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EASD 2017 IN LISSABON

Völlig gelassen

Die Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD 2017) zieht über 18.000 Besucher an. Trotz des Andrangs und steigenden Sicherheitsanforderungen zeigen sich die Organisatoren während der Konferenz tiefenenspannt. Allen voran Professor Luiz Gardete-Correia.

E
s sind 28 Grad in Lissabon, es weht kein Wind. Die Sonne brennt ungewöhnlich heiß für Mitte September, so dass die klimatisierten Veranstaltungsräume die rund 18.000 Besucher der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD 2017)


förmlich anziehen. Es eignen sich nicht viele Veranstaltungsgelände in Europa für eine derart große Konferenz. Auf dem Messegelände der Feira International de Lisboa (FIL) und in der dazugehörigen MEO Arena ist diese Größenordnung kein Problem. Das weiß der Verband der Diabetes-Forscher zu schätzen und richtet seine Jahreskonferenz nach 1989 und 2011 am 13. und 14. September 2017 zum dritten Mal in Portugals Hauptstadt aus. Was sofort ins Auge sticht: Die berufliche Konfrontation mit Diabetes und Ernährung scheint die Delegierten zu beeinflussen. Denn es sind auffallend viele schlanke und sportliche Personen zu sehen. Fast wie auf einer Fitnessmesse. Jetzt um die Mittagszeit verlassen die Delegierten die kühlen Räume, um sich eines der ausschließlich mit gesunden Lebensmitteln gefüllten Lunchpakete zu sichern.

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Professor Luiz Gardete-Correia, Chairman des Local Organising Committee der EASD 2017, eröffnet die Konferenz.
FOTO: EASD

Die Erscheinung von Professor Luiz Gardete-Correia passt in dieser Szenerie nicht so recht ins Bild. Der leicht untersetzte Mann wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie der gutmütige, in sich ruhende, gemütliche Onkel. Er lässt sich vom Trubel um ihn herum am Eingang der Halle 1 des Messegeländes nicht beeinflussen. Gefühlt jeder zehnte Delegierte grüßt ihn oder ruft ihm etwas zu – Gardete-Correia, höflich lächelnd, erwidert die Grüße nickend mit bewundernswerter Gelassenheit. Alexandra Baltazar, Managerin des Lisboa Convention Bureau, bezeichnet ihn liebevoll als „Rockstar der Konferenz“ und das nicht ohne Grund Professor Gardete-Correia ist eine Koryphäe auf dem Gebiet der Diabetesforschung. Er ist Vice President der Internationalen Diabetes- Föderation (IDF) und war zwischen 2008 und 2017 Präsident der Associacao Protectora dos Diabeticos de Portugal (APDP), die 2009 von der IDF für ihre Bildung von Kapazitäten und die Förderung von Diabetes-Aufklärung und -Behandlung als erstes Aufklärungszentrum auserkoren wurde. Innerhalb dieser IDF-Zentren werden Initiativen gefördert, die darauf abzielen, Kapazitäten auf regionaler Ebene aufzubauen, um der Diabetes-Epidemie durch kooperative Partnerschaften mit anderen Zentren für chronische Krankheiten entgegenzuwirken. Zudem war er Präsident der Portuguese Society of Diabetology und Koordinator der ersten Portuguese Diabetes Prevalence Study – PREVADIAB. Nebenbei ist er Chairman des Local Organising Committee für die EASD 2017.

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Die Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes verzeichnet 18.000 Besucher.
FOTO: EASD

Dass Lissabon den Bid wiederholt für sich entscheiden konnte, sei auch Correias Netzwerk zu verdanken, ist sich Alexandra Baltazar sicher. Das Verhältnis sei „hervorragend“. „Unser Board hat ein sehr gutes Verhältnis zu Lissabon und den Vertretern der verschiedenen für uns wichtigen Institutionen“, bescheinigt Gardete-Correia. „Das Convention Bureau hat uns beispielsweise mit der lokalen DMC (Destination Management Company) Top Atlantico oder dem PCO (Professional Congress Organizer) Interplan in Verbindung gebracht.“ Diese Unterstützung sei gar nicht hoch genug zu bewerten. „Bei einer derart großen Veranstaltung müssen die Hotelzimmer vier Jahre im Voraus gebucht werden. Darüber hinaus fällt die Planung der ganzen Logistik und des Transports an… bei der Zusammenarbeit müssen wir uns auf die Profis auf diesen Gebieten verlassen können. Und das können wir, deswegen sind wir wieder hier“, sagt Gardete-Correia lachend, der selbst in Lissabon lebt. Ein Kongress-Botschafter der Stadt sozusagen.

Dass er während der Konferenz so gelassen wirkt, ist erstaunlich, denn die Rahmenbedingungen sind erschwert: „Sicherheit ist ein ganz entscheidendes Thema dieses Jahr“, bestätigt er und bezieht sich auf Terroranschläge in Barcelona oder Paris. „Wir mussten mit wesentlich mehr Sicherheitskräften arbeiten als gewöhnlich. Polizei außerhalb des Geländes und weiträumige Absperrungen sind inzwischen leider notwendig. Die Anforderungen haben sich gewandelt.“ Er deutet im Vorbeigehen auf einen bewaffneten Polizeibeamten. „Wissen Sie, das sind Bilder, die mir gar nicht gefallen. Allein, wir müssen damit leben“, sagt er, zuckt mit den Schultern und geht weiter, um Mittag zu essen.

A CITY IN TRANSFORMATION

FOTO: COMMONS WIKIPEDIA
FOTO: COMMONS WIKIPEDIA



The meeting destination Lisbon is on the upswing. “The Expo 1998 was something of a kick-start”, said Ana Mendes, Sales Representative of the Lisboa Convention Bureau (CVB). “And we've been consistently progressing as meeting destination since then.” The fact that Portugal's capital was less affected by the euro crisis than the rest of the country is based on that region's economic strength, according to Mendes. As host of the annual Web Summit (a startup convention with more than 30,000 visitors), the city is also in the focus of many young and agile businesses, which encourage the startup scene and consequently also growth in a variety of industries, said Alexandra Baltazar, GM of the 
Lisboa
 CVB. Things are looking up in Portugal. The general set-up has been consistently improved: “The public transport system has been considerably expanded in the past years, and we've invested intensively into our meeting infrastructure.” She presented several new venues, such as the Convento do Beato dating from 1580. The former monastery has been renovated over the past years; its largest hall has a maximum capacity of 1,500 persons. This venue was mostly recently used for a TV panel discussion featuring the candidates of the mayoral elections this year. Then there's the Pavilhão Carlos Lopes, Portugal's original pavilion at the Expo 1922 in Rio, Brazil. The building was shipped back to Lisbon in 1929, it was re-erected (including the wall tiles!) and since then has been used for diverse purposes. The structure was extensively renovated in 2015 and has been open for events since 2017. The Sud Lisboa directly on the banks of the Tejo River has a different but no less exciting history. Many years one of the city's most happening nightclubs, the Sud today is a very exclusive event venue with pool, roof terrace and restaurant. The 1,000-sqm large room on the ground floor has a drive-in ramp for motor vehicles, something customers in the automotive industry can appreciate. The Lisboa CVB is on-hand to set up contacts to the city's venues and as well as local PCOs and DMCs. 
CHRISTIAN FUNK




Dass so viele Teilnehmer zur Konferenz drängen, mag oberflächlich betrachtet erstaunen. 2016, als die Konferenz in München stattfand, kamen 15.000 Delegierte, diesmal gleich 18.000. Wenn man aktuelle Zahlen kennt, leuchtet diese Steigerung allerdings ein: denn Diabetes breitet sich global immer mehr aus. Die Zahl der Erkrankten wächst seit Jahrzehnten – alleine in Deutschland gibt es aktuell über sechs Mio. Diabetiker. Tendenz steigend. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass Diabetes bis 2030 zu den sieben weltweit häufigsten Todesursachen gehören wird, wenn keine Gegenmaßnahmen erfolgen. Umso wichtiger sind die Forschung, eine optimale Vorsorge und zielsichere Behandlung. Genau dies sind die Themen der Konferenz. Vorstellungen von Studien, Poster- Sessions, Symposien und über 1.000 Vorträge von „Metabolism rocks around the clock“ bis hin zu „Diabetes, obesity, their treatment and cancer risk: smoke or fire?“

Als Professor Gardete-Correia im Restaurant angekommen ist, scheint er in seinem Element. Auf die Frage, warum er sich für die Ausrichtung der Konferenz in Lissabon engagiert hat, wird er leidenschaftlich, wirbt für den Zauber der Begegnung und driftet unvermittelt vom fachlichen ins politische: „Gerade jetzt in unsicheren, mitunter schwierigen Zeiten, sind ein offener Austausch auf internationaler Ebene wie wir ihn hier gerade erleben, die Vermittlung neuer Erkenntnisse, und das Wissen um Sichtweisen von einem anderen Standpunkt aus, unabdingbar. Egal, ob wir über Diabetes, die Europäische Union oder über die aktuelle Flüchtlingskrise reden.“ Gardete- Correia zeigt sich weltoffen und freundlich und sieht genau diese Eigenschaften in Lissabon widergespiegelt. „Viele Städte bewerben sich um die Ausrichtung einer solchen Konferenz, aber nicht viele verkörpern eine derartige Offenheit. Wissen Sie, wir haben in Portugal eine sehr lange Tradition gelebter Toleranz. Außerdem sind wir – und das klingt banaler als es in Wirklichkeit ist – ein freundliches und vor allem aufgeschlossenes Volk“, lässt er keinen Zweifel an der Erfolgsformel „seiner“ Meetingdestination Lissabon. Er hat sein Mittagessen noch nicht beendet, als sein Telefon klingelt. Das lokale Fernsehen erwartet ihn zu einem Interview. Doch bevor er das Restaurant verlässt, bestellt er sich noch einen Digestif. So einfach lässt er sich nicht aus der Ruhe bringen.  CHRISTIAN FUNK
 

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