„Die Teilnehmer sind für uns das Nonplusultra“ Image 1

INTERVIEW

„Die Teilnehmer sind für uns das Nonplusultra“

Felix Rundel, Head of Programmes and International Development, Falling Walls Foundation, über die nächsten fallenden Mauern, Participant Experience Design und seinen Vortrag im ITB MICE Forum und inspirierende Business-Meetings an der Bar.

tw: 20 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer wurde am 9. November 2009 die internationale Falling Walls Conference ins Leben gerufen. Seither treffen sich Leaders aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik, Kunst und Gesellschaft zu der einen Frage: Which walls will fall next? Was glauben Sie, welche Mauern werden 2019 fallen?
Felix Rundel: Wir sehen, dass in 2019 weiter Mauern zwischen unterschiedlichen Entwicklungsfeldern fallen werden, etwas das den technologischen Fortschritt massiv ankurbeln wird. Beispiele sind der Durchbruch hin zur personalisierten Medizin mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz, der Einsatz von synthetischer Biologie für die Gewinnung neuer Biokraftstoffe oder die Entwicklung von Nanosonden für die Erkundung benachbarter Sternensysteme. Es macht Sinn, einen breiten, interdisziplinären Blick zu haben.

Zur 10. Falling Walls Conference 2018 ging es um Trauma- und Korallenforschung oder die Mensch- Roboter-Interaktion. Wie finden und kuratieren Sie die Themen?
Wissenschaftliche Durchbrüche und große globale Herausforderungen sind unser Fokus. Wir versuchen für die Falling Walls Conference jedes Jahr, Themen zusammenzustellen, die die Brücke schlagen zwischen den relevantesten gegenwärtigen Entwicklungen in Wissenschaft, Technologie, Politik und Kultur. Die Wissenschaftler und Vordenker, die wir als Referenten einladen, berichten von der Speerspitze dieser Entwicklungen und zeigen deren Folgen für die Menschheit auf. Beim Kuratieren achten wir darauf, dass die Inhalte nicht nur laienverständlich vermittelt werden, sondern auch so inspirierend, dass die Teilnehmer miteinander ins Gespräch und bestenfalls ins Handeln kommen. Da spielen kreative Momente wie zum Beispiel thematisch verknüpftes Essen in den Pausen eine wichtige Rolle.

„Die Teilnehmer sind für uns das Nonplusultra“ Image 2
FOTO: STEFF BERGER
  

ZUR PERSON

Felix Rundel ist Programmleiter der Falling Walls Conference. Er verantwortet die Inhalte und Themen der Wissenschaftstagung sowie die Neu- und Weiterentwicklung der weltweiten Programme im Rahmen der Falling Walls Foundation. Rundel berät Partnerunternehmen in der Konzeption und Ausgestaltung strategischer Veranstaltungen. Seine Hauptinteressen sind interdisziplinäre Dialogprozesse, Meeting Design, Community Building und die Spannungsfelder zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. https://falling-walls.com

Falling Walls lebt vom interdisziplinären Austausch. Wie gelingt dieser?
Wir fragen uns: Wer sind unsere rund 800 Teilnehmer und wie können wir viel Mehrwert für sie schaffen? Zunächst einmal ist unsere Community sehr gemischt, unsere Gäste kommen aus allen wissenschaftlichen Disziplinen. Der Austausch gelingt bei Falling Walls dadurch, dass alle in einem Boot sitzen, wenn es darum geht, weltweit Silos abzubauen und durch Kooperation nachhaltigen Fortschritt voranzutreiben. Bei unseren Konferenzen versuchen wir eine Atmosphäre zu schaffen, in der jeder mit jedem auf Augenhöhe und ohne Hemmungen in Kontakt treten kann. Außerdem bieten wir Gelegenheiten für den gezielten Austausch zu Themen: Braindates zum Beispiel sind 1:1 Meetings, die dem Peer-Learning dienen. Intensive Gespräche in Kleingruppen finden in den Breakout-Sessions auf unserem Konferenzschiff statt.

Stichwort Community Building: Was ist wichtiger, die richtigen Teilnehmer oder die richtigen Themen?
Die Teilnehmer sind für uns das Nonplusultra. Sie sind es, die die relevanten Themen mitbringen. Genauso wichtig ist das übergreifende Thema, das Sinn und Zweck der Veranstaltung für die Community definiert – also neudeutsch der „Purpose“, der Wirkungsanspruch, das „Why“? Unter diesem gemeinsamen Dach treten die richtigen Teilnehmer miteinander in Verbindung. All diese Fragen nach der kollektiven Identität von Konferenzteilnehmern, nach Veranstaltungs-Tribes, werden im Augenblick viel diskutiert. Unter dem Dach von Falling Walls finden neben der Conference aber auch viele weitere Programme und Veranstaltungsformate statt, zu fast allen kann man sich als Teilnehmer ein Ticket kaufen – da haben wir diverse Kategorien, ein Young Academic Ticket zum Beispiel.



Für die Falling Walls Conference gehen Sie in das Radialsystem V in Berlin. Wieso?
Das Radialsystem V steht auf dem ehemaligen Mauerstreifen, der Berlin in Ost und West teilte. Was den historischen Bezug angeht, gibt es wohl für uns keinen Veranstaltungsort, der sich besser eignen könnte. Über die zehn Jahre hinweg, in denen wir hier zu Gast sein dürfen, haben wir unsere Konferenz für die Location optimiert – und das Team im Radialsystem tut alles, um perfekt für Falling Walls aufgestellt zu sein. Die Kollegen kommen aus dem Kulturbereich. Sie teilen unsere Freude an kreativen Inszenierungen und machen auch Dinge möglich, wo andere nur den Kopf schütteln würden.

Auf dem ITB MICE Forum 2019 werden Sie am 6. März in Berlin über „Participant Experience Design – Wie schaffen wir Meetings, die Menschen tiefer bewegen?“ sprechen. Was verstehen Sie unter Participant Experience Design?
Was mich an den Meistern des Meeting Design wie Maarten Vanneste immer fasziniert hat, ist wie tief sie die Psychologie der Teilnehmer im Blick haben und beeinflussen können. Participant Experience Design ist eine Ableitung davon. Unsere Branche verändert sich momentan so schnell, dass wir alle konstant in der Rolle der Lernenden sind. Participant Experience Design ist die Kombination aus der eigenen Praxis als Konferenzplaner mit der Meeting Design Methodik. Der Fokus liegt darauf, Experiences, also Erlebnisse zu schaffen, die inhaltlich und atmosphärisch auf die Kernziele einzahlen. Da sich alles um die Nutzer dreht, setzt die Methode eine gute Kenntnis über deren Mindsets und Bedürfnisse voraus. Im Planungsprozess „zoomt“ man von den strategischen Fragen zum Wirkungsanspruch über die Ziele bis hin zu den Funktionalitäten und Atmosphären immer tiefer in die Veranstaltung hinein.


Und warum ist es so wichtig, die Menschen auf Veranstaltungen tiefer zu bewegen?
Thema des ITB MICE Forum 2019 ist der Faktor Mensch – genau zur richtigen Zeit. Wir diskutieren viel über Digitalisierung und deren Auswirkungen auf die Veranstaltungsbranche, kommen aber glücklicherweise immer wieder darauf, dass die physische Begegnung von Mensch zu Mensch, das überraschende Kennenlernen zweier Fremder und das geteilte emotionale Erlebnisse durch nichts zu ersetzen sind. Gleichzeitig herrscht bei Teilnehmern, Auftraggebern und Planern von Veranstaltungen viel Frustration über den Status Quo: Stundenlange Grußworte, zäh dahin fließende Panels, liebloses Catering – all das definiert die alte Veranstaltungswelt, für die heute niemand mehr gerne Zeit und Geld investieren möchte.

Was hat Sie denn persönlich zuletzt auf einer Konferenz tief bewegt?
Ich bin der Typ Teilnehmer, der alle Keynotes verpasst, weil er ständig in 1:1-Gesprächen ist. Am meisten bewegen mich die persönlichen Begegnungen und die Auseinandersetzung mit völlig neuen Ideen. Wenn so ein 30-minütiges Braindate in der richtigen Atmosphäre stattfindet, können daraus große Dinge erwachsen – langjährige Kooperationen oder sogar Freundschaften. Ein beeindruckendes Erlebnis dieser Art hatte ich gerade wieder auf der PCMA Convening Leaders in Pittsburgh mit kanadischen Kollegen. Ein extrem inspirierendes Business Meeting wurde abends an der Hotelbar weitergeführt – der Barkeeper musste uns am Ende rauswerfen.  KERSTIN WÜNSCH
 
„Unsere Branche verändert sich momentan so schnell, dass wir alle konstant in der Rolle der Lernenden sind.“
Felix Rundel, Falling Walls Foundation
Datenschutz