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EVENTLOCATIONS

Alles, nur nicht steif

2017 sollen Meetings und Events offen und emotional sein. Nicht selten ist von Festivals die Rede. Die Umgebung spielt hier eine tragende Rolle. Eine Suche nach Locations, die das „gewisse Etwas“ haben.

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iest man heute Veranstaltungsankündigungen, fällt auf: „Hochkarätige Speaker“, ein „attraktives Begleitprogramm“, „Zeit für persönliche Gespräche“ und „Fachkonferenz“ waren gestern. 2017 ist „cool“, „emotional“, „innovativ“ und vor allem „Festival“. Die einstmals größte IT-Messe der Welt Cebit wird ab 2018 ein „Festival für digitale Technologie“,


aus den HSMA Days wird das HSMA Festival, Mercedes-Benz veranstaltet während der Internationalen Automobilausstellung (IAA) gemeinsam mit dem texanischen Festival South by Southwest (SXSW) die „me Convention“


und die Imex verpasst seiner Messe mit der Zeus Eventtech Academy Festivalcharakter. Die Liste ließe sich beliebig fortführen. Was sämtliche Beispiele eint, ist das Bestreben von bestehenden Formaten abzurücken, den Veranstaltungen einen anderen Charakter zu geben, für eine lebendige Atmosphäre zu sorgen und den Austausch unter den Teilnehmern zu stärken.


FOTOS: OUTOFOFFICE; METABOLIC LAB; HOUSE OF 79; WEB SUMMIT

Markus von der Lühe ist Gründer und CEO des 2015 gestarteten Digitalfestivals Year of the X, das mittlerweile bis zu 1.000 Teilnehmer nach München oder Hamburg lockt. Für ihn ist die aktive Einbindung der Teilnehmer absolute Grundvoraussetzung für eine gelungene Konferenz: „Wir wollen kein klassisches Format sein, bieten im Gegenteil viele interaktive Formate an“, sagt er. Was allerdings per se noch kein Alleinstellungsmerkmal ist: „Nein, was uns meiner Meinung nach tatsächlich unterscheidet, ist eine gewisse Portion Emotionalität, auch Intimität. Das lässt sich nicht ohne Weiteres erzeugen und fängt bereits bei der Auswahl der Location an. Zuletzt in Hamburg waren wir in der Markthalle.“


Die Markthalle in Hamburg verfügt über drei verschiedene Veranstaltungsräume: Mit einer Kapazität von 1.000 Personen bei einer Eventfläche von 400 Quadratmetern ist der Große Saal das Herzstück der Markthalle. Mit seiner Rundbogenbühne und der Stufenanordnung eines Amphitheaters garantiert der Saal freie Sicht. Bei Bedarf kann die obere Empore mit einem schwarzen Vorhang abgetrennt werden, so dass die unbestuhlte Variante auf circa 600 Besucher angepasst werden kann. Kombiniert mit dem tageslichttauglichen Kunstraum (300 Personen unbestuhlt / 250 Personen bestuhlt) bieten sich Veranstaltungsplanern flexible Möglichkeiten: Bühne mit Vorhang, Tanzfläche, eigener Bartresen, Dia-Leinwände und eine fest installierte Licht- und Tonanlage. Mit der Auswahl der Markthalle, zeigt der Year-of-the-X-Gründer, dass er ein ganzheitliches Konzept verfolgt. Von der Lühe erklärt, dass die Umgebung sehr viel Einfluss darauf habe, wie sich Emotionen transportieren ließen, die nun mal – „das basiert auf neurowissenschaftlichen Erkenntnissen“ – notwendig seien, um nachhaltig Wissen zu vermitteln.



Wer selbst regelmäßig Konferenzen, Meetings – oder neuerdings Festivals – besucht, wird den Zusammenhang zwischen Lernerfolg und Umgebung bestätigen. Für Julian Jost und Jan Hoffmann-Keining waren schlechte Erfahrungen mit Meetings in sterilen, eintönigen Locations 2014 sogar der Grund, ein eigenes Geschäft zu gründen: Spacebase, ein Buchungsportal für Workshop- und Meetingräume. Auf dieser Plattform sind bereits über 1.800 Veranstaltungslocations aus 15 Städten in elf Ländern gelistet. Das Portfolio der dort buchbaren Locations reicht vom angesagten Designer-Loft, über den Coworking-Space bis hin zum Boxring. „Wir haben alle Locations selbst besucht“, sagt Jan Hoffmann-Keining. Er kennt sich nachweislich mit dieser Materie aus. Als Beispiel für inspirierende Locations mit einem offenen Konzept nennt er unter anderem das „Out of Office“ in Frankfurt.

NÄCHSTE MEXCON IM RMCC

Die deutsche Meetingbranche trifft sich in Wiesbaden: Wenn am 20. und 21. Juni 2018 die nächste „Meeting Experts Conference“ (Mexcon) erstmals in Wiesbaden und nicht in Berlin stattfindet, machen sich die Teilnehmer ein Bild des neuen RheinMain CongressCenter (RMCC). Nach dreijähriger Bauzeit wird das Haus am Standort der ehemaligen Rhein-Main-Hallen im Frühjahr 2018 als eines der innovativsten Kongresszentren Deutschlands neu eröffnet. Martin Michel, Geschäftsführer des RMCC: „Wir sind sehr glücklich darüber, als erster Austragungsort nach Berlin die Mexcon 2018 in Wiesbaden ausrichten zu dürfen. Die Veranstaltungsbranche kann sich auf ein brandneues, hochmodernes und architektonisch beeindruckendes Kongresshaus freuen und für uns ist es eine große Ehre, die Vertreter der Branche unter den ersten Gästen im neuen RMCC begrüßen zu dürfen.“ Im Rahmen der Mexcon findet auch das ICCA Central European Chapter Summer Meeting 2018 statt, das für internationale Aufmerksamkeit sorgt. Das Meeting steht beispielhaft für die zunehmende Internationalisierung der Mexcon und den Austausch der Branche innerhalb Europas, der sich stetig intensiviert. Die Initiatoren der Mexcon freuen sich auf Wiesbaden als neuen Gastgeber der Konferenz: „Der Wechsel in eine andere Gastgeberstadt unterstreicht die breite Aufstellung der Tagungs- und Kongressbranche in Deutschland“, so Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau (GCB). „Das RMCC als neue Kongress- Location ist prädestiniert für die Mexcon 2018. Mit seiner hochmodernen Architektur und Ausstattung illustriert es in idealer Weise den Schwerpunkt der Konferenz: das Thema Zukunft und Innovation“, ergänzt Joachim König, Präsident des EVVC (Europäischer Verband der Veranstaltungs-Centren).
www.rmcc-2018.dewww.mexcon.de

Das 360 Quadratmeter große Loft mit großzügiger Dachterrasse wird vor allem für Workshops, Seminare oder Tagungen mit bis zu 100 Personen genutzt. General Manager Hannah Schmitz verfolgt das Motto „meet. create. play.“. Besucher sollen hier wie in einer Werkstatt Ideen ausprobieren und neue Dinge gemeinsam erschaffen. Dazu stehen Flatscreens, Kreidetafeln oder eine große Kreativwand zur Verfügung. Schmitz bestätigt durchaus einen Trend hin zur „Festivalisierung“. „Natürlich stehen bei den meisten Veranstaltungen die Arbeit und die Kreativität im Mittelpunkt, aber unsere Räumlichkeiten werden in der Regel komplett miteinbezogen, seien es die Dachterrasse für ein BBQ, gemeinsames Kochen in unserer Küche oder die Lounge-Ecken für den Austausch oder zum Relaxen.“ Bei der Beratung von Kunden fließen Überlegungen und Erkenntnisse basierend auf Ergebnissen des Future Meeting Space ein. Das Forschungsprojekt des Fraunhofer IAO und des German Convention Bureaus (GCB) untersucht Entwicklungen in der Veranstaltungsbranche und leitet daraus technische, organisatorische und auch räumliche Anforderungen an erfolgreiche Veranstaltungen ab.



Schmitz, die auch schon für das GCB tätig war, ist mit diesen Anforderungen vertraut und weiß um den Wandel der Meetingwelt. „Wir wissen natürlich, dass erfolgreiche, produktive Meetings mehr erfordern als vier Wände und ein Flipchart – das haben wir bei unserem Konzept berücksichtigt“, so Schmitz. Dieses Konzept hat bereits Firmen wie Goldwell, S. Oliver oder Segafredo Zanetti überzeugt. Auch Visit Estonia oder die Deutsche Bahn mit ihrer Dialogwerkstatt waren bereits im „Outof-Office“ zu Gast. Schmitz weiß aus eigener Erfahrung: „Dass die Umgebung entscheidenden Einfluss auf den Lernerfolg hat, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Wir setzen auf einen intimen Charakter und wollen, dass sich unsere Gäste rundum wohl und wie zuhause fühlen.“

Ein ähnliches Konzept verfolgt das „House of 79“ in Berlin. Das großzügige Studio befindet sich auf dem 22.000 Quadratmeter großen Gelände der Spreestudios und hat allein dadurch schon einen speziellen Charakter. Die 220 als Tagungsraum mietbaren Quadratmeter erstrecken sich über drei Etagen und zwei Dachterrassen. Mit der Einrichtung versucht das House of 79 eine Wohlfühlatmosphäre zu erzeugen. Auf dem Gelände dieses Workshopraums in der Nähe vom Ostkreuz befindet sich eine Vielzahl an „kreativer Spaces“. Großzügige Panoramafenster entlang der insgesamt fast neun Meter hohen Decke durchfluten den Raum mit Tageslicht. Das Konzept der Location ist, dass sich die Besucher individuell entfalten und die Räume den eigenen Wünschen nach anpassen.

VON DEGEFEST EINGEWEIHT

Bereits vor der Eröffnung am 18. August 2017 hatte das Veranstaltungszentrum „King“ 105 Teilnehmer des degefest-Fachtages zu Gast.FOTO: KING
Bereits vor der Eröffnung am 18. August 2017 hatte das Veranstaltungszentrum „King“ 105 Teilnehmer des degefest-Fachtages zu Gast.
FOTO: KING
Das neue Veranstaltungszentrum „King“ (Kultur und Kongress Ingelheim am Rhein) hat seine Feuertaufe bestanden. Das Weiterbildungszentrum (WBZ) des King Ingelheim war erstmals Schauplatz einer Tagungs-Veranstaltung. 105 Teilnehmer kamen am 30. Juni 2017 zum diesjährigen degefest-Fachtag, der sich der Wissensvermittlung via Pecha Kucha, World Cafe‘ und Fish Bowl widmete. Die unterschiedlichen Formate wurden von Prof. Dr. Kim Werner (FH Osnabrück) im Gespräch mit Moderatorin Sarah Müller vorgestellt und erklärt. Die Themen „Ansprache: Interaktion, Partizipation, Co-Creation“, „Raumdesign und Technik“ sowie „Personalentwicklung/ Trends“ wurden in interaktiven Workshops besprochen und anschließend in mehreren World Cafe‘ Runden gezielt vertieft. Zwischendurch besuchten die Teilnehmer die begleitende Fachausstellung und besichtigtenmit dem Geschäftsführer der Ingelheimer Kultur- und Marketing GmbH Michael Sinn die künftigen Räume des neuen Veranstaltungszentrums, das plangemäß am 18. August 2017 offiziell eröffnen wird. Nach einer Keynote zum Themen-Update „Sicherheit“ durch Verbandsjurist Martin Leber folgte die Abschlussdiskussion zum Fachtag im Fish-Bowl-Format. Sinn zieht ein persönliches Resumée der degefest-Fachtage: „Mit neuen, aktuellen Formaten verließen die Organisatoren ausgetrampelte Pfade. So wurde nicht nur über ,Fish Bowl‘ und ,World Cafe‘ geredet, sondern diese Formate direkt in der Praxis umgesetzt. Einerseits naheliegend, aber doch auch mutig.“ Bereits mit der Wahl des Veranstaltungsortes habe der Vorstand der degefest Mut bewiesen, so Sinn, denn als die Wahl auf Ingelheim fiel, präsentierte sich das „King“ noch im Rohbau. „Somit waren die degefest-Fachtage auch die erste Tagungs-Veranstaltung in unseren neuen Räumen, noch vor der offiziellen Eröffnung am 18. August 2017. Wir freuen uns sehr über den großen Erfolg der diesjährigen Fachtage und die positiven Rückmeldungen der Teilnehmer, die den Mut der Organisatoren belohnen.“ www.degefest.de

Die Vienna Intrapreneur Academy berät Unternehmen hinsichtlich der innerbetrieblichen Innovation und nimmt die Mitarbeiter in den Fokus, also die „Innovatoren“. Zum ganzheitlichen Konzept der Berater gehört auch eine eigene Eventlocation, die „Corporate Entrepreneurship“ fördern soll: Das „Open Space Vienna”. Die dank hoher Wände, großer Fenster und lichter Farbgestaltung sehr helle Location hat eine Fläche von 220 Quadratmetern. Es gibt hier eine Vortragsarena, Kreativ- und Meeting- Zonen und einen Drink- und Food-Court. Im Workshopraum haben bis zu 30 Gäste Platz. Genug um seine Mitarbeiter etwa mit Design Thinking und anderen kreativen Methoden in Kontakt zu bringen. Ein Beamer und Screen, eine Flipchart, ein Fernsehbildschirm, eine Musikanlage und 80 Stühle sind in der Location vorhanden. In den Räumlichkeiten war einstmals eine Fabrik beherbergt. Zum Kontrast liegt der Maier von Rosenau Park unmittelbar vor der Tür.



Ein Trend, der sich gut mit den Werten Festivalisierung vereinbaren lässt, ist Urban Gardening. Im „Metabolic Lab“, einer neuen Meeting- und Eventlocation in Amsterdam-Noord, direkt bei “De Ceuvel”, kann man einen Einblick in eine Stadt der Zukunft erhaschen. Urban agriculture, die Wiedergewinnung von Nährstoffen und Konzepte erneuerbarer Energie sind hier während der Arbeit sichtbar. Dieser multifunktionale Meeting Space kann für Meetings, Brainstorming Sessions, Kurse, Präsentationen, Filmvorführungen, aber auch für private Parties genutzt werden. Allerdings nur im kleinen Rahmen. Die Location ist 20 Quadratmeter groß…

Damit unterscheidet sich das Lab grundlegend vom Gelände der Feira Internacional de Lisboa, einem Teil des ehemaligen Expogeländes in Lissabon. Denn hier wird das nächste Mal von 6. bis 9. November 2017 wieder eine eigene kleine Stadt errichtet und komplett den Bedürfnissen eines der größten IT-Festivals der Welt angepasst: dem Web Summit. Europas wichtigste Digitalkonferenz versprüht nicht nur wegen seiner Funktion als Startup- Gipfel – bei der letzten Ausgabe 2016 versuchten rund 1.400 Investoren auf dem Web Summit ihr Geld anzulegen, ein El Dorado für ambitionierte Gründer – Festival-Feeling mit Chill-Out-Areas, Food Trucks, DJs und Cocktailmixern. Die Veranstalter verlängern das Event um den Night Summit in Lissabons Altstadt. Mehr als 50 Bars und Clubs beteiligen sich als offizielle Venues. Auf dem Night Summit wird zum Fado getanzt, es läuft Livemusik, es wird Sagres getrunken und es werden Geschäfte eingefädelt. Startups mit pinken Badges erkennen potentielle Investoren an den roten Badges und buhlen an der Bar um deren Gunst und finanzielle Unterstützung.

Hier kann die Deutsche Messe noch einmal vorbei schauen, wenn sie 2018 die Cebit erstmals als Digitalfestival veranstaltet. Auf dem Messegelände in Hannover hat nämlich ebenfalls einmal eine Expo stattgefunden. Ob es nun auch eine hippe Kneipen- Cebit in Hannovers Innenstadt geben wird?  CHRISTIAN FUNK
 

www.markthalle-hamburg.dehttp://outofoffice.place/de/locations/frankfurt/www.spacebase.comwww.houseof79.comwww.vienna-intrapreneur-academy.comwww.metaboliclab.nlwww.cebit.dewww.websummit.com
„Emotionen? Das fängt bereits bei der Auswahl der Location an.“
Markus von der Lühe, Gründer Year of the X
„Wir haben alle Locations selbst besucht.“
Jan Hoffmann-Keining,
Spacebase
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