – abseits der Digitalisierung. Lohnert findet: „Wir sollten aufmerksam zuhören, um generationenimmanente Entwicklungen parieren zu können, denn unsere Kunden werden ebenfalls jünger.“  KERSTIN WÜNSCH
 
www.aipc.org
„2025 stellen Millennials die Mehrheit der Belegschaft.“
Avinash Chandarana,
Group Learning & Development Director MCI
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