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RE:PUBLICA ACCRA

Unsere Ch@nce

Afrika ist groß, Afrika ist jung. Subsahara-Afrika wird digital, ein Land wie Ghana wird interessant für Unternehmen und Veranstalter. Die Digitalkonferenz re:publica und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung rufen die re:publica Accra ins Leben.

„T
here is an African saying: The more humid the place is, the later it is“, bemerkt Mark Kamau gelassen, als sich die Eröffnung der re:publica Accra am 14. Dezember 2018 verzögert. Afrika, das sind 55 Länder mit 1,3 Mrd. Einwohnern. Ghana liegt in Westafrika. Tropische 32 Grad bringen die 2.000 Teilnehmer im offenen Pavillon der International Trade Fair aus den 60-ziger Jahren ins Schwitzen. Sie sind aus 30 Ländern angereist wie Äthiopien, Mali, Mosambik, Nigeria, Ruanda, Sambia, Südafrika, Togo oder Deutschland. Kamau ist aus Nairobi in Kenia, der „Silicon Savannah“, und Director of User Experience Design bei „brck“. Seine Firma will Afrika mit dem Internet verbinden, was ihr bereits den Besuch von Mark Zuckerberg einbrachte. „Wir müssen zusammenkommen und die Afrikaner als Gegenüber und nicht als Empfänger westlicher Hilfe ansprechen. Derart können wir hellere Zukunftsperspektiven für Afrika schaffen, erfunden und entworfen von Afrikanern“, ist sich Kamau sicher.


„Wir müssen das Bild von Afrika verändern“, stimmt ihm Andreas Gebhard zu. „Das 21. Jahrhundert ist afrikanisch, und die digitale Gesellschaft ist global. Wir müssen auf Augenhöhe diskutieren.“ Der re:publica-Mitgründer und Geschäftsführer erinnert sich, wie die digitale Community Subsahara die Deutschen bat, nach Afrika zu kommen. Auf die Frage wohin in Afrika, hieß es Daressalam in Tansania und Accra. Die Berliner entscheiden sich für Ghana, vielmehr für William Senyo, CEO von „Impact Hub Accra“, ein Inkubator für Startups, und Ghanas Ministry of Environment, Science, Technology and Innovation (MESTI).

Die Ghanaer reisen nach Deutschland und die Deutschen nach Ghana. „Die Afrikaner sind zur re:publica nach Berlin gekommen und haben einige sehr interessante Perspektiven eingebracht“, erzählt re:publica-Mitgründer Markus Beckedahl. Der Netzaktivist ist wie sein Mitstreiter Gebhard nach Accra gekommen, um zu lernen. „Ghanas Technologie- und Innovationsökosystem wächst und ist sehr lebendig. Daher ist es für uns Europäer wichtig, der afrikanischen, jungen Tech-Gemeinschaft näher zu kommen“, so Gebhard. Beide wissen: Ob in Berlin oder in Accra, die re:publica wird durch Partnerschaften wie mit dem Global Innovation Gathering (GIG) und aus der Community heraus getragen.

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2.000 Teilnehmer kommen zur re:publica Accra in den Pavillon der International Trade Fair Accra.
FOTO: RE:PUBLICA ACCRA, NANA AFRIYIE

Und die ist bereit. Nicht nur die Mitglieder in Ghana legen sich in Zeug. In Nigeria passen die Teams ihre Facebookpages und -profile den Farben der re-:publica Accra mit dem Titel „Next Level“ an. Facebook und WhatsApp sind stark in Afrika und tragen den „Call for Participation“ durch die Netzwerke. Am Ende bestreiten 274 Speakers, in der Mehrheit aus 22 afrikanischen Ländern, das 110-stündige Programm, 123 Freiwillige melden sich als Helfer.

Die deutsch-afrikanische Programmdirektion bestehend aus Geraldine de Bastion und William Senyo sichert die panafrikanische Perspektive durch ihre Kuratoren ab: „Politics and Society“ Nanjira Sambuli, „Arts and Culture“ Ann Modey, „Business and Innovation“ Kudzai M Mubaiwa, „Science and Education“ Jorge Appiah und „Media and Journalism“ Sandister Tei. Die Themensetzung ist wie in Berlin holistisch, die fünf Tracks behandeln sechs Topics: „Access“, „Data“, „Female“, „Future“, „Tech for good“ und „Waste“.

Den Ton gibt in ihrer Eröffnungsrede „What technology can’t fix“ die Kenianerin Nanjala Nyabola an. Die Autorin von „Digital Democracy, Analogue Politics: How the Internet Era is Transforming Politics“ fordert eine kritische Auseinandersetzung mit dem Narrativ Silicon Valley, denn was dort funktioniere, müsse nicht hier funktionieren. Der Livestream überträgt ihre Worte in die Community und in die Welt. Nyabola appelliert an ihre Zuhörer vor Ort: „Fordere dich selbst und besuche mindestens eine Session, die nicht dein Business ist.“ Und an die Europäer: „Wenn ihr mit uns zusammenarbeiten wollt, akzeptiert bitte, dass wir anders sind. Erlaubt uns, euch auch ein oder zwei Dinge beizubringen.“

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Auf Augenhöhe: Markus Beckedahl (2.v.r), re:publica, und William Senyo (r.), Impact Hub Accra.
FOTO: RE:PUBLICA ACCRA, NANA AFRIYIE

Die Open-Space-Architektur der Konferenz und die freundliche Atmosphäre fördern die Offenheit und die Neugier. Drei Bühnen, ein Workshop-Raum, vier Lounges und unzählige Stände – überall wird sich ausgetauscht, wird sich ausprobiert, werden Stühle von links nach rechts gerückt, entstehen ständig neue Räume für Gespräche. Im Panel „Startups Economy – Fairytale or Future?“ plädiert Henri Nyakarundi, CEO & Founder African Renewable Energy Distributor aus Ruanda, für eine Sinnesänderung und Social Entrepreneurship. „Finde technologische Lösungen für Gebiete mit niedrigem Einkommen. Frage dich: Was bringt dein Unternehmen der Gemeinschaft?“

Im „Makerspace” treffen die Teilnehmer auf Innovatoren und Tüftler, erlernen das Löten, 3D-Drucken, Upcycling und Prototyping und informieren sich im „Marketplace“ über Firmen wie „Pixel Corn“, eine IoT-basierte offene Plattform für die Landwirtschaft, oder „BidiiBuild“, eine Plattform zur Erfassung von Baukosten. Andreas Gebhard ist allgegenwärtig und taucht in das geschäftige Treiben ein. „An den Ständen sieht man: Die Leute haben Bock, was zu machen“, freut er sich und fügt hinzu: „Die Community muss das selbst machen. Wir stehen zur Seite und sagen: Traut euch und macht!“

„There is a need to build stronger bonds and bridges between Africa and Europe, noting that it was long overdue for a conference like re:publica to come to Africa, and particularly to Ghana. I am convinced that we really have to strengthen the partnership between Africa and Europe, because the future of Africa is also the future of Europe.“
Christoph Retzlaff, German Ambassador to Ghana


„Allzu oft übersehen Menschen in Europa oder Deutschland das neue Afrika mit all den Talenten und Bestrebungen und junge Menschen mit ihren kreativen Köpfen. Das macht die erste Konferenz von re:publica in Afrika zu einem wichtigen Ereignis“, befindet der deutsche Botschafter in Ghana, Christoph Retzlaff. Er ist unter den Teilnehmern und seine Beobachtung erreicht Berlin. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller bekräftigt: „Afrika ist der Kontinent der Jugend und der Wachstumsmarkt der Zukunft. Mit der Digitalisierung kann Afrika riesige Entwicklungssprünge machen. Auf der re:publica Accra entwickeln wir gemeinsam mit den jungen Afrikanern die Lösungen für Morgen.“

Ohne das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) wäre die re:publica Accra ein Traum geblieben für junge Afrikaner wie Programmkurator Senyo. Eine halbe Million Euro, verlauten die „Buschtrommeln“, soll das BMZ investiert haben. Seit vier Jahren kooperieren das Bundesentwicklungsministerium und die re:publica in Berlin. Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und Impact Hub Accra stellen die Partner in elf Monaten die re:publica Accra auf die Beine. Vier BMZ-Mitarbeiter sind vor Ort und gestalten mit der GIZ am Gemeinschaftsstand ein zweitägiges Programm, darunter Panels wie „HerStory – Insights from Female Leaders“ oder Präsentationen der Initiative „eSkills4Girls“, entstanden im Rahmen der deutschen G20-Präsidentschaft 2017.


Daniel Braun, Referent für Bildung im Bundesentwicklungsministerium, ist in Accra im Dauereinsatz, sei es auf der Bühne, am Stand oder vor der Kamera, denn das mediale Interesse an der re:publica in Afrika ist groß. Entwicklungen wie der zur österreichischen EU-Ratspräsidentschaft einberufene Afrikagipfel „Taking cooperation to the digital age“ am 17. und 18. Dezember 2018 im Austria Center Vienna steigern es noch. 67 Journalisten haben sich in Accra akkreditiert.

Zeitungen wie die Modern Ghana berichten ebenso wie die BBC oder die Tagesschau. Andreas Gebhard verfolgt das genau. „Wir haben alles übertroffen, worauf wir gehofft haben“, resümiert er in der Closing Session. „Für mich ist Afrika das nächste Zentrum der Digitalisierung, und wir müssen über die nächste Ebene nachdenken.“ Dass sich während seiner Worte wieder das WLAN verabschiedet, stört niemanden mehr. Als technische Probleme die Abschlusspräsentation behindern, beginnen die Afrikaner zu singen. Bis in die Nacht tanzen alle.  KERSTIN WÜNSCH
 
https://accra18.re-publica.com/de
3D-Drucker aus Elektroschrott: Wie mit unserem Müll die digitale Revolution in Ghana startet. #republica @republica @rpAccra #rpAccra

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We decided on #Accra not just because it has been called "Africa's capital of cool" by the The New York Times, but also because of #Ghana's progressive visa policies and because all the topics we stand for can be addressed freely. We can't wait! #rpAccra

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