Editorial

Auf Augenhöhe

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oran denken Sie, wenn ich Afrika sage? Ich denke als erstes an Fluchtursachen und deren Bekämpfung. Das ist seit der Flüchtlingskrise 2015 so. In meinem Kopf sind zu den alten Bildern von unterernährten Kindern neue gekommen: Menschen in Schlauchbooten, die übers Mittelmeer nach Europa wollen. Afrika ist größer als die USA, China, Indien, Japan und große Teile Europas zusammen. Und doch betrachten wir den Kontinent wie ein Land, sehen nicht genau genug hin.

Afrika, das sind 55 Länder. Hier leben mehr als eine Milliarde Menschen, bis 2050 sollen es doppelt so viele sein. Afrika ist jung. Und von – für mich – unerwarteter Seite kommt Hoffnung auf: Der Kontinent digitalisiert sich rasend schnell. Bis 2020 sollen 60 Prozent an das digitale Breitbandnetz angeschlossen und 700 Mio. Smartphones online sein. Dieser Boom biete laut der Weltbank erstmals die Chance, dass sich der Kontinent aus eigener Kraft weiterentwickle. In Kenia etwa werden Mobilfunk-Apps für Handys entwickelt, sei es zur Bezahlung oder Bildung. In Ruanda begleiten das Konferenzen wie die „eLearning Africa“ im neuen Kigali Convention Centre mit Nachbar Radisson Blu Hotel, und in Südafrika ist im Sandton Convention Centre, Johannesburg, die „Meetings Africa“ Stammgast.

Und siehe da, der Afrikagipfel 2018 zur EU-Ratspräsidentschaft im Austria Center Vienna titelt: „Taking cooperation to the digital age“. Österreichs Bundeskanzler Kurz redet von einer Zusammenarbeit mit Afrika auf Augenhöhe: „Wir brauchen einen neuen Blick auf Afrika und dürfen nicht nur an Armut, drohende Migration und mangelnde Menschenrechte denken. Gefordert ist eine Begegnung, eine ehrliche Partnerschaft.“ Während die einen darüber reden, machen die anderen genau das:

Die re:publica, das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Impact Hub Accra suchen den Dialog zwischen Deutschland und Afrika zu Digitalthemen und veranstalten in Ghana die re:publica Accra. Dass 2.000 Teilnehmer kommen, ist der Community zu verdanken. Nicht nur die Mitglieder in Ghana legen sich ins Zeug. In Nigeria passen die Teams ihre Facebookpages und -profile den Farben der re:publica Accra an. Facebook und WhatsApp sind stark in Afrika und tragen den Call for Paper und die Konferenz durch das Netz. Das habe ich mir angesehen und bin mit neuen Bildern nach Hause gereist; von Keynote Speakerin Nanjala Nyabola und selbstbewussten Frauen und Männern, von digitaler Erfinderlust, großer Neugier und Offenheit sowie unbändiger Lebensfreude.
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KERSTIN WÜNSCH
Chefredakteurin
tw tagungswirtschaft
wuensch@tw-media.com

FOTO: DFV MEDIENGRUPPE
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