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DIGITALISIERUNG

Das afrikanische Jahrhundert?

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ch schreibe Ihnen heute aus Accra, Ghana. Das westafrikanische Land liegt zwischen Togo und der Elfenbeinküste am Golf von Guinea. Es gilt als Tor zu Afrika wegen seiner politischen Stabilität und vergleichsweise guten Infrastruktur. Im letzten Dezember haben wir hier erstmals eine re:publica veranstaltet, die re:publica Accra – und das mit großem Erfolg. Über 2.000 Besucher aus über 30 Ländern kamen, auf unseren „Call for Participation“ folgten mehr als 250 Beiträge.

Dieses tolle Ergebnis ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. Zunächst einmal auf das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), das die re:publica Accra finanziell unterstützte und uns mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) einen starken Partner zur Seite stellte. Mit dem Impact Hub Accra hatten wir einen lokal bestens vernetzten Akteur im Team. Möglich wurde die re:publica in Accra aber letztlich durch unsere langjährige Partnerschaft mit dem GIG (Global Innovation Gathering). Seit mehr als fünf Jahren veranstalteten wir gemeinsam auf der re:publica in Berlin Subkonferenzen, Maker Spaces und Workshops mit Partnern aus Afrika. Dieses panafrikanische Netzwerk führte zu unserer starken Verankerung in diesem Teil der Welt.

Jetzt fragen Sie sich sicher: Was soll das? Ist Afrika nicht der Kontinent mit der größten Armut? Wie kann man dort Geld verdienen und überhaupt: Ist das nicht nur eine Art Entwicklungshilfe? Die Antworten darauf sind vielfältig. Wir sind in den vielen Jahren der Zusammenarbeit mit unseren Partnern vor Ort immer auf Augenhöhe gewesen. Die digitale Gesellschaft ist eine globale. Es macht keinen Unterschied, ob man in Ghana, Deutschland oder Ungarn sitzt. Wir befinden uns in einer Phase, in der die globale digitale Gesellschaft geformt wird. Die Veränderungen der Digitalisierung werden schneller von jüngeren Menschen aufgenommen und in ihren Lebensalltag adaptiert. Hier kommt der zentrale Punkt: Die Gesellschaften in Afrika sind extrem jung. Das Durchschnittsalter liegt in Ghana bei Mitte 20, in Deutschland liegt es bei Mitte 40!

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FOTO: RE:PUBLICA ACCRA, NANA AFRIYIE
Andreas Gebhard (r.) ist Geschäftsführer und Mitgründer der re:publica in Berlin, mit über 10.000 Teilnehmern Deutschlands größte Konferenz für die digitale Gesellschaft. Als Kolumnist der tw tagungswirtschaft berichtet er aus seiner Sicht als Veranstalter.

Das wirkt sich auf die Rolle dieser jüngeren Länder in der digitalen Gesellschaft aus! Die „entwickelte Welt“ droht bald den Anschluss zu verlieren, denn die Ausbildungsmöglichkeiten via Internet führen heute schon dazu, dass einige digitale Innovationen wie im Online-Payment aus Afrika kommen. Wenn wir uns die Außenhandelsbilanz zwischen Ghana und Deutschland anschauen, sehen wir wie unterentwickelt die Zusammenarbeit bislang ist. Für nur knapp 250 Mio. Euro wurden 2017 Waren aus Deutschland nach Ghana ausgeführt, umgekehrt waren es rund 220 Mio. Euro. Als ich das schreibe, bin ich in Ghana und nehme am dritten German African Business Summit (GABS) teil, die größte Veranstaltung über wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Afrika.

Ich hoffe, wir können mit der re:publica dazu beitragen, dass in die Zusammenarbeit massiv intensiviert wird. Wir alle können davon nur profitieren. Es scheint mir an der Zeit, dass wir alle unsere Veranstaltungen afrikanischer denken. Die re:publica ist schon in der Planung des nächsten Events in der Region im Jahr 2020. Vielleicht sind Sie ja dabei? ANDREAS GEBHARD
 
„Die ‚entwickelte Welt‘ droht bald den Anschluss zu verlieren.“
Andreas Gebhard, CEO und Mitgründer re:publica
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