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DEUTSCHLAND

Natürlich. Digital. Nachhaltig.

Die Marke Deutschland zieht: Als Gastgeber von Veranstaltungen genauso wie bei der Qualität von Produkten. Ausschlaggebend dafür könnten Nachhaltigkeit und Digitalisierung sein. Das BMBF will beides nun „konsequent zusammenführen“.

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as Image Deutschlands ist hervorragend. Zumindest wenn man den Anholt-Ipsos Nation Brands Index (NBI) zu Rate zieht. Die Studie ermittelt das Markenimage von insgesamt 50 Nationen weltweit – und Deutschland behauptet 2019 zum dritten Mal in Folge die Spitzenposition. Untersucht wird dabei die Reputation eines Landes in den Kategorien Exporte, Regierung, Kultur, Menschen, Tourismus sowie Immigration und Investitionen. Die Bundesrepublik behauptet sich wegen ihrer ausgeglichenen Stärke über mehrere Kategorien hinweg.

Ein positives Image existiert auch auf dem Veranstaltungsmarkt. Deutschland ist mit großem Abstand das wichtigste Geschäftsreiseziel in Europa. Bei der letzten abgeschlossenen Zählung, dem „Meeting- & EventBarometer 2018/2019“, gingen von 58,1 Mio. Auslandsgeschäftsreisen innerhalb Europas 13 Mio. nach Deutschland. Das sind mehr als jede fünfte Reise, 54% davon entfallen auf Kongresse und Messen. Insgesamt verzeichnet der deutsche Veranstaltungsmarkt 412 Mio. Teilnehmer auf 2,89 Mio. Veranstaltungen 2018, von denen 37,2 Mio. aus dem weltweiten Ausland anreisen.
                     
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Das Darmstädter Kongresszentrum „Darmstadtium“ hat 2019 bereits zum dritten Mal den INCON Digital Infrastructure Award erhalten.
FOTO: LOTHAR KEUCH

AKTIONSPLAN BMBF

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Der Aktionsplan des Bundesministeriums für Bildung und Forschung mit dem Titel „Natürlich. Digital. Nachhaltig.“ ist zu finden unter: www.bmbf.de/de/digitalisierung-und-nachhaltigkeit-10466.html

Beachtlich vor allem vor dem Hintergrund, dass sich die Zahl internationaler Teilnehmer seit 2010 verdoppelt hat. Traditionell kommen zudem internationale Verbandskongresse häufig ins Land. Im Vergleich der weltweiten Meetingdestinationen, den die International Congress & Convention Association (ICCA) jährlich veröffentlicht, nimmt Deutschland zum 15. Mal in Folge in Europa den ersten Platz und weltweit Rang zwei hinter den USA ein.

Während sich die Anzahl der Veranstaltungen in Deutschland seit 2015 allmählich verringert, nimmt die Teilnehmerzahl stetig zu, genauso wie der Anteil hybrider Veranstaltungen (+2,3% gegenüber 2017) und das Angebot an Eventlocations (+2,4%). „Die Kennzahlen zeigen, dass der Veranstaltungsmarkt immer heterogener wird und sich zunehmend diversifiziert. Dazu zählen neue Formate in Locations, die sich auf die Ansprüche im Sinne des ‚New Work‘ eingestellt haben. Die Diversifizierung umfasst auch hybride Veranstaltungen mit digitalen Elementen, neue Marketing-Tools und eine verstärkte Internationalisierung“, ordnet Matthias Schultze, Managing Director des GCB, die Ergebnisse ein.

Dem Bereich Digitalisierung widmet das GCB einmal im Jahr den „Digital & Innovation Day“, oder kurz #DigiDay, zuletzt am 5. Dezember 2019 in Frankfurt mit 110 Teilnehmern. Unter anderem Big Data, Plattformökonomie, Cyber-Sicherheit und künstliche Intelligenz (KI) stehen auf der Agenda. „Why Bots are just better – AI and the Future of Everything“ ist der Titel der Keynote von Berater Sven Krüger. Er möchte den Mythos der KI als „dunkle Macht“ entkräften und zeigt auf, wo intelligente Anwendungen schon im Einsatz sind: etwa auf dem Smartphone, auf Suchseiten im Internet, bei der personalisierten Werbung, aber auch bei einfachen Content-Erstellungen oder in der Geschäftsanalytik. Auch wenn sich KI seiner Meinung nach in einem frühen Entwicklungsstadium befände – „auf dem Weg zu menschlicher Intelligenz etwa auf dem Niveau zwischen Vogel und Schimpanse – prognostiziert er: „Alle Interaktionen der Zukunft werden über einen Bot laufen.“ Während zu negativen Auswirkungen der Wegfall von Jobs, der Einfluss auf Privatsphäre und der Verlust von ethischen Grundprinzipien oder Vertrauen zählten, betont er: „Die KI selbst macht immer nur das, wozu Menschen sie gebaut haben.“
                         
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Einer der Gewinner im Wettbewerb des BMBF ist die „Zukunftsstadt Dresden“.
FOTO: ZUKUNFTSSTADT DRESDEN

Den Tag beschließt Chris Wojzechowski mit einem Live-Hack. Im Dienste des Datenschutzes tätig, nutzt der IT-Experte die Methoden von kriminellen Hackern, um Empfehlungen für Sicherheitsvorkehrungen von Unternehmen aussprechen zu können und führt den Besuchern live das Knacken von Passwörtern und Telefonbetrug vor. „Der Tag war sehr informativ und interessant und hat auf Aspekte aufmerksam gemacht, an die man so noch nicht gedacht hat“, bewertet Vanessa Arnold von Karlsruher Messe- und Kongress den #DigiDay. Neu gedacht hat das GCB eine Veranstaltung am 23. April 2020. „BOCOM – Experience Borderless Communication“ wird nämlich ein räumlich verteilter Kongress rund um grenzüberschreitende, effektive und nachhaltige Zusammenarbeit und Kommunikation in der Zukunft sein. Der Event findet gleichzeitig am zentralen Konferenz-Hub in Berlin sowie an dezentralen Locations in verschiedenen Ländern statt und dreht sich um den Future Meeting Space, Mobilität 4.0, Kollaboration & New Work, Kommunikation & Interaktion sowie Shared Economy & Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit ist derzeit eines der zentralen Themen der Veranstaltungswelt. Hatten 2011 lediglich 27,4% der Veranstaltungsstätten ein Nachhaltigkeitsmanagementsystem implementiert, sind es 2019 bereits 40,5%. Als am 20. September 2019 Fridays for Future zum globalen Klimastreik aufruft, motiviert das Team der Agentur 2bdifferent auch die deutsche Veranstaltungsbranche, sich zu beteiligen. Visit Berlin gründet Sustainable Meetings Berlin, ein Tool das nachhaltige Angebote von Berliner Hotels, Locations und Dienstleistern bündelt. Die dafür eingerichtete Toolbox ist auf der Online-Plattform zugänglich. Das Startup Eventthinking spendet für jede Anmeldung zu einem Online-Einführungskurs in ihr Tool 10 qm Patenschaft bei Blühwiesen NRW. Und Travel & Tree startet Ende 2019 eine Reiseplattform mit kostenlosem CO2-Ausgleich.

Was man als Kongresszentrum leisten kann, zeigt das Marinaforum als erstes nachhaltiges Veranstaltungszentrum in Regensburg. Das Haus ist Impulsgeber dafür, dass Regensburg Tourismus (RTG) für die „MICE-Destination“ Regensburg den ADAC-Tourismus-Sonderpreis Bayern für Nachhaltigkeit 2019 gewonnen hat. Ausgezeichnet wurde das ganzheitliche Veranstaltungsmanagement.
                    

FAKE-PROFIL?

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Wie erkennt man ein Fake-Profil? Eher nicht am Foto. Auf der Website www.thispersondoesnotexist.com finden sich unzählige computergenerierte und täuschend echt aussehende Porträtbilder von Menschen, die es gar nicht gibt.



Auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) betrachtet Nachhaltigkeit als zentrales Zukunftsthema und investiert in den kommenden Jahren 300 Millionen Euro in die Forschung für Klimaschutz. „Über Innovationen wird es gelingen, dass Deutschland die Klimaziele ab 2030 einhalten kann", sagt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek zu den Ansätzen des BMBF. Die Anstrengungen des Ministeriums in der Projektförderung für Nachhaltigkeit, Klima und Energie umfassen zum Beispiel CO2-Reduktion in Energiewirtschaft und Industrie genauso wie im Gebäudebereich. Gemeinsam mit dem Wirtschaftsministerium fördert das BMBF sechs systemisch angelegte Leuchtturmprojekte. Im Wettbewerb „Mobilitäts-WerkStadt 2025“ werden ab 2020 bis zu 50 Kommunen innovative Mobilitätskonzepte erproben. In der Fördermaßnahme „MobilitätsZukunftsLabor 2050“ entwickeln interdisziplinäre Forschungsprojekte Lösungen für die Mobilität der Zukunft.

Ausgezeichnete angewandte Forschung findet sich in den Städten Bocholt, Dresden, Friedrichsstadt, Gelsenkirchen, Loitz, Lüneburg, Norderstedt und Ulm, denn sie sind die acht Gewinner des Wettbewerbs Zukunftsstadt des BMBF. In den Reallaboren für die nachhaltige Stadtentwicklung arbeiten Wissenschaft, Verwaltung und Bevölkerung zusammen an Lösungen für mehr Klimaschutz und widerstandsfähige, klimagerechte Städte in Bereichen wie der Stadtplanung, urbanen Mobilität, Energieversorgung und dem Umgang mit Ressourcen.

In der Zukunftsstadt Dresden haben die Bürger 100 Projekte erarbeitet, von denen derzeit acht konkret realisiert werden. So wird im Projekt „Essbarer Stadtteil Plauen“ untersucht, welche Nahrungspflanzen genutzt werden können, wenn die Selbstversorgung des Stadtteils erhöht werden soll. „Zur Tonne“ will herausfinden, wie ein Restaurant ausschließlich mit aussortierten Lebensmitteln betrieben werden kann. Der „Lebensraum Schule gemeinsam gestalten“ fragt, wie Schulen und dazugehörige Gelände nachhaltig als gemeinsamer Lebensraum entwickelt und genutzt werden können. Das Team von „Materialvermittlung“ erforscht, wie Materialien sinnvoll weiterverwendet werden können, anstatt sie wegzuwerfen. Und in der äußeren Neustadt soll das Modell autofreier Stadtteil für eine Woche getestet werden. Zudem werden seit 2019 aus städtischen Haushaltsmitteln immer wieder neue Bürgerprojekte gefördert.
          
           

IST MEIN JOB SICHER?

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Wann werde ich durch KI meinen Job verlieren? Aufschluss darüber gibt die Website https://job-futuromat.iab.de/

Zukunftsorientiert präsentiert sich das Darmstadtium, das 2019 bereits zum dritten Mal den INCON Digital Infrastructure Award erhalten hat. Die internationale Auszeichnung betont die Bedeutung von erstklassiger digitaler Infrastruktur in Kongresszentren. Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzende des Darmstädter Kongresszentrums, Jochen Partsch: „Seit wir die Auszeichnung Digitalstadt erhalten haben, arbeiten viele Beteiligte aus Verwaltung und Wirtschaft intensiv daran, das Projekt auf den über 30 Handlungsfeldern stetig voranzubringen. Dass es dem darmstadtium nach 2014 erneut gelungen ist, den INCON Digital Infrastructure Award zu gewinnen, bestätigt, dass die Arbeit aller Akteure in der Digitalstadt auf ganzer Linie erfolgreich ist. Wir haben damit einen weiteren wichtigen Schritt bei der Umsetzung der Digitalstadt- Strategie gemacht”.

Einen Schritt zur Öffnung nach China ist Stuttgart bereits im letzten Jahr gegangen. Die Stadt verzeichnet einen klaren Zuwachs an chinesischen Gästen. Tendenz steigend. Das hat die Stuttgart- Marketing GmbH dazu bewogen, als erste deutsche Stadt chinesische Bezahlsysteme in großem Umfang in lokalen Betrieben anzubieten. Inzwischen haben sich 110 Einrichtungen dieser Initiative angeschlossen. Mobiles Bezahlen ist in China längst Alltag. Um sich auf die chinesischen Gäste einzustellen, hat Stuttgart-Marketing diese Initiative als „erste offiziellen China Pay City Deutschlands“ gestartet. Mit dem Spezialisten für digitale Finanztechnologien Wirecard an ihrer Seite, hat sie das Angebot der chinesischen Zahlmethoden Alipay und We-Chat-Pay seitdem flächendeckend etabliert und in zahlreichen Stuttgarter Betrieben eingeführt.

Die allgegenwärtigen Trendthemen behandelt jährlich das Wissenschaftsjahr der Bundesregierung. 2020 steht im Zeichen von Nachhaltigkeit: Bioökonomie.
            

Am 16. Januar hat Anja Karliczek das Jahr eingeläutet: „Bioökonomie ist ein Schlüssel für ein nachhaltiges Leben und eine zukunftsfähige Wirtschaft. Mit dem Wissenschaftsjahr 2020 wollen wir nun dieses Zukunftsthema verstärkt in die Öffentlichkeit bringen. Es gilt, das enorme Potenzial bioökonomischer Forschung aufzuzeigen – auch im Hinblick auf die Herausforderungen des Klimawandels“, so die Bundesforschungsministerin. „Wir wollen den Menschen außerdem zeigen, welche tollen Produkte zum Beispiel aus nachwachsenden Rohstoffen heute schon angeboten werden: etwa Fahrräder aus Bambus, Leder aus bislang weggeworfener Fischhaut oder Kleidung aus Kaffeesatz. Mit dem Wissenschaftsjahr bieten wir eine Plattform für den Austausch mit den Menschen in unserem Land.“ 15 vom BMBF geförderte Projekte aus ganz Deutschland bieten über den Verlauf des Jahres Veranstaltungen, Diskussionen und Aktionen zur Bioökonomie – von Wanderausstellungen über Fashion- Hacks bis hin zu Escape-Rooms. Auf Nachhaltigkeit liegt nicht nur in Deutschland der Fokus: Befragt nach den dringlichsten Herausforderungen für die Weltgemeinschaft geben beim NBI 2019 vier von zehn Personen an, dass der Umweltschutz derzeit das größte globale Anliegen ist. Deutschland wird nachhaltig beschäftigt sein.
CHRISTIAN FUNK
                 
www.bmbf.dewww.wissenschaftsjahr.de/2020www.zukunftsstadt-dresden.de
Am 23. April veranstaltet das GCB mit der „BOCOM – Experience Borderless Communication“ einen räumlich verteilten Kongress.

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