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INTERVIEW

„Als Inspirationsplattform nutzen“

Manuel Wrobel ist International Sales Manager beim The Hague Convention Bureau. Er hat mit Kollegen das in der Meetingbranche hochgelobte Tech- und Kreativfestival South by Southwest (SXSW) in Austin besucht, um Learnings auf seinen Standort Den Haag übertragen zu können.

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Was hast du erlebt und was hat dich beeindruckt?
Ich hatte drei Tage (von insgesamt zehn Veranstaltungstagen) Zeit. Mein Fokus lag auf dem Interactive-Kongressteil, wo mit AI (Künstliche Intelligenz), Cyber Security, Energie- und Ozeanwirtschaft sowie Social & Global Impact die Themen unserer Stadt im Fokus standen. Um einen Überblick zu bekommen und die Zeit vor Ort effizient zu nutzen, braucht es einige Vorbereitung. Einige Zeit benötigt man auch vor Ort, um sich durch den Dschungel der Mega-Hotels, des Convention Centers und der zahlreichen Hotspots verteilt in der ganzen Stadt zu kämpfen. Ich hatte bereits von anderen erfahren, dass man häufig anstehen muss. Doch die SXSW-Veranstalter inszenieren das Anstehen – ähnlich wie vor dem angesagtesten Club der Stadt. Man steht eigentlich für jeden Vortrag an und kommt in einige gar nicht erst rein. Umso überraschter war ich, dass viele das Ziel „Inspiration mit neuen Themen“ mehr als wörtlich nahmen und sich einfach in der längsten Schlange anstellten. Irgendetwas Interessantes wird schon kommen. Das Smartphone war beim Warten nicht wegzudenken. Alle suchten in der Festival- App nach dem nächsten Highlight und der aktuellen Live-Übertragung der Keynote. Tausende Volunteers übernahmen das Crowd-Management oder verkauften SXSW-Merchandise-Artikel – von T-Shirts, Pullovern und Hosen, Tassen bis zum Babystrampler war alles vorhanden.
     
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FOTO: THE HAGUE CONVENTION BUREAU

Was nimmst du mit für deinen Job?
Neben Trends, Euphorie und Kultur wurde vor möglichen Gefahren der Digitalisierung gewarnt. Vor allem den Branchenriesen, die zum Teil die Veranstaltung mitfinanzierten, wurde viel Kritik entgegengebracht. Direkt im Anschluss zeigten Forscher auf, dass durch AI in 30 Jahren die menschliche Arbeitskraft zum Großteil überflüssig sein wird. Die Freiheit der Medien und (persönliche) Gefahren für Journalisten standen bei „Journalists without Borders“ im Fokus und parallel diskutierten markengetriebene Unternehmen, warum Events im digitalen Zeitalter an Bedeutung gewinnen. Nach 18 Uhr pilgerten dann alle Richtung 6th Street, wo perfekte Rahmenbedingungen für ein lockeres Netzwerken gegeben waren. In vielen Bars spielten Bands, um den großen Sprung zu schaffen und in den hippsten Läden haben sich große Tech- Unternehmen, die EU-Kommission, das „German Haus“ usw. niedergelassen. Neben der Digitalbranche treffe ich hier vor allem NGOs, Verbände und Veranstaltungsplaner. Die SXSW unterstreicht einmal mehr, dass sich unsere Branche ändert: Digitalisierung, Individualisierung, Festivalisierung, Interaktivität und die Kraft der Community.

Hat die SXSW deine Erwartungen erfüllt? Hat sich deine Reise gelohnt?
Klar! Obwohl meine zugegebenermaßen sehr hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt wurden, habe ich viel für meine tägliche Arbeit mitgenommen. Auf der Habenseite: viele neue Kontakte, Ideen und Diskussionsmaterial für (potentielle) Kunden, Kollegen und für unsere nächsten „The Hague Talks“ in Berlin. Auf der anderen Seite würde ich mir weniger „virtuelles Show & Shine“ wünschen, mehr Tiefe in den Vorträgen und eine Ausstellung, die die Kreativität der Teilnehmer widerspiegelt.
KERSTIN WÜNSCH

www.sxsw.comhttps://conventionbureau.thehague.com




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