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KONGRESSE UND POLITIK

Wenn Veranstalter Städte boykottieren

Politik und Kongressgeschäft, unser Titelthema offene Gesellschaft und Veranstaltungen – hat das überhaupt etwas miteinander zu tun, ist Business nicht unpolitisch? Schön wäre es, können Insider da nur sagen. Der Erfahrungsbericht eines Betroffenen, den schon der Bannstrahl von Veranstaltern traf, zeigt es.

D
ass Veranstalter auch durchaus politische Zeichen setzen mit der bewussten Ablehnung von Destinationen, weiß Christian Mutschlechner, Leiter des
Vienna Convention Bureau
, aus eigener, durchaus schmerzhafter Erfahrung. Lange ist es her, 1999 war es, als Wolfgang Schüssel und seine 
konservative ÖVP erstmals die rechtspopulistische FPÖ an der österreichischen Regierung beteiligten
. Mutschlechner: „Das hat europaweit für Aufsehen gesorgt und hatte leider fast ausschließlich Auswirkungen auf unser Kongressgeschäft.“

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Wie würden Veranstalter reagieren, wenn Rechtspopulisten in Deutschland an die Regierung gelangen? Österreich hat damit Erfahrungen.
FOTO: JOUWATCH (CC BY-SA 2.0)

So isolierten die 14 damaligen anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union Österreich auf Regierungs- und diplomatischer Ebene. Kongressveranstalter nahmen diesen „Bann“ zum Anlass, Österreich zu meiden. Phasenweise wurde Wien damals gebeten, bei Bids nicht einmal mehr zu kandidieren. „Keine Chance für Wien und Österreich“, ließen die Veranstalter wissen. Solche Gründe hinter vorgehaltener Hand zu erfahren, ist jedoch die Ausnahme. „Wenn es zu konkreten Fällen kommt, so ist es wahnsinnig schwer in wissenschaftliche Verbände hineinzuschauen – Entscheidungen in Boards finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, sind sehr oft geheim.“

2017 ist die politische Situation in Europa und der Welt eine komplett andere, Demokratiedefizite beklagt die Europäische Union vor allem in ihren Mitgliedsländern Polen und Ungarn.

„Steht es uns aber als Demokratie zu, anderen Ländern mitzuteilen, wie sie ihre Politik gestalten sollen?“, fragt sich Mutschlechner. In Deutschland und Österreich, deren jüngere demokratische Geschichte erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann, tun sich viele aus historischen Gründen schwer, gegenüber anderen den Zeigefinder zu erheben, insbesondere zum Thema Demokratie.

Natürlich sind Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit ein unabdingbares Element eines demokratischen Staatsgefüges, so der Wiener. „Würde man dies als Maßstab nehmen, dann würden allerdings viele Länder und Städte nie Kongresse beherbergen können.“ Was daraus folgt? Mutschlechner sieht es durch die kollegiale Brille: „Persönlich tut es mir für alle Städte und Kollegen aus diesen Städten leid, wenn plötzlich jahrelange Bemühungen sinnlos werden.“
Populisten in der Regierung: Phasenweise wurde Wien gebeten, bei Bids nicht mehr zu kandidieren.
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AUFGESPIESST

tw-Redakteur Frank Wewoda (41) blickt in dieser Rubrik hinter die Kulissen oder spießt bei seinen Recherchen im Konferenzalltag Hintergründiges und Abseitiges auf.
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