In der ersten Reihe Image 1

DIGITAL-GIPFEL 2017

In der ersten Reihe

Ob an der Seite der Bundesregierung oder ihrer Mitglieder: Verbände sind Begleiter in der digitalen Transformation. Trotz oder wegen der Digitalisierung unserer Gesellschaft und ihrer Verbände lebt das Veranstaltungsgeschäft auf.

W
enn sich die Mitwirkenden des Digital-Gipfels der Bundesregierung am 13. Juni 2017 für das Gruppenbild aufstellen, steht in der ersten Reihe der Digitalverband Bitkom mit Thorsten Dirks. Selbst wenn Präsident Dirks eine Woche später sein Amt an Achim Berg abtritt, die Aufgabe bleibt die gleiche: die digitale Transformation aktiv gestalten. „Wir müssen die Wirtschaft durchgängig digitalisieren und die gesamte Bevölkerung auf dem Weg in die digitale Welt mitnehmen“, sagt Berg und spricht als neuer Bitkom-Präsident für über 1.700 Mitglieder in Deutschland mit zwei Millionen Beschäftigten. Zukunftstechnologien wie 3D-Druck, intelligente Mobilität und Künstliche Intelligenz müssten erforscht und in marktfähige Produkte und Lösungen umgesetzt werden. Berg betont: „Deutschland muss ein global führender Digitalstandort werden. Das ist mein Ziel und das sollte auch ein Ziel der künftigen Bundesregierung sein.“

Erst eine Woche vor dem Digital-Gipfel hatte der Bitkom eine Umfrage veröffentlicht, der zufolge die Deutschen in der Digitalisierung grundsätzlich eher eine Chance sehen, ihre eigene Digitalkompetenz allerdings als „ausreichend“ einschätzen. „Klassenbeste“ sind die 14- bis 29-Jährigen: 98% nutzen das Internet, um Informationen zu suchen, 95% streamen Musik oder Filme, 86% kaufen online ein, 85% tauschen sich in sozialen Netzwerken aus und 69% über Smartphone-Apps wie Snapchat und Slack. Selbst wenn der Anteil der Generationen Y und Z in den Unternehmen Jahr um Jahr zulegt, herrscht laut dem aktuellen Bitkom-Branchenbarometer nur in jedem dritten Unternehmen die Meinung vor, dass die digitale Transformation der Wirtschaft bis 2025 abgeschlossen ist. Zwei von zehn Unternehmen meinen, dass sie bis 2041 dauert, vier von zehn, dass sie nie abgeschlossen sein wird.

In der ersten Reihe Image 2
Beim Digital-Gipfel 2017 der Bundesregierung stehen neben Kanzlerin Angela Merkel Malu Dreyer und Brigitte Zypries und neben ihnen Thorsten Dirks (links) und Winfried Kretschmann.
FOTO: BMWI, MAURICE WEISS


Die digitale Transformation schlägt sich erstmals deutlich in der Jahresumfrage der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM) „Verbände 2017“ nieder und mit ihr der Versuch, der sich immer rascher verändernden Arbeitswelt verbandliche Strukturen entgegenzusetzen. Die Digitalisierung steht somit oben auf der Agenda und begleitet die verbandstypischen „Brotund- Butter-Themen“ wie Kommunikation, PR-/und Öffentlichkeitsarbeit (siehe Kasten). „Eine große Herausforderung, vor der sicher alle Verbände stehen, ist die Bewältigung der digitalen Transformation. Das bedeutet, dass Verbände intern die Voraussetzung schaffen müssen, sich personell und technisch auf den Wandel einzustellen“, berichtet Wolfgang Lietzau, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement (DGVM). „Ganz besonders in unserem Fokus steht das Thema ‚Arbeit in der digitalen Transformation‘“, bestätigt Ralph Appel im Verbändereport. Der Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) will die Chancen durch die Digitalisierung nutzen. „Auf Basis unseres neuen Leitbildes erweitern wir unsere digitalen Angebote, um beispielsweise noch bessere Beteiligung, Leistungen und Vernetzung zu bieten, auch regional vor Ort.“

Im Durchschnitt hat eine Verbandsgeschäftsstelle fünf bis sieben Mitarbeiter, große Verbände sogar bis zu 350. Das Deutsche Verbände Forum und die Deutsche Gesellschaft für Verbandsmanagement veröffentlichen für 2016 einen Höchststand von 15.749 Verbänden, darunter 8.750 mit einer hauptamtlichen Geschäftsstelle. Im Durchschnitt gründen sich 200 Verbände im Jahr. Erst 2016 formierte sich der Erste Deutsche Fachverband für Virtual Reality und immersive Medien (EDFVR). Auf seiner Startseite lädt er zum Treffen auf der „Digility“ ein und will dort gemeinsam mit der Kölnmesse am 5. und 6. Juli 2017 „die nächste Ausbaustufe zünden“.

In der ersten Reihe Image 3
Ausgerechnet der Digitalverband Bitkom ist mit seiner Tochter „bitkom events“ bei Live-Veranstaltungen weit vorne.

Dass sich die „Virtuellen“ in Verbänden und auf Veranstaltungen treffen wollen, überrascht Wolfgang Lietzau nicht. Trotz oder wegen aller digitalen und sozialen Medien möchten sich Menschen persönlich kennenlernen und austauschen. „Das ist der Grund, weshalb Veranstaltungen für Verbände weiter an Wichtigkeit gewinnen. Die Zahl der Veranstaltungen, die von Verbänden ausgerichtet werden, steigt stark an“, so Lietzau. In Zahlen drückt das die aktuelle Studie „Der deutsche Tagungs- und Kongressmarkt 2016“ aus: Die Zahl der Veranstaltungen steigt von 2,45 Mio. in 2015 auf 2,51 Mio. in 2016 und der Umsatz von 82 auf 84 Mrd. Euro. 34 Prozent der Veranstaltungen werden von Verbänden, Vereinen und Institutionen veranlasst. Das sind mit 853.400 gut 20.000 mehr als im Vorjahr.

Ein Vorreiter ist der Digitalverband Bitkom, der im Juni u.a. die Digital Banking Conference, Digital Health Conference, Digital Retail Conference und Digital Aviation Conference veranstaltet. Seine „Digital Health Conference – Gesundheit in der Gigabit-Gesellschaft“ im Rahmen des Digital-Gipfels 2017 war ausgebucht. 200 Entscheider aus Politik, Wirtschaft und Gesundheitswesen diskutierten bei Roche Diagnostics in Mannheim über mHealth, Big Data, Vernetzte Gesundheit und Künstliche Intelligenz. Veranstalter ist „bitkom events“. Die dahinter stehende Bitkom Servicegesellschaft bietet Unternehmen – ob Mitglied oder nicht – Service-Leistungen zu Digitalthemen an, die Bitkom Live wiederum bündelt alle Aktivitäten mit „Live-Charakter“: Kongresse (hub conference, Summits, Fachkongresse), Messen (Fachmessen, Anwendermessen, CeBIT) und Executive Events (Executive Night, Sommerfest für Politik und Presse, Vorabend-Empfang zum IT-Gipfel).



Grund genug für die DGVM das Thema Veranstaltungsmanagement für ihre Mitglieder aufzubereiten und zum „verbaende.com Infotag Verband & Tagung“ am 28. Juni 2017 rund 350 Verbände von A wie ABDA, die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände, bis Z wie ZDB, den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes, an innovative Formate heranzuführen. Damit ist sie in bester Gesellschaft.

Erst im Mai launchte die American Association for Association Executives (ASAE) für ihre 30.000 Mitglieder und Partner das „Xperience Design Project“ (XDP).


Im Gaylord National Resort & Convention Center, 13 km südlich von Washington, D.C., steckten 1.816 Verbände die Köpfe zusammen, um ihre Meetings neu zu erfinden. „Es war eine enorme Energie und Aufregung zu spüren“, erzählt ASAE-Präsident und CEO John H. Graham und ergänzt: „Alle Teilnehmer machten neue Erfahrungen, die ihnen im eigenen Erleben zeigen, wie sie neue Lernformate, Design und Engagement-Elemente, Technologie und Innovationen in ihre Meetings einbringen können.“ Die Teilnehmer begaben sich auf eine interaktive wie immersive „Lernreise” zu Themen wie „Experience“, „Learning“ und „Technology“. „Idea Accelerators” aus 20-minütigen Referaten widmeten sich beispielsweise „Experience Design Mapping“. Auf die erfolgreiche Premiere folgt am selben Ort die XDP 2018 am 19./20. April.

VERBANDSMANAGEMENT 2017:
DIE TOP FÜNF

1. Kommunikation und PR-/Öffentlichkeitsarbeit nach außen generell stärken (Vorjahr Rang 4)
2. Ausbau von Mehrwertleistungen und Dienstleistungen für die Mitglieder (Vorjahr Rang 1)
3. Profil des Verbands schärfen (Marke/Image stärken und ausbauen) (Vorjahr Rang 2)
4. Verstärkung von Lobbyaktivitäten (regional, national, europäisch) (Vorjahr Rang 3)
5. Reorganisationsprozesse im Verband anstoßen (Changemanagement) (Vorjahr Rang 6)

Quelle: Jahresumfrage der Deutschen Gesellschaft für Verbandsmanagement DGVM „Verbände 2017“

In der ersten Reihe Image 6
Was beschäftigte die Teilnehmer auf dem letzten Deutschen Maschinenbau-Gipfel 2015? Die Twitterwall zeigt es.
FOTO: VDMA

Während sich die Verbände verstärkt dem Veranstaltungsmanagement widmen, wendet sich die Meetingmesse IMEX dem Verbandsmanagement zu. Zum IMEX Association Day 2017 führt sie den „Association Management Stream“ und fliegt ASAE-Vize- Präsidentin Susan Robertson aus den USA zu ihrem Vortrag „How to deliver your strategy in turbulent times?“ ein. Um Trends, neue Technologien und Formate ging es im „Meetings & Events Stream A und B“. In der Podiumsdiskussion: „Trends in Meeting Formats and Designs – how to create innovative sessions“ stellt Annalisa Ponchia, CEO der European Society for Organ Transplantation (ESOT), ihr „E-poster Dating“ mit sechs Stationen vor. Ihre und andere Ideen erörtern im Anschluss 16 runde Tische und stellen ihre Konzepte in der Länge eines Tweets vor – von mehr Raum für Begegnung bis hin zu Chatbots.

Ob im Veranstaltungs- oder Verbandsmanagement gilt das Statement von Dr. Christoph Münzer, Wirtschaftsverband industrieller Unternehmen Baden, im Verbändereport: „In den kommenden Jahren wird es darum gehen, die analytischen Themen rund um Digitalisierung, App, Verband 4.0, QM & Co. zu bewältigen, ohne die Seele einer Gemeinschaft ‚wegzuprogrammieren‘. Verbände sind zuallererst Werte-, Leistungs- und Schicksalsgemeinschaften. Das muss jeder Blogger wissen!“ KERSTIN WÜNSCH
 

www.verbaende.comwww.asaecenter.org
"Ganz besonders in unserem Fokus steht das Thema ‚Arbeit in der digitalen Transformation‘".
Ralph Appel,
Direktor des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI)
Datenschutz