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BARRIEREFREIHEIT

Mit dem Rollstuhl unterwegs

Magnus Berglund baut als Director of Accessibility bei den Scandic Hotels Barrieren ab. Ein Blick in eine immer noch viel zu wenig betrachtete Welt.

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aben Sie schon einmal versucht, sich im Rollstuhl sitzend in einem Gebäude zu bewegen? Ich habe diesen Tipp von Magnus Berglund befolgt und mich daran versucht. Angefangen bei einer ehrlich empfundenen Scham, über die Herausforderung eine Tür zu öffnen und mich auf Toilette zurechtzufinden bis zu einer reifenden Ahnung dessen, was Einschränkung in der Realität heißen könnte. „Das ist eine der einfachsten Möglichkeiten für Hotels oder Locations festzustellen, ob sie tatsächlich barrierefrei sind oder ob es doch einige Barrieren gibt“, sagt der Director of Accessibility bei der Hotelkette Scandic Hotels. „Eine andere Möglichkeit ist, sich mit verbundenen Augen in meinem Gebäude zurechtzufinden. Einfach mal ausprobieren. Das kann einem die Augen öffnen.“ Berglund referiert vor der EU oder den Vereinten Nationen zum Thema und prüft die Hotels der Kette auf Herz und Nieren: „Wir sind die einzige Hotelkette, bei der sämtliche Mitarbeiter in Barrierefreiheit geschult werden“, erklärt Berglund. „Haben Sie schon einmal gesehen, dass in nahezu allen Hotels dieser Welt Rollstuhlfahrer beim Frühstück Tee trinken? Das kommt daher, dass die Kaffeetassen in der Regel weiter oben stehen und für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar sind.“ Berglund, der selbst unter einer rheumatischen Krankheit leidet und auf seinen Assistenzhund Dixi angewiesen ist, kann Unmengen solcher Beispiele aufzählen. Damit sich die Hotels der Kette verbessern, hat er Scandics sogenannten Accessibility Standard entwickelt, der insgesamt 159 Punkte umfasst, die die Häuser umsetzen müssen. Bei Scandic müssen zehn Prozent der Zimmer behindertengerecht ausgestattet sein.
                                
             
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Magnus Berglund, Dixi und Christian Funk im Scandic Frankfurt Museumsufer.
FOTO: CHRISTIAN FUNK

Berglund sieht darin auch einen Wettbewerbsvorteil und zeigt auf, dass jeder zehnte Mensch eine Behinderung hat, von den Personen über 65 Jahren sind gar 51% eingeschränkt. Insofern könne man ganz nüchtern von einem Markt sprechen, erklärt Berglund und beschreibt die Online-Schulungen für Mitarbeiter. „Die Kurse umfassen Ratschläge, Tipps, Tests und Videos. Ziel ist es, das Bewusstsein für verschiedene Arten von Herausforderungen bei der Barrierefreiheit sowie ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse vieler Menschen zu entwickeln und auszubauen.“ Ich kann jetzt aus eigener Erfahrung sagen: Eine Rollstuhlfahrt wäre dafür ein Anfang.
CHRISTIAN FUNK

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Als tw-Redakteur probiere ich in dieser Rubrik neue Formate oder Technologien aus und berichte von meinen Erfahrungen. Soll ich für Sie auch einmal etwas testen? Gerne. Ideen und Wünsche bitte an:
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„Einfach mal ausprobieren. Das kann einem die Augen öffnen.“
Magnus Berglund,
Director of Accessibility, Scandic Hotels
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