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CONVENTION BUREAUS

Neues Arbeiten

Wie die Teams von Convention Bureaus den Wettbewerb um Veranstaltungen meistern, unterscheidet sich durch die jeweilige Unternehmenskultur. Während die einen auf New Work, Powerpoint-Karaoke und Telefonzellen setzen, suchen andere den Schulterschluss mit den Kernkompetenzen vor Ort.

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anuel Wrobel ruft aus einer Telefonzelle an. Aus einer Telefonzelle? „Ja“, antwortet Manuel Wrobel vom The Hague Convention Bureau lachend, „aber nicht im herkömmlichen Sinne. Wir haben hier eine abgeschlossene Zelle, in der wir ungestört telefonieren können. Wir haben nämlich ein sehr offenes Konzept hier im Büro, zum Beispiel keine festen Arbeitsplätze.“ Die Erzählung des International Sales Managers überrascht, vermutet man derartige Ansätze doch eher bei Startups, aber Wrobel beschreibt eine „New Work“-Atmosphäre im Den Haager Büro. Annehmlichkeiten wie Home-Office- Regelungen, Smartphones und Laptops für das mobile Arbeiten oder ein Tischkicker in der Küche sind dabei eher Nebensache. „Unsere Geschäftsführung hat eine Arbeitsgruppe mit einem festen Budget ausgestattet, die sich dann um die Ausstattung und Gestaltung gekümmert hat“, erläutert Wrobel. Herausgekommen sei ein Konzept, das neben modernen Besprechungsräumen und offener Gestaltung „zufällige Begegnungen“ kreiert. „Wir sitzen hier mit Kollegen vom Marketing Bureau und der Business Agency zusammen und da man eigentlich nie weiß, mit wem man am jeweiligen Arbeitstag am Schreibtisch sitzt, herrscht immer eine gewisse Dynamik und ein Austausch, der den Horizont erweitert“, so Wrobel, für den Details den Unterschied machen.


Selbstverantwortliches Arbeiten, ein familienfreundliches Umfeld und die grundsätzliche Offenheit der Geschäftsführung, neue Wege zu gehen, seien „genau das, was sich unsere Generation wünscht“, schließt der 32-Jährige. Eine offene Unternehmenskultur und eine „grundsätzliche Offenheit“ in Convention Bureaus kann als Türöffner dienen und spiegelt sich schließlich auch in Veranstaltungen wider. In Den Haag zum Beispiel auf der Cyber Security Week – mehrere Konferenzen in der Stadt verteilt – oder zuletzt von 9. bis 12. Februar bei der European Meetings and Events Conference (EMEC) von Meeting Professionals International (MPI). Dort wirkten Mitarbeiter des The Hague Convention Bureau im niederländischen Chapter von MPI an der Gestaltung einer Konferenz mit, die nicht nur „New Work“-Elemente thematisierte, sondern auch – unter anderem mit einem Escape Game oder interdisziplinären Elementen mit Musikern oder Design-Thinking-Experten – neue Wege beschreitet.

New Work ist derzeit ein zugkräftiges Thema. Das zeigen Konferenzen wie die New Work Experience von Xing, die am 7. März 2019 in der Elbphilharmonie Hamburg stattfindet und Diversität, Dialog, Wertschätzung und die Entwicklung individueller Antworten in den Mittelpunkt stellt. Und am 2. Mai 2019 kommen im Palatin Kongresshotel in Wiesloch Führungskräfte und Unternehmer aus dem Rhein-Neckar- Raum beim New Work Summit zusammen.

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Vertreter von Visit Flanders im Rahmen der IMEX 2018: Die Ansätze von Convention Bureaus, ihre Destination zu vermarkten, sind vielfältig.
FOTO: TOERISME VLAANDEREN

WEBLINKS


New Work ist auch beim Stuttgart Convention Bureau ein Thema. „Im Mindset leben und arbeiten wir nach einem festen Wertekonstrukt, wo Freiheit, Flexibilität und Abweichungen von starren Abläufen erlaubt sind“, bestätigt Director Convention Marketing Karina Grützner, die sich an den Strukturen der Gesamtorganisation orientiert. Diese, die Landesmesse Stuttgart, wurde nun vom Magazin Focus mit dem Siegel „Top-Karrierechancen“ ausgezeichnet. „Wir legen viel Wert darauf, unseren Mitarbeitern faire Perspektiven und einen familienfördernden Arbeitsplatz zu bieten. Die Auszeichnung ist ein Beleg dafür, dass wir mit unserer Arbeit wohl richtig liegen müssen. Wir nehmen dieses Siegel nicht nur als Anerkennung für bisherige Entwicklungen, sondern vor allem als Aufforderung, in der eingeschlagenen Richtung weiter zu machen“, sagt Dr. Reinhard Schlossnikel, Bereichsleiter Personal. Das Nachrichtenmagazin hat im Rahmen der Untersuchung verschiedene Karriere-Aspekte bewertet: Entwicklung der Beschäftigtenzahl, Anteil weiblicher Mitarbeiter und Führungskräfte, Talent Management, Aufstiegschancen, Weiterbildungsmöglichkeiten, Zusatzleistungen, gleiche Bezahlung für gleiche Position, Mitarbeiterförderung und Mitarbeitertreue.

Dieser Fokus auf die Mitarbeiter zahlt sich auch im Veranstaltungswesen aus, wie zum Beispiel den Zühlke Days, an denen sich im Oktober 2018 rund 1.000 Mitarbeiter der Schweizer Zühlke Group im ICS Internationales Congresscenter Stuttgart trafen. „Wir haben uns im Vorfeld viele Veranstaltungsorte angeschaut, aber nur in Stuttgart konnten wir unsere Ideen und Konzepte so umsetzen, wie wir uns das vorgestellt hatten“, erklärt Yvonne Müller, die als Project Manager die Zühlke Days betreute. Alle drei Jahre lädt der Innovationsdienstleister seine Mitarbeiter zu einem großen Weiterbildungsevent mit Vorträgen, Workshops und vielen weiteren Formaten ein, damit sie Neuheiten erfahren, sich weiter qualifizieren und mit Kollegen aus aller Welt persönlich vernetzen können. Damit das charmant gelingt, gibt es Programmpunkte wie Powerpoint-Karaoke: Jemand bekommt eine Powerpoint-Präsentation aus einem komplett fremden Fachgebiet auf die Leinwand geworfen und soll die Charts vor dem Auditorium interpretieren. Ein Veranstaltung gewordener Ausdruck der Unternehmenskultur.

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In Magdeburg setzt man auf die Vermittlung außergewöhnlicher Locations wie dem Jahrtausendturm.
FOTO: MAGDEBURG MARKETING

Für selbige hat es die Messe und Congress Centrum Halle Münsterland – Mitglied der Kongressinitiative Münster – ins Finale des ersten Corporate Culture Award im Rahmen des 10. Deutschen Wirtschaftsforums im November in Frankfurt geschafft. „Wandel ist in der heutigen Unternehmenskultur unerlässlich“, so Geschäftsführerin Dr. Ursula Paschke. Drei Jahre lang hat das Messe und Congress Centrum intensiv am internen Kulturprozess gearbeitet und konnte sich schließlich aus einer Konkurrenz von 153 Nominierungen durchsetzen. In der Kategorie „Change“ werden Unternehmen für einen erfolgreichen Kulturwandel ausgezeichnet. Das Messe und Congress Centrum reihte sich ein in die Liste der namhaften Mitfinalisten wie SAP und HSE24. „Wir befinden uns auf Flughöhe mit den ganz Großen“, freut sich Paschke. „All das ist eine großartige Wertschätzung für unseren intensiven Kulturprozess.“

Einen anderen Ansatz, seine Destination zu vermarkten, kann etwa die Anknüpfung an ein bestimmtes Thema oder die enge Zusammenarbeit mit der lokalen Expertise sein. So setzt „Vistflanders“ auf Smart Cities. Dabei steht ein gesamtheitliches Konzept im Vordergrund, das darauf abzielt, die Städte in der flämischen Region mittels intelligenter Technologien effizienter und technologisch fortschrittlicher zu gestalten. Bereits 2017 startete Visitflanders in Zusammenarbeit mit dem Forschungszentrum für Nano- und Mikroelektronik imec in Leuven das auf drei Jahre Laufzeit angesetzte „Smart Flanders“-Programm. Im Rahmen des Projekts unterstützt die flämische Regierung insgesamt 13 Zentren in ihrer Entwicklung zu „intelligenten Städten“ und konzentriert sich auf die Nutzung und Verfügbarkeit von Daten. Den Startschuss gab die Hafenstadt Antwerpen mit ihrem Projekt „City of Things“. Der flämische Vermarktungsverbund erhofft sich verschiedene Veranstaltungen zum Thema. Interessierte Verbände haben die Gelegenheit, sich im Mai 2019 während der von imec organisierten ITF-Konferenz vor Ort in Leuven selbst einen Eindruck zu verschaffen und sich auszutauschen. Darüber hinaus werden Führungen für Veranstaltungsplaner durch das Smart City-Forschungszentrum angeboten und Workshops zum Thema durchgeführt.

TAGUNGSREGION SH

Die Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TA.SH) baut ihr Marketing für 2019 aus. Die TA.SH stärkt das Auslandsmarketing primär in den Märkten Dänemark, Schweiz und Österreich. Um Schleswig-Holstein als Kongress- und Tagungsregion mit maritimem Flair zu stärken, wird es ab 2019 eine eigene Website www.sh-convention.de inkl. „Venue Finder“ geben. Zudem wird sich Schleswig-Holstein erstmalig im Frühjahr mit einem Stand auf der IMEX präsentieren. www.sh-business.de



Auch in Düsseldorf hat man die Verbände im Blick: „Verbände sorgen für mehr als die Hälfte der Non- Profit-Veranstaltungen und besitzen einen Gesamtanteil von 13,3 Prozent an den Veranstaltungen in Düsseldorf. Verbands-Events haben meist hohe Teilnehmerzahlen und deshalb sind Verbände sehr attraktive Veranstalter. Dieses Potenzial wollen wir noch stärker heben und bemühen uns deshalb intensiv um Verbände als Zielgruppe“, sagt Christian Ortlepp, Director von Düsseldorf Convention.

Wie in Düsseldorf oder in der flämischen Region sind auch in Magdeburg Verbände ein wichtiger Faktor. Die Ottostadt als Destination zu vermarkten, ist die Aufgabe von Thomas Zomack. „Wir gehen immer aktiv auf Verbände zu, um sie von unserer Stadt zu überzeugen“, erklärt der Abteilungsleiter Kongressbüro bei Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus. „Für uns – wie für andere mittelgroße Städte auch – ist es aber eine Herausforderung, überhaupt wahrgenommen zu werden. Damit das gelingt, müssen wir unsere Besonderheiten herausstellen“, so Zomack. Neben der Beratung, die in mittleren Städten nun mal intensiver sei – „ganz einfach, weil nicht so viele Veranstaltungen stattfinden wie beispielsweise in Berlin oder in Hamburg“ – seien das vor allem außergewöhnliche Locations. Zomack zählt unter anderem die Festung Mark auf, eine ehemalige preußische Festungsanlage aus dem 19. Jahrhundert, die Johanniskirche oder der Jahrtausendturm, das Wahrzeichen des Elbauenparks. Im Inneren des 60 m hohen Jahrtausendturms befindet sich auf fünf Ebenen eine Ausstellung mit interaktiven Exponaten über 6.000 Jahre Geschichte der Wissenschaften und Technik. „Es ist feststellbar, dass besondere Veranstaltungsorte immer häufiger gezielt angefragt werden. Der Trend geht eindeutig weg von der Beliebigkeit.“ Eine weiteres Benefit sei der Fokus auf Nachhaltigkeit: „Die Lebensqualität in der zweitgrünsten Stadt Deutschlands“ sei mehr als nur ein Pluspunkt. „Magdeburgs Grün wurde bereits mehrfach ausgezeichnet: Im Jahr 2002 erhielt unsere Stadt im Rahmen des Wettbewerbs ,Entente Florale - Unsere Stadt blüht auf‘ des Deutschen Städtetages und Partnern die Goldmedaille und seitdem jedes Jahr eine Silbermedaille“, schließt Zomack.


In Kassel nimmt die Bedeutung von IT als Veranstaltungsmotor stetig zu. Andreas Bilo, Geschäftsführer von Kassel Marketing, berichtet: „Sei es der Omni-Channel-Day von plentymarkets, TecCon, die Tagung Informatik oder die IT-Konferenz für den technischen Großhandel – die Tagungsdestination Kassel bietet optimale Bedingungen für IT-intensive Veranstaltungen aller Art.“ Und im November hat Regionalmanagement Nordhessen gemeinsam mit dem Verein IT-Netzwerk eine neue IT-Kooperationsplattform aus der Taufe gehoben, um den IT-Mittelstand zu stärken. Holger Schach, Geschäftsführer des Regionalmanagement: „IT und Digitalisierung sind Megatrends, die in der Region Nordhessen aktiv mitgestaltet werden. Mit rund 1.000 Unternehmen und einer Milliarde (Euro) Jahresumsatz sind wir in diesem Bereich hervorragend aufgestellt.“

IT und Digitalisierung und damit einhergehend Innovation haben in Den Haag nicht nur durch die „New Work“-Atmosphäre im Convention Bureau einen Platz. Am 4. und 5. Juni 2019 wird der Global Entrepreneurship Summit (GES) in Den Haag veranstaltet. Dabei treffen rund 2.000 Unternehmer, Startups und Investoren aufeinander – ein ähnliches Prinzip wie beim Web Summit in Lissabon. Ob der Vertrag mündlich über eine Telefonzelle abgeschlossen wurde, ist aber nicht bekannt.  CHRISTIAN FUNK
 

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