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INNSBRUCK

Holz ist die Antwort

Wälder sind Klimaschützer und ihre Hölzer eine Antwort auf die urbane Verdichtung. Österreich ist ein Waldland und Tirol ein Holzland. Erstmals kommt deshalb das Internationale Holzbau-Forum IHF nach Innsbruck und kann auf seine Gastgeber bauen.

E
s ist kurz nach acht Uhr. Prof. Uwe Germerott steht am Eingang von Congress Innsbruck. Der Geschäftsführer des Forums Holzbau schaut über die vielen Namensschilder und begrüßt die ersten der über 2.450 Teilnehmer aus 36 Ländern zum Jahrestreffen der Holzbranche. Das sind 500 mehr als im Vorjahr. Die meisten kennt Germerott. Vom 4. bis 6. Dezember 2019 findet das Internationale Holzbau- Forum (IHF) zum 25. Mal statt und das erste Mal in Innsbruck. Den einen oder anderen im Veranstalter-Team macht das nervös. Germerott nicht. Nach 23 Jahren hat der Weltleitkongress für Holzbau Garmisch-Partenkirchen verlassen. Das Kongresshaus dort war aus den Nähten geplatzt.

Congress Innsbruck bietet genug Räume. In den Saal Tirol passen 1.500 Personen, den Saal Innsbruck 600 und zum Galaabend geht es in die historische Halle der Messe Innsbruck. Das Foyer und die Ausstellflächen bieten Platz für die 169 Aussteller, 39 mehr als 2018. Unter ihnen sind Fermacell und Steico aus Deutschland, Hasslacher Norica Timber und Isocell aus Österreich oder die Tiroler Unternehmen Egger und Binderholz. Hausherr Christian Mayerhofer ist früh auf den Beinen und schaut sich das morgendliche Treiben genau an. Für den Geschäftsführer der Congress Messe Innsbruck (CMI) ist es „ein schönes, neues Geschäft für die nächsten fünf Jahre“. Obwohl sein Team im Jahr bis zu 500 Veranstaltungen stemmt, ist er etwas nervös.

„Das Willkommen heißen ist uns wichtig“, sagt Mayerhofer. Es geht ihm neben guter Gastgeberschaft um das Grundverständnis. Umso mehr als Innsbruck für ihn eine authentische Destination für Holz ist, und er zu Jahresbeginn 2020 die „Hausbau und Energiemesse“ zu Gast hat. „Durch unser Cluster ‚proHolz Tirol‘ sind wir mit dem Thema Holz auf Nachfrage- und Angebotsseite stark verbunden. Für das Holzbau-Forum war das bei der Standortwahl wichtig“, sagt er.
               
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Pflegen eine enge Partnerschaft und die Beziehung zum Kunden beim Holzbau- Forum: Christian Mayerhofer (l.) und Klaus Schmidhofer, beide Congress Messe Innsbruck, und Christine Stelzer, Innsbruck Convention Bureau.
FOTO: FORUM HOLZBAU

INTERNATIONALES HOLZBAU-FORUM

Zum 25. Mal wird der Zusammenschluss aus der Hochschule Rosenheim, der Berner Fachhochschule, der Aalto University School of Science and Technology Helsiniki, der Technischen Universität München, der Technischen Universität Wien und der University of British Columbia das „Internationale Holzbau-Forum (IHF)“ veranstalten. Der weltweit führende Kongress rückt alle wesentlichen und aktuellen Entwicklungen der globalen Holzbaubranche in den Fokus. www.forumholzbau.com/IHF

„Das Land Tirol, die Landeshauptstadt Innsbruck, die Wirtschaftskammer Tirol, der Innsbruck Tourismus mit dem Convention Service Innsbruck, das Convention Bureau Tirol sowie ‚proHolz Tirol‘ und die Congress Messe Innsbruck haben uns von Anfang an mit offenen Armen empfangen“, bekräftigt Ingrid Höhensteiger, Marketingchefin beim Internationalen Holzbau-Forum. „Die Destination stellt aufgrund der Verbundenheit zum Holzbau sowie der guten Infrastruktur im Congress Innsbruck, der sehr guten Anbindung, der Hotel- und Gastronomiebetriebe in Gehdistanz und der herrlichen Naturkulisse den perfekten Rahmen für unseren Weltleitkongress dar.“

Dass Holz ein Zukunftsthema ist, verdeutlicht Melanie Brunner-Müller von Lignum – Holzwirtschaft Schweiz: „Wir haben acht Milliarden Menschen, die den Planeten bewohnen, 50 Prozent davon leben in Städten. Bis 2050 sollen es zehn Milliarden Menschen sein und 70 Prozent sollen in Städten leben.“ Brunner-Müller sieht eine Lösung für diese Verdichtung: „Holz bindet CO2 und spart beim Hausbau bis zu 56 Prozent der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu herkömmlichen Hausbauten ein.“

Österreich bringt sich entsprechend in Position. Schließlich sind 48 Prozent der Gesamtfläche Österreichs mit Wald bedeckt, also vier Millionen Hektar. Damit liegt das Land im europäischen Spitzenfeld. Wälder entziehen der Atmosphäre CO2, geben Sauerstoff wieder ab und speichern den Kohlenstoff im Holz. Im ersten Halbjahr 2019 hat die österreichische Holzindustrie laut Fachverband der Holzindustrie Österreich rund 9,85 Mio. t Kohlenstoffdioxid in ihren Erzeugnissen gespeichert, das sind 43 Prozent der Treibhausgas-Emissionen des österreichischen Verkehrs.
                      

„STÄRKERES COMMITMENT ZUM KONGRESSSTANDORT“

Christine Stelzer leitet das neue Innsbruck Convention Bureau.FOTO: INNSBRUCK TOURISMUS
Christine Stelzer leitet das neue Innsbruck Convention Bureau.
FOTO: INNSBRUCK TOURISMUS
Christine Stelzer, Geschäftsführerin der Innsbruck Information & Reservierung und des Innsbruck Convention Bureaus, über das Internationale Holzbau-Forum 2019, Kongressförderung und das neue Convention Bureau.

tw: Das Internationale Holzbau-Forum (IHF2019) war eine Premiere für Innsbruck, und Sie waren vor Ort. Warum ist das IHF wichtig für Innsbruck, ja Tirol?
Christine Stelzer: Nach 22 Jahren in Garmisch-Partenkirchen fand das IHF zum 25. Geburtstag 2019 erstmals in Innsbruck statt. Diese wichtige und wachsende Veranstaltung der Holzbaubranche für 2020 und in den Folgejahren begrüßen zu dürfen, ist ein Gewinn für beide Seiten! Es kamen 2.500 Teilnehmer aus 36 Nationen der internationalen Holzbaubranche; vom holzverarbeitenden Betrieb, bis hin zu Dozenten Technischer Universitäten, Architekten und Zimmerleuten. Der Vertrag mit Congress und Messe Innsbruck ist für die nächsten fünf Jahre fixiert, darüber freuen wir uns sehr. Europas urbane Räume wachsen teils rasant, und der Holzbau mit seinen Innovationen bietet viele Lösungen. Dass wir uns hier als Veranstaltungsort präsentieren können, ist äußerst positiv. Eingebettet in die beeindruckende Bergwelt lässt Innsbruck erkennen, wie harmonisch man das Urbane bautechnisch mit dem Alpinen verbinden kann.

Wie hat das Innsbruck Convention Bureau den Veranstalter, das Forum Holzbau, unterstützt?
Wir haben bei der Organisation und Verwaltung der Zimmerkontingente in der Region Innsbruck geholfen und Werbemittel bereitgestellt, z. B. Brückenbeflaggung und Info-Screen sowie Kongresstickets. Ein wichtiger Aspekt war die Kongressförderung seitens Innsbruck Tourismus, die bei der Bewerbung ein wesentliches Kriterium war.

Beim Thema Holz ist Innsbruck stark. In welchen drei Themenfeldern für Kongresse noch?
Besonders erfolgreich sind wir in der Medizin. Hier finden jährlich internationale Veranstaltungen auf Initiative der Uniklinik bzw. der Meduni Innsbruck mit ihren Forschungseinrichtungen statt. Ein Beispiel ist die ISPAD – 43th Annual Conference of the International Society of Pediatric and Adolescent Diabetes mit über 1.500 Teilnehmern. Ein weiterer strategisch wichtiger Bereich ist die alpine Forschung und Technologie. Einige Forschungseinrichtungen wie für alpine Sicherheit sind in Innsbruck angesiedelt und ziehen internationale Meetings in die Landeshauptstadt, z. B. der International Snow Science Workshop (ISSW) mit 1.000 Teilnehmern.

Ende 2019 haben Sie das Innsbruck Convention Bureau ins Leben gerufen und eine Expertengruppe für ein Ambassador Programm. Worum geht es?
Das Innsbruck Convention Bureau wurde innerhalb von Innsbruck Tourismus als eigene Unit installiert. Wir bestehen momentan aus drei Mitarbeiterinnen, die sich um die Einwerbung internationaler Kongresse kümmern. Gemeinsam mit Congress und Messe Innsbruck als strategischer Partner und den Universitäten wollen wir Ende 2020 ein Ambassador Programm für Innsbruck installieren. Daran arbeiten Professoren der Universitäten mit, aber auch das Büro für Öffentlichkeitsarbeit der Universität Innsbruck. Wir sind dabei, Kriterien zu definieren und einen Maßnahmenplan zu erstellen. Wir erwarten uns dadurch eine stärkere Motivation für Wissenschaftler, sich für einen Kongress in Innsbruck zu bewerben, aber auch ein stärkeres Commitment der Politik zum Thema Kongressstandort.

Das Jahr hat gerade begonnen. Was glauben Sie, wie wird das Kongressjahr 2020 laufen für Innsbruck?
Wir sehen einem überaus interessanten Kongressjahr entgegen. Neben dem großen ECPR-Kongress der Politikwissenschaft mit über 2.000 Teilnehmern erwarten uns einige nationale und europäische Meetings im medizinischen Bereich, etwa der Kardiologie, der Unfallmedizin und der Psychoneuroimmunologie. Es wird ein sehr „buntes“ Kongressjahr.
KERSTIN WÜNSCH



Die Tiroler werben gemeinsam für ihr Land als Austragungsort für das Holzbau Forum. Beispielsweise Rüdiger Lex, Geschäftsführer von proHolz Tirol: „Die Tiroler Holzindustrie spielt weltweit in der höchsten Liga und das heimische Holzbau-Gewerbe ist für Innovationskraft und beste Qualität weit über Tirol hinaus bekannt, obgleich vor Ort noch genügend Spielraum für bauliche Leuchtturmprojekte vorhanden ist.“ Oder Tirols Landeshauptmann-Stellvertreter Josef Geisler: „Wir wollen als Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort auch im Rahmen dieses Kongresses einen Beitrag dazu leisten, den Einsatz der wertvollen und vielfältig einsetzbaren Ressource Holz weiter zu forcieren und neue Potenziale zu erschließen.“

Zur Begrüßung von Stadt und Land steht neben Josef Geisler, Christoph Walser, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, auch Georg Willi auf der Bühne. Innsbrucks ersten Grünen Bürgermeister beschäftigen Themen wie smarte Mobilität, Stadtplanung und Klimawandel. In wenigen Städten ist die Natur so allgegenwärtig wie in der Landeshauptstadt. Die „Hauptstadt der Alpen“ oder „Olympiastadt“ war zwei Mal Austragungsort für Olympische Winterspiele. Auf 575 m Seehöhe gelegen ist sie umgeben von den Alpen, dem Patscherkofel und der Nordkette. Nirgendwo sonst sind sich der urbane Raum und Bergwelt so nah. Direkt neben Congress Innsbruck liegt die Bergbahn mit Zaha-Hadid-Eingang. 30 Minuten dauert die Fahrt zur Nordkette, zum „Top of Innsbruck“ auf 2.256 m, vorbei an der „Seegrube“ auf 1.916 m mit Raum für 200 Personen. Vor der schneebedeckten Station stehen eine Bar und ein Iglu.

„Wir arbeiten hier nur mit Naturschnee, kein Kunstschnee“, betont Quirin Müller, Marketing- Leiter der Hungerburg- und Nordketten-Bahn. „Wir liegen am Naturpark Karwendel, dem ‚Tor zum Karwendel‘, das verpflichtet.“ Beliebt sind Team- Buildings wie Schneeskulpturen bauen oder Iglus. Das sei perfekt für Zusammenarbeit, weil es um die Statik geht. Sein Team ist sehr flexibel und kreativ, wenn es um Events geht, weil die Mitarbeiter unterschiedliche Fähigkeiten mitbringen. Der Leiter Sales etwa ist Feuerwerks- und Sprengmeister. Gemeinsam mit dem Kunden probieren sie gerne Neues aus wie zur Burton-Gedenkfeier zum Tod von Snowboarder Jake Burton oder zum Burton-Montain-Cleanup-Day. „Wir sind sehr dahinter her, Müll zu vermeiden“, sagt Müller. Er sitzt gerade an der Konzeption einer Veranstaltungsreihe: Gipfelgespräche zu Tourismus über die Strategie und Zukunft – offen für die Bürger Innsbrucks.
             
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Congress Innsbruck bietet dem Holzbau-Forum den idealen Rahmen und die passenden Räumlichkeiten.
FOTO: CMI

Auf die 130.000 Einwohner kommen 35.000 Studenten an acht Hochschulen. Die größte ist die Leopold- Franzens-Universität Innsbruck mit 19 Fakultäten und 25.000 Studenten. „Wir sind eine Universitätsstadt“, unterstreicht Christine Stelzer. Um das Kongresswesen strategisch zu verankern und internationale Kongresse einzuwerben, hat die Geschäftsführerin der Innsbruck Information und Reservierung das Innsbruck Convention Bureau ins Leben gerufen und eine Expertengruppe für das Ambassador Programm. Bereits jetzt generieren Veranstaltungen in der Olympiaworld und Congress Messe Innsbruck im Jahr Bruttowertschöpfungseffekte von 380 Mio. Euro und sichern 6.000 Arbeitsplätze. Ein Teilnehmer gibt durchschnittlich pro Veranstaltung 530 Euro aus. Dass sich der Gesamtumsatz im Incoming zwischen 2016 und 2018 erhöht hat, ist so Stelzer größtenteils auf das Meeting- und Kongressgeschäft zurückzuführen. Im Geschäftsjahr 2018/2019 sind laut Innsbruck Tourismus die Ankünfte um 2,5 Prozent auf 1,6 Mio. gestiegen, die Übernachtungen um 2,7 Prozent auf 3,5 Mio.

Das neue Innsbruck Convention Bureau berät und unterstützt Planer bei ihren Events, auf Wunsch als „Full-Service-Partner“ von der Idee bis zur Durchführung. Getagt wird in Innsbruck und der Region im Congress Innsbruck, der Messe Innsbruck und Congress und Congress Igls, alle drei Green Venues. Neue Tagungsmöglichkeiten bietet das Haus der Musik mit einem Großen Saal für 500 Personen. Die Teilnehmer des Holzbau Forum belegten u.a. das Hotel Grauer Bär mit 190 Zimmern, das AC Hotel Innsbruck by Marriott mit 170 Zimmern und das Ramada Hotel mit 150 Zimmern, alle mit Tagungsmöglichkeiten. Alternativen bieten Boutique-Hotels wie „The Stage 12“ oder „Penz“. Für wissenschaftliche Tagungen ab zwei Übernachtungen und 100 Teilnehmern gibt es eine Kongressförderung, und für Tagungen ab zwei Übernachtungen kostenlose Kongresstickets für den Öffentlichen Nahverkehr..
KERSTIN WÜNSCH
                     
www.innsbruck.info
„Durch unser Cluster ‚proHolz Tirol‘ sind wir mit dem Thema Holz auf Nachfrage- und Angebotsseite stark verbunden.“
Christian Mayerhofer,
Geschäftsführer von Congress Messe Innsbruck
Für Wissenschafts-tagungen ab 100 Teilnehmer und zwei Nächte gibt es eine Kongress-förderung.
„Eingebettet in die Bergwelt lässt Innsbruck erkennen, wie man das Urbane mit dem Alpinen verbinden kann.“
Christine Stelzer
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