„Nachhaltigkeit weiter denken“ Image 1

ÖSTERREICH

„Nachhaltigkeit weiter denken“

Bei den österreichischen Veranstaltungsbetrieben sind Green Meetings mehr als nur ein Trend. Zertifikate finden sich reihenweise. Angebot und Nachfrage zu nachhaltigen Veranstaltungen bündelt nun die vom Bund geförderte Infothek Green Events.

A
ls am 6. November 2017 rund 25.000 Delegierte zur Weltklimakonferenz in Bonn zusammenkommen, um die großen Fragen der Zukunft unseres Klimas zum 23. Mal zu verhandeln, haben rund 120 Touristiker, Regionalentwickler und Kommunalpolitiker im niederösterreichischen Wieselburg den Anspruch, „Nachhaltigkeit weiter (zu) denken“ – so das Motto der Mostviertler Nachhaltigkeitskonferenz. Gemeinsam gehen sie der Frage nach, wie Alltagsverhalten, Speiseplan und Reisegewohnheiten das Gesicht der Welt verändern. Während am ersten Konferenztag Thomas Weber, Autor und Herausgeber des Magazins „Biorama“, alltagstaugliche Ideen für ein nachhaltiges Leben vorstellt, Ernährungsökologe Martin Schlatzer zeigt, wie „Klimaschutz am Teller“ funktioniert und Melanie Franke, Direktorin des Vier-Sterne-Hotels Rogner Bad Blumau, „Wertschöpfung durch Wertschätzung“ propagiert, richtet sich der zweite Tag mit dem Thema Mobilität vor allem an Unterkunftsbetriebe und Veranstaltungshäuser:

Verkehrsplaner Romain Molitor regt an, sich im Bestreben um eine sanftere Mobilität auf die An- und Abreise der Gäste zu konzentrieren, zumal 75 % der Co2-Emissionen im Tourismus verkehrsbezogen seien und 96 % davon bei der An- und Abreise anfielen. Zudem lernen die Teilnehmer das Projekt „Tirol auf Schiene“ kennen. Alle Vorträge weisen Praxisnähe auf und sollen dazu anregen, zur Tat zu schreiten. Thomas Weber: „Auch die größten Problemfelder brauchen kleine Schritte, begleitet von Mut zu phantastischen Ideen, zum Widerspruch, Nachmachen, Scheitern, Fordern und Fördern.“

Wie diese kleinen Schritte aussehen können, erfahren Planer in der „Infothek Green Events“, einem Angebot des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW), das Minister Andrä Rupprechter erläutert: „Die Infothek Green Events bringt Angebot und Nachfrage auf einer Webseite zusammen. Für Veranstalter wird es künftig leichter werden, vorbildhafte nachhaltige Events zu organisieren. Für Unternehmen mit nachhaltigen Angeboten für die Eventbranche bietet die Infothek eine ideale Plattform.“ Die Infothek Green Events ist ein Informationsangebot des Green Events Austria-Netzwerks für die Eventbranche. Hier laufen gebündelt alle Informationen zu Richtlinien, Förderinstrumenten, Best-Practice-Beispielen, Qualitätskriterien und Öffentlichkeitsarbeit zum Thema nachhaltige Veranstaltungen in Österreich zusammen.

„Nachhaltigkeit weiter denken“ Image 2
Die erste Destination Österreichs mit einer stadtweiten Lizenz für Green Events ist Wels.
FOTO: TOURISMUSVERBAND WELS

Informationen aus erster Hand bietet das Netzwerk Convention Partner Vorarlberg, das zum Beispiel das Montforthaus Feldkirch, die Messe Dornbirn oder das Festspielhaus Bregenz im Portfolio hat. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, einem Veranstalter die Möglichkeiten in Vorarlberg aufzuzeigen eine Veranstaltung nachhaltig zu planen“, sagt Corinna Schweizer vom Marketing-Team des Netzwerks. „Wir versuchen Kunden gleich zu Beginn der Planung auf das Thema Nachhaltigkeit aufmerksam zu machen.“ Vorarlberg sei in nachhaltiger Hinsicht in vielen Dingen Vorreiter, so Schweizer. Als Beispiel führt sie Vorarlberg als Österreichs erste Modellregion für E-Mobilität auf, Förderprogramme für nachhaltige Energiequellen oder den mit Wasserkraft produzierenden Stromlieferanten. Für die Planung von „Green Meetings“ bringt das Netzwerk Kunden mit den jeweiligen Ansprechpartnern zusammen – „dann versuchen wir gemeinsam ein passendes Paket für die Veranstaltung zu schnüren.“

In der Praxis sieht das so aus, dass beispielsweise Referenten oder Teilnehmer für Veranstaltungen mit Elektro-Autos transportiert werden (eine Kooperation mit „Vlotte“, einem Projekt der Vorarlberger Kraftwerke) oder dass Delegierte ein kostenloses Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel erhalten können. Und wenn sich 2019 bei der Weltgymnaestrada, dem größten internationalen Turnfestival der Welt, über 20.000 Teilnehmer in Dornbirn treffen, werden vor Ort E-Roller im Einsatz sein. Wie der Bereich Nachhaltigkeit dazu beisteuern kann, die Qualität und auch den Erfolg von Veranstaltungen zu steigern, eruieren die Partner des Netzwerks am 13. Dezember 2017 auf dem 7. Vorarlberger Convention Forum im Festspielhaus Bregenz.



„Die Zielsetzung umweltschonend, nachhaltig und sozial verantwortungsvoll zu handeln, ist für uns nicht nur ein ,nice to be‘, sondern ein übergeordnetes Ziel unserer Beratungs- und Serviceleistungen“, erläutert Gernot Marx die Strategie des von ihm geleiteten Salzburg Convention Bureau. „Wir verschreiben uns dem Ziel, die Auswirkungen von Veranstaltungen auf unser Klima und Natur so gering wie möglich zu halten.“ Die Stadt Salzburg gelte mit einem Anteil von 58 % Grünflächen ohnehin als eine der grünsten Städte Europas. Vor allem die Mobilität sei vorbildlich geregelt. Elektronisch betriebene Busse böten nachhaltig öffentlichen Transport. „67 % des städtischen Verkehrs werden durch E-Fahrzeuge abgedeckt, wodurch Salzburg zur einer der umweltfreundlichsten Städte Österreichs zählt“, sagt Marx. Zudem sei Salzburg besonders fahrradfreundlich.

Sogenannte Sanfte Mobilität verfolgt das Salzburg Convention Bureau im SAMO-Projekt in Werfenweng. Den Gästen der Region stehen durch die SAMO-Card und dem laufenden Projekt über 100 umweltfreundliche Fahrzeuge kostenfrei zur Verfügung. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird zusätzlich gefördert und allgemein die Vermeidung von Autos während des Aufenthalts. Aber auch Corporate Social Responsiblity (CSR) gehöre zum Thema Nachhaltigkeit. „Unter CSR verstehen wir nicht nur, sozial verantwortlich und nachhaltig zu handeln, sondern auch die Inklusion von benachteiligten oder beeinträchtigten Menschen“, erläutert Gernot Marx. Für eine Vielzahl von Unternehmen sei CSR bereits Teil des Leitbildes. „Und ein Unternehmensleitbild will bei jeder Gelegenheit gelebt werden – auch bei Events.“ In Salzburg finden sich verschiedene Zertifikate, wie „Green Meetings & Events“, das EMAS-Zertifikat (Gütesiegel der Europäischen Union für nachhaltiges Umweltmanagement), „Green Location“ oder dem Österreichischen Umweltzeichen. Insgesamt gibt es 38 vom Umweltministerium zertifizierte Betriebe.

INFOTHEK GREEN EVENTS

Die Infothek Green Events ist ein Informationsangebot des Green Events Austria- Netzwerks für die Eventbranche. Die Infothek bietet zu den Themenbereichen Mobilität & Klimaschutz, Eventlocation & Unterkunft, Energie & Wasser, Verpflegung & Catering, Beschaffung & Abfall, Eventtechnik & Ausstattung, soziale Verantwortung und Kommunikation & Ticketing alle nötigen Informationen, Links und Kontakte. Das webbasierte Informationsportal bündelt Informationen für eine nachhaltige Eventbranche und ist Plattform für Veranstalter, Produzenten und Dienstleister. Die vom Beratungsunternehmen Pulswerk betreute „Infothek Green Events“ ist ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) und der Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, Steiermark und Wien. http://infothek.greenevents.at

Die erste Destination Österreichs mit einer stadtweiten Lizenz für Green Events ist Wels. Alle Hotels der Innenstadt sind mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Tourismus bzw. für Green Meetings und Events ausgezeichnet. „Mit diesem umfassenden Angebot haben wir von Wels aus ein Zeichen in ganz Österreich gesetzt“, freut sich Tourismusobmann Helmut Platzer. Business Touristik Wels fungiert als Lizenzgeber für Green Meetings und Events, kann somit Veranstalter neben der Betreuung bei der Veranstaltungsbuchung und -abwicklung aktiv bei der Umsetzung von Green Events beraten und begleiten. Peter Jungreithmair, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Wels, zeigt sich stolz: „Es zeugt schon von Weitsicht und positiver Energie unserer touristischen Unternehmer in Wels, wenn sich so viele diesem durchaus langwierigen und fordernden Prozess unterwerfen und nun auch konsequent leben.“

In den Bergen Tirols steht das Congress Centrum Alpbach (CCA) für ein nachhaltiges Veranstaltungshaus. „CSR und Nachhaltigkeit sind untrennbare Bestandteile des Alpbacher Tagungsangebots und damit auch ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil für uns als Anbieter sowie für die Veranstalter und Teilnehmer ein sehr hochwertiger Zusatznutzen“, ist Geschäftsführer Georg Hechenblaikner überzeugt. „Sämtliche Kongresse, Tagungen und Seminare im CCA werden als Green Meeting durchgeführt.“ Wie das Europäische Forum Alpbach. Dieser Kongress mit zuletzt 5.800 Teilnehmern wird seit 2009 jedes Jahr mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Meetings zertifiziert. Bei der Erweiterung 2016 wurde vor allem nach ökologischen Kriterien gebaut: Hohe Energieeffizienz mit modernster Gebäudetechnik, eine geothermisch gespeiste Wärmepumpe für Heizung und Kühlung, Spitzenlastabdeckung mit Pellets, eine Fassade mit integrierten Photovoltaikpanelen und Strom zu hundert Prozent aus regionalen Kleinkraftwerken.



Das Commitment der Congress Messe Innsbruck (CMI) in den Bereichen Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung zieht sich durch die drei Standorte Congress Innsbruck, Messe Innsbruck und Congresspark Igls. „Wir bieten jedem Veranstalter individuelle Beratung und Unterstützung an, um die geplante Veranstaltung als Green Meeting durchzuführen“, bestätigt CMI-Geschäftsführer Christian Mayerhofer. „Die Kundenberatung erfolgt von den Mitarbeitern unserer Abteilungen PCO und Veranstaltungsorganisation und wird von unserem Nachhaltigkeitsbeauftragten intensiv unterstützt.“ Neben der zentralen Gebäudeleittechnik, die Strom, Klima und Beleuchtung in jedem der über 50 Säle und Hallen steuert und den Ressourceneinsatz optimiert, liegt ein großes Augenmerk auf der Energiegewinnung. Diese erfolgt über zwei Grundwasser- Tiefenbrunnen an den Standorten Congress und Messe sowie über eine Solaranlage am Standort Congresspark Igls. „Über die Grundwasser-Wärmepumpenanlage können wir mit der vorhandenen und von der Behörde genehmigten Wassermenge 80% des gesamten Gebäudes heizen und kühlen. Der Standort Congress Innsbruck reguliert seine Kühlung ebenfalls zu 98 % aus der durch eine Grundwasser- Wärmepumpenanlage gewonnenen Energie“, erklärt Mayerhofer, der davon überzeugt ist, dass auch scheinbar banale Details wie der Einsatz von FSC-zertifiziertem Papier, die Steuerung von Wasser in den Sanitärräumen oder die strikte Einhaltung der Mülltrennung und Wiederverwertung von Rohstoffen Nachhaltigkeit fördern. „Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein sind sowohl unseren Gesellschaftern als auch den Mitarbeitern der CMI, die den Umweltgedanken engagiert mittragen, sehr wichtig“, schließt er.

Ebenfalls in Tirol, in Kitzbühel, steht das als „Green Location“ zertifizierte K3 Kitz- Kongress. „Die Thematik Nachhaltigkeit sehen wir als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung“, sagt Geschäftsführerin Birgit Ducke. „Wir konzentrieren uns im Nachhaltigkeitsmanagement auf Energieeffizienz und Abfallvermeidung, Schutz der Wasserressourcen und nachhaltige Beschaffung. Hierfür arbeiten wir eng mit dem Kitzbüheler Tourismusverband, regionalen und ebenfalls zertifizierten Catering- Partnern, Lieferanten sowie Hotelbetrieben zusammen“, so Ducke. Eine ausgebildete Nachhaltigkeitsberaterin steht Kunden und Gästen im KitzKongress als Ansprechpartnerin zur Verfügung. KitzKongress habe als grüne Veranstaltungslocation eine Vorreiterrolle inne. „Diesen Weg wollen und werden wir auch zukünftig konsequent weiter gehen. Ziel ist es, durch unsere Lizenzierungen die Aufmerksamkeit für „grüne“ Veranstaltungen weiterhin zu stärken“, zeigt sich Ducke optimistisch. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, verantwortungsvoll und zukunftsfähig zu agieren und so zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen.“ Auch in Tirol wird Nachhaltigkeit einen Schritt weiter gedacht.  CHRISTIAN FUNK
 

www.vlotte.athttp://infothek.greenevents.atwww.werfenweng.eu/SAMO
Bei der Weltgymnastrada 2019, einem Turnfestival mit über 20.000 Teilnehmern in Dornbirn, werden vor Ort E-Roller im Einsatz sein.
„Nachhaltigkeit sehen wir als Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung.“
Birgit Ducke, KitzKongress
Datenschutz