HOSTING-KONFERENZ

Cloudfeeeeeeeest

Das Cloudfest, die Jahreskonferenz der Hosting- und Cloud-Branche im Europa-Park in Rust, ist nicht nur Konferenz, sondern ein Festival für die Akteure der Branche samt Rockmusik, Achterbahn und Bierfest.

W
enn man während einer Konferenz hysterische Schreie hört und der Boden unter den Füßen vibriert, spricht man im besten Fall von Komplikationen, im schlimmsten Fall von einer Katastrophe. Auf dem Cloudfest hingegen spricht man dabei von Mittagspause. Die B2B-Konferenz der Hosting- und Cloud-Branche, bis letztes Jahr noch unter dem Namen WorldHostingDays bekannt, findet von 10. bis 16. März 2018 im Europa-Park in Rust statt. Und wie der Name verrät, verbirgt sich hinter Cloudfest etwas mehr als einfach nur eine Konferenz. Es ist ein Festival für die Akteure der Branche, samt Rockmusik, Achterbahn und Bierfest. „Es gibt so viele Kongresse, Messen und Events zum Thema Hosting beziehungsweise Cloud – wir wollen uns von der breiten Masse abheben“, erklärt Soeren von Varchmin, der die WorldHostingDays 2014 übernimmt und innerhalb von vier Jahren von einer klassischen Branchenkonferenz zu einem internationalen Tech-Festival weiterentwickelt. „Um uns von Konkurrenzveranstaltungen zu unterscheiden, mussten neue Ideen und Konzepte her. Wir wollen innovativ an die Sache herangehen, kreativ und vielleicht auch ein bisschen verrückt.“ Der Ansatz funktioniert. Kamen 2011 noch rund 2.800 Besucher zu den WorldHostingDays, sind es 2018 8.000 Anmeldungen. „Wenn man die No-Shows abzieht, liegen wir bei rund 6.500 Besuchern“, so der Cloudfest-CEO.

Drahtseilakt: In der Mittagspause des Cloudfests fuhren die Delegierten Achterbahn. Oder staunten über eine Slackline-Performance in schwindelerregender Höhe.
FOTO: CLOUDFEST

„Welcome to Computer Camp… For Adults” empfängt ein Banner über dem Eingang des „Confertainment Center“ des Freizeitparks die Besucher. Dort hat sich das Cloudfest breit gemacht: Im Foyer und der 2.900 qm großen Arena sind die Aussteller der begleitenden Messe zu finden. Im historischen Spiegelzelt finden an Tischen Vieraugen-Gespräche und vertrauliche Meetings statt, während sich das Konferenzprogramm im „Dome“ und im Ballsaal abspielt. Darin erklärt beispielsweise Dr. Jerry M. Chow vom IBM Thomas J. Watson Research Center, warum sein Unternehmen einen Quantencomputer öffentlich zugänglich gemacht hat. Über die IBM Cloud können Interessierte auf einen Quantenprozessor zugreifen und experimentieren. Die Sparte IBM Research, die Quantentechnologie als Zukunft der Informationsverarbeitung betrachtet, erhofft sich aus der Crowd Input, der die Praxistauglichkeit von Quantencomputern ermöglichen soll. Andere Vorträge drehen sich um Infrastruktur, Cloud Services, die Kühlung von Datenzentren, aber auch Cyber Security, künstliche Intelligenz, Blockchain oder die neue Datenschutz-Grundverordnung. Rund 60 Vorträge umfasst das Programm.

Neue Perspektiven öffnet Rockstar Billy Morrison – Gitarrist von Billy Idol und The Cult – in einem Fireside-Chat „It’s a nice day to start again“ im Gespräch mit 1&1-CEO Eric Tholomé. Morrison erklärt die Welt der Cloud und der Digitalisierung aus den Augen eines Gitarristen, Malers und Schauspielers mit beeindruckender Lässigkeit. Der Tenor: Keine Angst vor Neuem haben! Damit spricht der Musiker Veranstalter von Varchmin aus der Seele. „Das ist genau unser Ansatz. Man muss sich neuen Entwicklungen öffnen und nicht verschließen. Wir spüren ja auch, dass sich die Erwartungshaltung von Besuchern verändert hat. Die Leute wollen – wie früher auch – etwas lernen und Geschäfte machen, sich dabei aber auch wohlfühlen. Die Atmosphäre dafür kreieren wir hier auf dem Cloudfest, indem wir ein paar Dinge etwas anders machen.“


Anders ist zunächst der Veranstaltungsort, der Europa-Park in Rust. In Deutschlands größtem Freizeitpark stehen jedes Jahr zwischen November und Ende März die Achterbahnen still. „Bei uns finden jährlich rund 1.400 Veranstaltungen statt, ein Großteil davon konzentriert sich auf die Winterpause“, sagt Noel Ebhart vom Europa-Park. „Dadurch, dass wir es gewohnt sind, während der Saison große Besuchermassen zu meistern, sind wir von Grund auf für Veranstaltungen gerüstet. Wir können alles aus einer Hand bieten und verfügen über eingespielte Teams“, so der Mann aus der Unternehmenskommunikation. „Dass aber ein Kunde wie die das Cloudfest gleich den ganzen Park mietet, ist auch für uns eine Besonderheit.“

Soeren von Varchmin ist vom Konzept seiner Veranstaltung überzeugt. So sehr, dass er sich das Cloudfest-Logo tätowieren lässt.
FOTO: CLOUDFEST

Den ganzen Park benötigt das Cloudfest, weil es seinen Besuchern ermöglicht, in der Mittagspause die Attraktionen des Parks frei zu nutzen. Schon gegen Ende des Fireside-Chats mit Billy Morrison wird es im „Dome“ etwas unruhig. Eine Gruppe Niederländer bewegt sich bereits Richtung Ausgang. „Wir wollen nicht anstehen“, sagt einer der jungen Männer. Als das Pausenzeichen über die Lautsprecher ertönt, bewegen sich die Besucher Richtung Matterhorn-Blitz, Geisterschloss oder Blue Fire Megacoaster, um aus dem gewöhnlichen Konferenzumfeld auszubrechen.

Auffallend ist die Konsequenz, mit der der Veranstalter das Festival-Motto verfolgt. Auf der „Come2Gather“- Party am Vorabend der Konferenz tritt die Popband Right Said Fred auf, es gibt Kitchen Parties, Yoga, mehrere Karaoke-Abende, den Auftritt eines Slackliners, der sein Seil zwischen zwei Achterbahnen gespannt hat, eine Comedy Night und ein abschließendes Bierfest am Donnerstagabend. Highlight für Cloudfest-CEO Soeren von Varchmin ist aber der Auftritt der aus Branchengrößen zusammengestellten Rockband „Lords of Uptime“, in der er selbst Gitarre spielt. Trifft man von Varchmin während der Konferenz, ist sein Enthusiasmus fast ansteckend: „Wir machen das Ganze ja nicht, weil wir verrückt sind – o.k., vielleicht ein bisschen… – sondern, weil unsere Besucher und die Aussteller mehr Spaß daran haben, sich in einer gelösten Atmosphäre auszutauschen als in einem alltäglichen Umfeld“, erklärt er. Er ist fest davon überzeugt, den richtigen Weg zu gehen. Er steht so sehr hinter seinem Unternehmen und seinen Ideen, dass er sich das Cloudfest-Logo auf den Unterarm hat tätowieren lassen.

CONFERTAINMENT IM EUROPA-PARK

Deutschlands größter Freizeitpark verfolgt seit 20 Jahren ein sogenanntes Confertainment-Konzept und bietet seinen Kunden eine Verbindung aus Konferenz und Entertainment an. Dabei kann der Europa-Park auf die eigene Infrastruktur, die thematisierten Räumlichkeiten, Erlebnisgastronomie, das Showprogramm und die fünf parkeigenen 4-Sterne- Hotels zurückgreifen. Rund 1.400 Veranstaltungen finden jährlich auf dem Parkgelände statt. Insgesamt bieten mehr als 30 Räumlichkeiten von 26 bis 3.000 Quadratmetern Platz für 10 bis 5.000 Personen. Von rustikalem Bierkeller- Ambiente oder pittoresker Atmosphäre im Spiegelzelt aus den 1920er Jahren bis zu festlich klassizistischer Stimmung im Ballsaal Berlin gibt es Möglichkeiten für Firmenfeiern, klassische Tagungen, Seminare, Shows oder festliche Anlässe. Für Groß-Events steht neben dem 1.200 qm großen „Dome“ seit Frühjahr 2017 auch die „Europa-Park Arena“ zur Verfügung. Die rund 3.000 Quadratmeter große, moderne Multifunktionshalle mit angeschlossenem Konferenzraum und VIP-Balkon kann variabel an die Bedürfnisse der Kunden angepasst werden. 
www.confertainment.de

„Why are you so serious? Besucher twittern vom Cloudfest.
FOTO: SCREENSHOT

Wer den Eindruck gewinnt, das Cloudfest sei keine „ernsthafte“ Konferenz, liegt falsch. Den größten Raum nimmt das Vortragsprogramm ein, das in der Vergangenheit namhafte Speaker wie Julian Assange, Buzz Aldrin oder den in diesem Jahr via Video zugeschalteten Edward Snowden vorweisen kann. Die steigenden Besucherzahlen geben von Varchmins Herangehensweise daher recht: „Die Hosting-Branche ist eine sehr konsolidierte Branche. Der Markt ist sehr aufgeräumt. Insofern ist es tatsächlich nicht einfach, eine hohe Besucherzahl zu erreichen. Das haben wir aber geschafft“, freut er sich. „Wir sind im Gegenteil dieses Jahr an natürliche Grenzen gestoßen, weil die Hotelkapazitäten komplett ausgelastet sind.“ Der Veranstalter begrüßt es daher, dass der Europa-Park bei der Eröffnung eines 46 Hektar großen Wasserparks 2019 zudem ein sechstes Hotel eröffnet. Es wird in dreihundert Zimmern ungefähr 1.300 Gästen Platz bieten.

Geht es nach Soeren von Varchmin, wird dieser Platz auch benötigt. „Wir wollen definitiv noch ein bisschen wachsen. Nicht zu sehr – das Flair wollen wir beibehalten – dennoch können wir uns vorstellen, uns breiter aufzustellen. Thematisch könnten wir Cloud Computing etwas weiter fassen, auch das Thema Blockchain erscheint uns spannend. Mal sehen, wo die Reise hingeht“, sagt er und verabschiedet sich, um mit den Lords of Uptime zu proben. „Es wird richtig gerockt“, verspricht er. Am Abend dann der Auftritt. Von Varchmin steht auf der Bühne und wird mit seinen Mitstreitern bejubelt. Er grinst. Die hysterischen Schreie und der vibrierende Boden sind hier eher ein gutes Zeichen.


CHRISTIAN FUNK
 

www.cloudfest.com
„Wir wollen innovativ an die Sache herangehen, kreativ und vielleicht auch ein bisschen verrückt.“
Soeren von Varchmin,
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