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BUSINESS TRAVELERINNEN

Anders unterwegs

Frauen auf Geschäftsreise: Jeder dritte Business-Trip wird mittlerweile von Frauen unternommen. Ihre Bedürfnisse und Wünsche unterscheiden sich von denen der Männer – werden aber oft noch zu wenig beachtet.

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ehr als jede dritte Geschäftsreise in Deutschland wird einer Umfrage von Certified, VDR und Sekretärinnen-Verband BSB zufolge mittlerweile von Frauen unternommen. Im Vergleich zu den Vorjahren bedeutet dies einen kräftigen Anstieg. So schätzten Experten noch vor fünf Jahren den Frauenanteil an den Dienstfahrten in Deutschland auf 19%, während er in Skandinavien damals schon 40% und in Frankreich 35% betragen hatte. Der Trend ist klar: In beruflicher Hinsicht reisen Frauen heute mehr denn je.

Studien ergeben, dass Frauen anders unterwegs sind als ihre männlichen Kollegen. Im Hotelsegment etwa übernachten sie am liebsten in Boutique-Häusern, während Männer die großen Ketten bevorzugen (Umfrage Wanup).

Differenzen gibt es auch bei der Mobilität. Während das weibliche Geschlecht immer häufiger Carsharing als Alternative zum Taxi nutzt, stehen laut einer Umfrage des Deutschen Reiseverbands die Männer auf klassische Mietwagen. So greift inzwischen die Hälfte der weiblichen Führungskräfte gern auf Anbieter wie Car2go, Drive Now & Co zu – bei ihren männlichen Kollegen ist dies nur ein Drittel. Und weitaus häufiger steigen Frauen für kürzere Fahrten auch schon mal aufs Leihfahrrad, um einen Geschäftstermin zu erreichen (27% der weiblichen und 17% der männlichen Führungskräfte). Die übergroße Mehrheit der Männer würde mit 83% in puncto Anschlussmobilität immer den Mietwagen oder das Taxi präferieren.

„Die Botschaft an die Leistungsträger ist, die Angebotslücke zu schließen und die Wünsche der weiblichen Zielgruppe zu erfüllen“, sagt Inge Pirner, Mitglied im VDR-Präsidium und Leiterin des VDR-Hotelausschusses. „Gerade in puncto Sicherheit haben Frauen andere Bedürfnisse, da sie anderen Gefahrenpotenzialen als Männer ausgesetzt sind.“ Nicht zuletzt sind allein reisende Geschäftsfrauen in der Regel eine lukrative Klientel – eine, die bereits ist, für guten Service zu zahlen. Wie Unterkünfte punkten können, ermittelte die Umfrage von Certified, VDR und BSB. Im Fokus steht die Sicherheit, besonders bei Häusern im Ausland. Hilfreich sind Türspione, Sicherheitsschlösser oder Türstopper. Auch sollten nicht Räume im Erdgeschoss oder im 1. Stock an Frauen vergeben werden, wo häufiger eingebrochen wird. Einige Hotels bieten „woman-friendly rooms“ an, meist ganze Etagen exklusiv für Business-Frauen. Zu den Vorreitern gehören die Leonardo Hotels.

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Apropos Lounges: Trotz Berechtigung nutzt jede zweite Business-Frau diese Räume nicht.
ILLUSTRATION: FOTOLIA.COM, ALENA

Dabei geht es nicht allein um Sicherheit, sondern auch um die Atmosphäre: In diesen Zimmern finden sich u.a. weichere Kissen, mehr Decken, leichtere Gerichte auf der Zimmerservice-Karte, ein tragbarer Kosmetikspiegel und leistungsstarke Föns. Dabei kommt es bei den weiblichen Reisenden immer gut an, vom selben Geschlecht betreut zu werden. Inzwischen suchen manche Unterkünfte ihre Nische auch als reine „Frauenhotels“. Das erste seiner Art in Deutschland – das „Hanseatin“ – wurde 1995 in Hamburg eröffnet. Auch für Mallorca ist ein reines Frauenhotel geplant: Im April 2019 soll das Hotel Som im Küstenort Proto Cristo eröffnen.

Wichtiger als Männern ist Frauen eine gute Zimmerbeleuchtung. Bei der Umfrage von Certified, VDR und BSB nannten 81% der Befragten diesen Aspekt. Wichtig sind zudem ein separater Arbeitsplatz, das geben 63% an, und ein hoher Verwöhnfaktor. Fast 50% der Frauen wünschen sich einen bequemen Sessel im Zimmer, frisches Obst ist für 62% wichtig. 60% fänden es klasse, wenn sie auf ihren Zimmern Tipps für Einkaufen und Kulturerlebnisse fänden.

Auf Flügen empfinden viele Frauen Männer auf dem Nebensitz als unangenehm. Während in Europa oder Amerika vor allem jener Männertyp als störend empfunden wird, der sich besonders viel Platz herausnimmt und ganz selbstverständlich die gemeinsame Armlehne für sich beansprucht, lauern anderswo wirkliche Gefahren.

So gilt Indien als eines der gefährlichsten Länder für allein reisende Frauen. Zuletzt gab es immer wieder Berichte über sexuelle Übergriffe an Bord. Indiens Regierung ruft ausländische Frauen deshalb dazu auf, keine Röcke zu tragen. Und die Inlandsfluggesellschaft Vistara sorgt sogar selbst dafür, dass Frauen sich nicht mehr zwischen zwei Männern sitzen müssen. Sie weist ihnen einen Gang- oder Fensterplatz zu.

An Bord wünschen sich Frauen gesünderes Essen: Die klassischen Erdnüsse, Schokoriegel oder Sandwiches sind weniger beliebt, kleine Salate, fettfreie Joghurts oder auch Rohkost-Sticks bevorzugt. Anders als Männer behaupten viele Frauen nicht nur, dass sie unterwegs arbeiten wollen – sie tun es auch. Sie wünschen sich daher mehr Steckdosen an Bord und kostenfreies Internet. Gut fänden sie, wenn ihnen beim Gepäcktransport geholfen würde. Dafür würden sie auch bezahlen. Sowohl im Flieger als auch in den Lounges wünschen sie sich mehr Ablageplatz für Taschen und Mäntel.

DARAUF SOLLTEN ALLEINREISENDE ACHTEN:

1 Hotelbuchung: Das zentral gelegene, größere Hotel ist meist die bessere Wahl als das möglicherweise günstigere, kleine Haus am Stadtrand. In kritischen Ländern sollten sich Reisende oder das Travel Management Informationen über den Sicherheitsstandard des Hotels einholen. Türspione und Sicherheitsschlösser sollten ebenso vorhanden sein wie klare Beschreibungen für den Notfall und funktionierende Telefone. Die Rezeption muss einen Überblick darüber haben, wer im Haus ein- und ausgeht. Zimmer im Erdgeschoss oder im 1. Stock, in die leichter eingebrochen wird, gilt es zu meiden. Hotelbuchungen am besten ohne den vollen Vornamen tätigen, um nicht zu zeigen, dass man als Frau allein unterwegs ist.

2 Vor Ort: Beim Einchecken geben Frauen idealerweise die Firmenanschrift an statt ihrer Privatadresse. Am besten ist es, man lässt sich vom Pagen aufs Zimmer begleiten und macht, bevor dieser das Zimmer verlässt, zunächst einen kurzen Rundgang („15-Sekunden-Check“). Telefon testen, sich die Notausgänge einprägen und Türstopper nutzen.

3 Verkehrsmittel: Wer im Ausland mit dem Auto unterwegs ist, sollte nur an gut beleuchteten, belebten Plätzen halten. Die Türen sollten von innen verriegelt werden. Statt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen ist es besser, sich für ein zertifiziertes Taxi zu entscheiden. Auch sollte man nicht neben dem Fahrer Platz nehmen: Das wird in manchen Kulturen missverstanden. In bestimmten Ländern ist die Fahrt vom Flughafen bis zum Zielort mit einem autorisierten Taxi anzuraten. Mancherorts gibt es spezielle Chauffeurdienste nur für Frauen (zum Beispiel „Pink Ladies“).

4 Allgemein: Adressanhänger am Gepäck mit der Firmen- nicht der Privatadresse ausfüllen und nur mit abgekürztem Vornamen. Einen Ehering auch dann tragen, wenn man nicht verheiratet ist – das schützt vor Anmache. Von selbst verbietet es sich zu erwähnen, dass man allein reist. In Restaurants oder Bars sollte man sein Glas im Blick behalten und von Fremden keine Getränke annehmen. Teure Uhren und Schmuck sollte man zu Hause lassen; Handtasche und wichtige Unterlagen gehören eng am Körper getragen.
OLIVER GRAUE 



Apropos Lounges: Trotz Berechtigung nutzt jede zweite Business-Frau diese Räume nicht. Als Grund nennen sie einer A.-T.-Kearney-Studie zufolge schlechte Luft, zu fettiges Essen und lautstarke Dauertelefonierer. Ihren Bedürfnissen würden ruhigere und größere Lounges entgegenkommen. Alternativ würden sie den Zugang zu Fitness- oder Wellness- Bereichen im Flughafen bevorzugen.

Frauenparkplätze, die sich per Shuttle-Service erreichen lassen, bieten heute viele Flughäfen. Der Frankfurter Flughafen etwa verfügt über exklusiv für Frauen reservierte Parkreihen nah an den beiden Terminals (Ladies Parking). In der Bahn gibt es zwar Kleinkinderabteile, Familien- und handyfreie Ruhezonen – doch Frauenabteile sind bei Zügen in Deutschland noch eine Seltenheit. Eine Ausnahme macht die Mitteldeutsche Regiobahn. Auf der Linie RE6 zwischen Leipzig und Chemnitz hat die Regiobahn vor gut zwei Jahren derartige Abteile eingerichtet. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste zu stärken.

„Typisch männlich“ scheinen die Bonusprogramme zu sein. Jedenfalls äußerten die Frauen in den Umfragen ein deutlich geringeres Interesse an solchen Karten als Männer. Der Kearney-Studie zufolge ist das weibliche Geschlecht „weniger statusbedacht und stärker am konkreten Nutzen interessiert“ als am reinen Punktesammeln. Denkbar seien für sie zum Beispiel „die standardmäßige Nutzung der Fast Lane vor der Sicherheitskontrolle oder von Kosmetik-, Pediküre- oder Manikürediensten an den Airports“.

Am unangenehmsten ist es für die meisten Frauen, allein im Restaurant zu essen, erst recht abends. Mittlerweile vernetzen und verabreden sich Business- Frauen auf Plattformen wie „Maiden Voyage“ mit 7.000 Mitgliedern in 70 Ländern. Schon vor Beginn einer Reise können die Mitglieder bei der jeweiligen Botschafterin nach sicheren Gegenden fürs Einkaufen oder fürs Essengehen fragen. „Wir wollen, dass die Frauen rauskommen aus ihren Hotelzimmern und die Stadt erkunden, statt sich einzuschließen und nur zu ihrem geschäftlichen Termin rausgehen“, sagt Gründerin Carolyn Pearson. So lässt sich in dem Portal auch nach Frauen suchen, die zur selben Zeit am selben Ort sind.  OLIVER GRAUE

Frauen empfinden jenen Männertyp als störend, der sich besonders viel Platz herausnimmt.
In Fliegern und Lounges wünschen Frauen sich mehr Ablageplatz für Taschen und Mäntel.

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