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„Auf meine eigene Art“

Ilona Jarabek ist die erste Frau an der Spitze des Europäischen Verbands der Veranstaltungs-Centren. Die Geschäftsführerin der Musik- und Kongresshalle Lübeck spricht über die Herausforderung, ihre persönliche Herangehensweise und die Notwendigkeit, Strukturen aufzubrechen.

tw: Wie fühlt es sich an, als erste Frau an der Spitze des EVVC zu stehen?
Ilona Jarabek:
Ich freue mich sehr auf die Aufgabe und weiß das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird, sehr zu schätzen. Es macht mich zugegebenermaßen auch ein bisschen stolz, die erste Frau zu sein, die dieses Amt nun ausfüllen wird. Auch wenn es in unserer Branche bereits Frauen in Führungspositionen gibt, ist das Thema weibliche Führung in der Verbandswelt noch nicht so ausgeprägt.

War die Entscheidung für Sie persönlich einfach?
Ich wollte diese Herausforderung gerne annehmen. Ich möchte nicht verhehlen, dass ich auch großen Respekt hatte und habe, auch mal Zweifel aufkamen, ob ich den Erwartungen und den zeitlichen Anforderungen, die ein Ehrenamt mit sich bringt, immer gerecht werden kann – das mag eine typische weibliche Eigenschaft sein. Beim Wandern ist mein persönlicher Entschluss gefallen, dass ich die Chance ergreifen möchte, etwas in der Branche zu bewegen, in der ich mit Herzblut dabei bin.

In Ihrer Antrittsrede haben Sie erklärt, dass Sie einen Schrittwechsel im EVVC einleiten und Ihren eigenen Weg gehen wollen. Was werden Sie anders machen als Ihr Vorgänger?
Also zunächst einmal ist es mir sehr wichtig, Joachim Königs Wirken zu würdigen. Wir haben ihm sehr viel zu verdanken. Im Verband haben wir schon eine ganze Zeit darüber diskutiert, wer in seine Fußstapfen treten könnte. Und seine „großen Fußstapfen“ waren dann irgendwann einmal ein geflügeltes Wort, weswegen ich das Bild mit dem Schrittwechsel gewählt habe. Mir ist wichtig zu betonen, dass ich nicht alles anders machen möchte, sondern dass ich den von Joachim König eingeschlagenen Weg – der Verband ist nämlich auf einem sehr guten – weiter gehen möchte, allerdings auf meine eigene Art.

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FOTO: EVVC

ZUR PERSON

Mit Ilona Jarabek steht erstmals eine Frau an der Spitze des EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren). Jarabek, im Hauptberuf Geschäftsführerin der Musik- und Kongresshalle Lübeck, wurde einstimmig gewählt. Sie möchte weiterhin den Dialog zwischen den Mitgliedern fördern. 
www.evvc.org

Was ist denn Ihre Art?
Ich bin ein Teamplayer und ein sehr kommunikativer Mensch. Daher schreibe ich mir Kommunikation und Austausch auf die Fahnen. Ich möchte den Dialog innerhalb der Mitglieder unseres Verbands weiter fördern, weil ich der unumstößlichen Meinung bin, dass wir viel voneinander lernen können und wir uns nur gemeinsam weiter entwickeln können. Wenn jeder seinen Standpunkt aus der ganz eigenen Perspektive einbringt – da gibt es nämlich im Verband oftmals ganz unterschiedliche Voraussetzungen und somit auch Sichtweisen – wird es einfacher sein, Lösungen zu finden für die zukünftigen Herausforderungen, die auf die Meetingindustrie warten.

Sie sprechen die „Industry Challenges“ an, das Thema der Mexcon. Was sehen Sie als größte Herausforderungen für unsere Branche?
Da steht natürlich die Digitalisierung an erster Stelle, wobei meiner Meinung nach, viel zu häufig nur der technische Aspekt im Mittelpunkt steht. Natürlich ist das gerade bei den vielen unterschiedlichen Häusern eine große Herausforderung, weil jedes Haus seine eigenen Strategien entwickeln muss. Ich sehe aber auch vor allem in der Zukunft viel Handlungsbedarf hinsichtlich unseres Nachwuchses. Jüngere Mitarbeiter wollen wesentlich flexibler sein in ihrer Arbeitsweise. Dem gilt es sich zu stellen. Ich kenne Häuser – da nehme ich mein eigenes nicht aus –, die in dieser Hinsicht noch sehr viel Arbeit vor sich haben. Es wird unbequem werden, das allen Mitgliedern zu vermitteln, aber ich denke, dass einige veraltete Verhaltensweisen und Strukturen aufgebrochen werden müssen. Außerdem muss es uns gelingen, neben einer Förderung weiblicher Führungskräfte, auch verstärkt junge Mitarbeiter in entsprechende Positionen einzubinden. Deren Kernkompetenzen werden immer wichtiger für uns.



Was kann der EVVC denn zur Bewältigung dieser Aufgaben beitragen?
Wir als Verband können unseren Mitgliedern die Augen öffnen und gegebenenfalls sensibilisieren. Durch die eben erwähnte von mir gewünschte offene Kommunikation untereinander wird es möglich sein, Best-Practices innerhalb des Verbands vorzustellen. Zudem wird es zunehmend wichtig, Allianzen und Kooperationen einzugehen. Hier können wir als EVVC mit gutem Beispiel voran gehen und Wege für die Mitglieder ebnen.

Was ist Ihr Hauptziel als EVVC-Präsidentin für die kommende Amtsperiode?
Mein Hauptziel muss – natürlich – die Mitglieder- und Partnerentwicklung sowie die Informations- und Wissensvermittlung bleiben. Es muss sich weiterhin lohnen, Mitglied in unserem Verband zu sein. Joachim König hat hier hervorragende Arbeit geleistet. Diese Arbeit müssen wir, immer unseren Mitgliedern zugewandt, weiterführen. Ein Augenmerk wird zudem auf einem notwendigen Bürokratieabbau liegen. Mitunter sind eine nicht klare Gesetzgebung oder Unterschiede innerhalb der verschiedenen Bundesländer hinderlich bei der Organisation von Veranstaltungen. Auch Förderprogramme zur energetischen Sanierung explizit für Veranstaltungshäuser sind ein Thema. Und das wird nur über zeitintensive Lobbyarbeit möglich sein. Es liegt viel vor uns. Und das werden wir gemeinsam angehen.  CHRISTIAN FUNK
 
„Neben der Förderung weiblicher Führungskräfte müssen wir verstärkt junge Mitarbeiter in entsprechende Positionen einbinden. Deren Kernkompetenzen werden immer wichtiger.“
Ilona Jarabek,
EVVC-Präsidentin
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