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IBTM AMERICA

Ein große Gruppe Freunde

Die ibtm america ist ein Messeformat in Miniatur. Im Sunshine State Florida kommen sich 240 Teilnehmer näher und tauschen sich aus – über Berufliches, Persönliches und US-Präsident Donald Trump.

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ie US-Officer waren so freundlich”, stellt eine Gruppe Hosted Buyer und Journalisten aus Europa und Asien nach Passieren der US-Immigration erstaunt fest. Angesichts des neuen US-Präsidenten Donald Trump flog bei den internationalen Vielfliegern ein gewisses Unbehagen mit. Die geteilte Erleichterung am Miami International Airport bricht das Eis und bringt die Mitreisenden ohne Small Talk ins Gespräch, das nicht abbricht bis zur Ankunft im Diplomat Beach Resort Hollywood in Florida. Beim Betreten der Lobby mit Blick auf den Atlantik weichen letzte Sorgen sommerlicher Leichtigkeit.

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FOTO: TW, KERSTIN WÜNSCH

Gute Aussichten für die ibtm america vom 14. bis 16. Juni 2017, zu der Reed Travel Exhibitions 115 Hosted Buyers eingeflogen hat. Sie kommen zu 85 Prozent aus den USA und zu zwei Dritteln aus Unternehmen wie Deloitte, Microsoft, Nike und Unilever und Verbänden. „87 Prozent der Hosted Buyers haben wir zum ersten Mal eingeladen und nach strengen Kriterien ausgewählt“, betont Jaime McAuley. Als Event Director ibtm america weiß sie, dass das Format „Meeting Pod“, das 1:1-Gespräche von Buyers und Suppliers im 20-Minuten-Takt vorsieht, mit der Qualität der Einkäufer steht und fällt. Schließlich müssen die 125 Aussteller auf ihre Kosten kommen. Sechs von zehn Anbietern sind aus den USA wie Marriott International, Greater Miami CVB, Choose Chicago und die Las Vegas Convention & Visitors Authority, vier von zehn aus China (Hongkong), Dubai, Mexiko, Ungarn und Spanien und elf weiteren Ländern. Die Hosted Buyer müssen an zwei Tagen 18 Termine absolvieren.

Geetha Arekal ist wie die meisten Planer zufrieden mit ihrem „Stundenplan“. Die Managerin Global Travel Program bei Unilever Industries ist aus Bangalore angereist und schätzt das Format. „1:1- Gespräche verbessern mein Verständnis. Sie geben jedem Anbieter ein Gesicht und helfen mir zu verstehen, wie sie arbeiten“, sagt Arekal. Nächstes Jahr käme sie gerne wieder. Auch für Joe Reise, Travel Planner bei Motivation Excellence aus Illinois, hat sich die Reise gelohnt. Er wollte neue Hotels und Destinationen finden, die er seinen Kunden empfehlen kann.

„WIR SPRECHEN OFT ÜBER DAS THEMA SICHERHEIT“

Joe Reise, Travelplaner bei Motivation ExcellenceFOTO: MOTIVATION EXCELLENCE
Joe Reise, Travelplaner bei Motivation Excellence
FOTO: MOTIVATION EXCELLENCE
Joe Reise, eigentlich Joachim Reise, wurde in den USA geboren und spricht sehr gut Deutsch. Reise ist seit 1980 in der Reiseindustrie und hat u.a. für Lufthansa gearbeitet. Seit 23 Jahren ist er für Motivation Excellence tätig.

tw:Warum sind Sie als Hosted Buyer von Schaumburg in Illinois zur ibtm america geflogen? Und war es die Reise wert?
Joe Reise:
Ja, das war es. Ich wollte neue Hotels und Destinationen finden, zu denen wir reisen können. Um meinen Kunden etwas zu empfehlen, muss ich sicher sein, dass es das Beste ist. Dafür muss ich die Anbieter kennenlernen. Sehr interessant war Budapest für mich. Die meisten Amerikaner reisen nach Paris, London oder Berlin, aber nicht nach Budapest. Das ist neu für sie, und damit ist es interessant für Incentives. Das gilt auch für Cascais in Portugal. Ich war 26 Jahre nicht mehr in Portugal. Es hat sich viel getan, und ich habe erfahren, dass die Preise 20 Prozent günstiger sind als in Spanien und Italien. Von den Hotels war das „The Wort“ in Jackson, Wyoming, interessant, ein exklusives Boutique-Hotel. Das gilt auch für den Venue der ibtm america, das Diplomat Beach Resort. Wir haben hier schon viele große Kongresse organisiert.

Anders als bei großen Fachmessen haben sich Besucher und Aussteller im 20-Minuten-Takt zu vorab vereinbarten Terminen getroffen. Wie finden Sie das?
Mal finde ich es gut, mal nicht. Es kommt auf den Termin an. Manche Gespräche sind nach fünf Minuten fertig, für andere bräuchte ich 40 Minuten, weil so viel zu lernen ist.

Wegen der Anschläge in Brüssel, Paris, London und Berlin haben nicht wenige US-Amerikaner Bedenken, ihre Meetings in Europa zu machen. Wie denken Sie und Ihre Kunden darüber?

Wir sprechen oft über das Thema Sicherheit – erst gestern wieder. Es kommt auf den Kunden an. Wir haben eine internationale Unternehmensberatung für die wir ein Meeting in London organisieren. Die wollen unbedingt nach London, weil sie dort Geschäft machen. Sie sind über die täglichen Nachrichten hinaus sehr gut informiert und haben keinerlei Befürchtungen. Anders ist es bei unseren Incentive-Kunden. Sie sehen oft nur zwei Minuten TV-News und möchten nicht mehr wissen. Sie sagen: „Es ist unser Geld, und wir wollen, dass unsere Leute gerne dort hinreisen. Warum sollen wir etwas riskieren, wenn es doch so viele Plätze gibt, wo nichts passiert?“ Und sie fürchten die Versicherungen. Wenn einem Teilnehmer etwas zustößt, kann er in den USA die Firma verklagen. Die kann dann zehn Millionen US-Dollar zahlen und im schlimmsten Fall Bankrott gehen. Für uns als Agentur ist das sehr frustrierend. Wir haben sehr gute Programme in Paris oder London, in Berlin und München, und denken, dass nichts passieren wird.
KERSTIN WÜNSCH 

www.motivationexcellence.com

Beide Veranstaltungsplaner beschäftigt das Thema Sicherheit. Die Sicherheitsmaßnahmen wie Wachpersonal und Kameras im Convention Center und Hotel sind für sie – anders für viele Europäer – ein gewohnter Anblick. „Wir haben immer schon ein hohes Bewusstsein für Sicherheit – vor allem nach dem 11. September”, informiert General Manager Ed Walls. Sein Diplomat Beach Resort hat 1.000 Zimmer, die wie die Lobby kürzlich renoviert wurden. Mit knapp 20.000 qm bietet sein Haus die größte Fläche für Konferenzen südlich Orlandos – natürlich erweitert um die Außenanlage mit Terrasse, Poolbereich und Strand. „Sie können alles unter einem Dach machen”, wirbt Walls.

70 Prozent seines Geschäfts sind Gruppen, allen voran Tagungen amerikanischer Firmen und Verbände, die Hollywood über den Miami International Airport oder den Fort Lauderdale-Hollywood International Airport erreichen. Donald Trump beeinflusst Walls Business bisher nur positiv, denn die Kritiker des Präsidenten buchten statt dem Trump Hollywood oder Trump International Beach Resort das Diplomat Beach Resort. Die ibtm america zu hosten, war für ihn keine Frage: Walls erhofft sich internationales Geschäft.



Bei der Destinationswahl setzt die ibtm america auf Fokusgruppen mit Corporate Planern.
„Wir fragen sie: Wollen Sie, dass wir bleiben oder rotieren, um verschiedene Regionen zu erkunden?” berichtet Jaime McAuley. So fiel die Wahl nach Chicago (2015) und Nashville (2016) dieses Jahr auf Florida und Hollywood. Destination und Datum für 2018 sollen im Juli folgen. „Wo immer wir hingehen, wird es einen ibtm-Event geben. Wir werden mit Sicherheit in den USA weitermachen“, antwortet Kerry Prince, Portfolio-Direktorin ibtm events, auf Fragen zur Fortsetzung der ibtm america.

Gabrielle Donchez von Choose Chicago wäre nicht abgeneigt, wenn die Show in ihre Stadt zurückkehrte. „Es ist ein guter Weg, um mit Tagungs- und Reiseplanern sichtbar zu werde.” Ihre erste ibtm america hat sie genossen und mehr Kontakte geknüpft, als sie erwartet hatte. „Ich liebe dieses Konzept!“, so Donchez. „Die 20 Minuten warenperfekt, um Geschäfte zu besprechen und die Kunden auf persönlicher Ebene kennen zu lernen. Es erlaubte es jedem, rechtzeitig und organisiert Termine zu abzuhalten. Das ist eine schöne Verschnaufpause von anderen Shows, wo jeder gestresst herumrennt.” Die Zahl der Teilnehmer war für sie genau richtig. „Es fühlte sich an, als würde ich mit einer großen Gruppe von Freunden abhängen“, beschreibt sie die Atmosphäre. Diese geht neben der Offenheit der Amerikaner auf die vielen Gelegenheiten zum Networking zurück wie die „White Party“, auf der an nicht wenigen Tischen die US-Amerikaner und ihre Gäste die Folgen von Trumps „Travel ban“ erörterten und „News“ aus ihren Ländern abglichen. In Erinnerung bleiben wird auch der Ausflug am Discovery Day zum Everglades-Nationalpark – und das obwohl oder gerade weil sich ein warmer Sommerregen über die Teilnehmer in ihren „Airboats“ ergoss, vor deren Augen gerade einmal ein Krokodil auftauchte.

Am Abreisetag hatte sich das Wetter beruhigt, nur legte Donald Trump mit seinem Anflug auf Miami Flughafen und Verkehr für Stunden lahm.  KERSTIN WÜNSCH
 

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