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VON BIG DATA BIS MOOCS

Unsere Top 10 Trends für das Jahr 2017

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ie Bewältigung des digitalen Wandels ist die wichtigste Management-Aufgabe unserer Zeit“, sagt Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf. 70 % der deutschen Unternehmen sehen die Digitalisierung als große Herausforderung. Und in mehr als jedem zweiten Unternehmen (55 %) ändert sich als Folge der Digitalisierung das Geschäftsmodell. Das hat eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom ergeben. Nun gilt es, unter all den Trends und Hype-Begriffen wie Big Data, Sharing, Gamification oder Virtual Reality den Überblick zu behalten. Wir haben die unserer Meinung nach wichtigsten Trends für die Veranstaltungsbranche zusammengefasst.
1. Big Data. Laut Bitkom nutzen bereits 35 % der Unternehmen in Deutschland Big-Data-Analysen für die Auswertung großer Datenmengen. „Innovative Datenanalysen werden als Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen immer wichtiger“, sagt Dr. Axel Pols, Geschäftsführer von Bitkom Research. Gerade für Messen und Großveranstaltungen lassen sich durch Datenanalysen – beispielsweise Nutzungsdaten von Event-Apps, Beacons, E-Mails, Daten aus sozialen Netzwerken, Bewegungsdaten von Handys, Besuche von Webseiten usw. – viele potenzielle Teilnehmer identifizieren.

2. Datenschutz.
Wer A sagt, muss auch B sagen und im Falle von Big Data ist das die Beachtung des Datenschutzrechts. Im Moment spannender Streitpunkt in der Politik. Bis Mai 2018 muss das Bundesinnenministerium (BMI) die EU-Datenschutz-Grundverordnung in deutsches Recht umsetzen. Womit das bislang geltende Bundesdatenschutzgesetz ungültig wird. Ein erster Gesetzesentwurf zum neuen Datenschutzrecht des BMI wurde schon einmal abgelehnt. Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt: Zu viel Datensparsamkeit könne Deutschland zum „digitalen Entwicklungsland“ werden lassen.

3. Livestreaming von Veranstaltungen.
Events hybrid zu gestalten, ist nun wirklich kein Trend mehr. Es hat sich aber inzwischen einiges getan bei der Frage, wie sich Inhalte von Messen oder Konferenzen ins Netz übertragen lassen. Mit Tools wie Periscope, Meerkat oder Facebook Live muss man kein Digital Native sein, um live zu zeigen, was gerade auf einem Event geschieht – Infotainment in Echtzeit.
Wir haben von der Best of Events in Dortmund live berichtet
 und haben dadurch an zwei Tagen eine Reichweite von über 20.000 erzielt. Und die E-Commerce-Agentur „hmmh“ hat Livestreaming genutzt, um Mitarbeiter zu finden. Dazu wurden sechs sogenannte Open Talks via Periscope gestreamt, bei der Bewerber die Agentur kennenlernen konnten.
4. Augmented und Virtual Reality (VR). Kritiker bemängeln gerne, dass virtuelle Welten meist nicht wirklich real sind, dass es keinen Spaß macht, eine VR-Brille zu tragen und dass die Technik zu teuer sei. Das mag sein. Dennoch können Speaker aus Madrid inzwischen auf einer Bühne in Berlin als Hologramm auftreten, lassen sich Kongresszentren virtuell begehen und Sehenswürdigkeiten erkunden. Diese Technik ist weiter auf dem Vormarsch. Beim „VRoom-Service“ der Marriott Hotels wird den Gästen eine VR-Brille aufs Zimmer gebracht, mit denen Traumziele wie die Anden virtuell bereist werden können.
5. Gamification. Pokémon Go hat so viele Spieler dazu veranlasst, sich im Freien auf die Jagd zu begeben, dass sich sogar die American Heart Association lobend über das Spiel geäußert hat. Dass man Augmented-Reality-Anwendungen wie Pokémon Go oder Geocaching-Spiele bei Veranstaltungen verstärkt einsetzt, ist vor allem wegen der Popularität von Spielen durchaus vorstellbar. Mit Spielen wird schon seit 2014 mehr Umsatz gemacht als mit Filmen.

6. Software-Integration. Prozesse zu optimieren, steht gerade im Hinblick auf die Organisation bei vielen Veranstaltungsplanern ganz oben auf der Agenda. Vom Event-Einkauf bis hin zum Einlass-Management auf Messen sind unterschiedliche Software-Lösungen im Einsatz. Der Trend geht eindeutig zur Verknüpfung von Eventmanagement-Systemen oder Buchungs-Plattformen mit dem eigenen Customer-Relationship-Management.

7. Sharing Economy. Es ist gang und gäbe, in einer 
Airbnb-Unterkunft
 zu übernachten, um hohe Hotelpreise zum Beispiel während Messen zu umgehen. Es ist auch für Geschäftsreisende kein Unding mehr, Carsharing in Betracht zu ziehen. Doch die Entwicklung geht weiter. Über die 
Plattform Spacebase
 lassen sich Meetingräume nach dem Airbnb-Prinzip buchen und das 
Portal Winstonclub
 führt fremde Reisende zusammen, damit sie sich ein Hotelzimmer und damit auch die Kosten teilen. Und dann gibt es noch die 
Mitflugzentrale Wingly...
 

8. Marketing Automation. Die Einsatzmöglichkeiten von automatisierten Mailings sind gerade im Bereich von Veranstaltungen vielfältig. Nicht nur im Vorfeld, um Besucher zu gewinnen. Auch während Messen oder Kongressen ist dadurch Kommunikation einfacher. Unternehmen wie Marketo oder Silverpop sind führend auf dem Gebiet der Marketing Automation. Inzwischen arbeiten Eventmanagement-Dienstleister wie Cvent, Doubledutch oder Etouches mit diesen Unternehmen zusammen, um das Potenzial für Live Events weiter auszuschöpfen. Marketo wurde Mitte 2016 sogar von Vista Equity Partners (Cvent und Lanyon) für einen Gesamtwert von rund 1,79 Milliarden US-Dollar übernommen

9. Crowd Thinking. Schwarmintelligenz oder eine kollektive Intelligenz zu nutzen, kommt immer mehr in Mode. Der Schweizer Think-Tank Foraus (Forum Außenpolitik) hat im vergangenen Sommer über einen Zeitraum von drei Monaten das erste Crowdsourcing für Migrationspolitik der Schweiz organisiert. Eine Crowd von über 200 aktiven Usern hat auf einer Plattform mehr als 100 innovative Ideen und Reformvorschläge zu Arbeitsmarkt, Asylwesen und pluralistischer Gesellschaft eingebracht.
Die 
Messe München
  setzt das gleiche Prinzip auf einer Open Innovation-Plattform ein.

10. MOOCs. Massive Open Online Course (MOOC) sind Online-Kurse auf Universitätsniveau. Dabei handelt es sich aber nicht um gefilmte Vorlesungen, sondern um komplette Lehrveranstaltungen, Videos, ergänzende Texte, Testfragen, Diskussionsforen usw. Den Ansatz, Vorträge nicht nur zu filmen und im Internet zu übertragen, sondern Wissen nachhaltig zu vermitteln, verfolgen die Webcast-Profis von Meta-Fusion. Deren Streams bspw. vom Europäischen Radiologenkongress verfügen über eine auf den Folien des Speakers basierende Volltextsuche sowie direkte Foliennavigation.

Ein Extra: No Device.
Wie so oft gibt es zu einem Trend auch einen Gegen-Trend: Bereits im letzten jahr haben IMEX America (Fachmesse für Meetings und Konferenzen) und der Verband Meetings Professionals International eine Studie veröffentlicht, laut der sich 40 % der befragten Meetingplaner handyfreie Veranstaltungen zugunsten erhöhter Aufmerksamkeit wünschen. 
CHRISTIAN FUNK
 

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