WELTKLIMAKONFERENZ COP23

„Bereit für die Zukunft“

Die Weltklimakonferenz COP23 in Bonn war die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat. Damit die Konferenz selbst auch nachhaltig ist, wurde sie nach dem europäischen Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert.

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ie Nachricht sorgte für Empörung. US-Präsident Donald Trump erklärte am 1. Juni diesen Jahres den Rückzug seines Landes aus dem historischen Klimaabkommen von Paris, das das Ziel ausgerufen hat, die globale Erderwärmung auf „deutlich unter zwei Grad“ im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen. Der Ausstieg aus dem UN-Weltklimavertrag soll am 4. November 2020 wirksam werden – einen Tag nach der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA. Nachdem nun auch Syrien und Nicaragua ihren Beitritt erklärt haben, sind die Vereinigten Staaten das einzige UN-Mitgliedsland, das nicht Teil dieses Vertrags ist. Mit einem vom Portal Statista ermittelten Anteil von rund 16 Prozent an den globalen Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind die USA nach China der weltweit größte CO2-Emittent. Klimaschützer und Experten reagierten irritiert bis verärgert: „Der von Präsident Trump verfügte Ausstieg aus dem Paris-Abkommen ist ein Schlag ins Gesicht der gesamten Menschheit und er schwächt die USA selbst“, sagte beispielsweise Klaus Milke, Vorstandsvorsitzender der Entwicklungsorganisation Germanwatch. Und Jeff Immelt, CEO von General Electric, schrieb auf Twitter: „Bin enttäuscht über die heutige Entscheidung zum Abkommen von Paris. Der Klimawandel ist real.“

Wie zur Bestätigung suchte drei Monate später erst der Tropensturm Harvey Texas heim und setzte die Metropole Houston unter Wasser, kurz darauf traf der Hurrikan Irma auf die Florida Keys. Zuvor hatte der Hurrikan mehrere Karibikinseln wie Sint Maarten, Barbuda und Kuba verwüstet Die Behörden beziffern die Zahl der Toten durch Auswirkungen Irmas auf insgesamt 132 Menschen. Zehn Tage später wurde außerdem Puerto Rico von Hurrikan „Maria“ massiv verwüstet. Dazu Erdbeben in Mexiko, Waldbrände in Kalifornien... „2017 entwickelt sich zu einem Jahr von historischer Bedeutung im Kampf gegen den Klimawandel und anderen Risiken, die Leben gefährden und verwundbare Bevölkerungsgruppen auf der ganzen Welt Wetterextremen aussetzen“, alarmiert Dennis Mclean vom UN-Büro für die Verringerung des Katastrophenrisikos. Der Kampf für Klima- und Naturschutz sowie Energieeffizienz ist für Prof. Dr. Werner Wahmhoff kein Selbstzweck. Bei der Bekanntgabe der neuen Träger des Deutschen Umweltpreises, der am 29. Oktober 2017 in Braunschweig von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) verliehen wurde, erklärte der stellvertretende DBU-Generalsekretär, dass die Stabilität des „Systems Erde von uns Menschen hart an die Belastungsgrenzen unseres Planeten herangeführt“ worden sei. Wahmhoff: „Wir sind die letzte Generation, die den Umschwung noch schaffen kann, aber auch die erste, die unter den massiven Auswirkungen der globalen Veränderungen zu leiden hat.“ Letztlich ginge es um die Frage, wie im Jahr 2050 rund zehn Milliarden Menschen gut und im Einklang mit den natürlichen Lebensgrundlagen leben könnten. „In einer immer komplexer werdenden Welt brauchen wir grundlegend neue Ansätze in Technik, Forschung, Wirtschaft und Gesellschaft“, betonte er.


In diesem Kontext erscheint die Weltklimakonferenz COP23, die gerade von 6. bis 17. November 2017 stattgefunden hat, wichtiger denn je
, wird doch hier interdisziplinär nach neuen Ansätzen gesucht. Den Vorsitz hatte Fidschi inne, da aber der Inselstaat nicht so viele Delegierte versammeln kann, wurde die ehemalige Bundeshauptstadt und Sitz des UN-Klimasekretariats Bonn als Austragungsort gewählt. „Die Klimaverhandlungen sind inzwischen in der Mitte von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angekommen. Es geht nicht mehr nur darum, dass Klimadiplomaten miteinander um Formulierungen ringen – sondern darum, dass wir gemeinsam Ideen für das klimaverträgliche Leben von morgen entwickeln, austauschen und verbreiten“, sagte Barbara Hendricks, Bundesministerin für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit. Es käme „mehr denn je darauf an, dass zum Verhandeln auch das Handeln kommt.“

Aufbau der Bula- und Bonn-Zone auf dem COP23-Gelände in den Rheinauen. Bis Ende des Jahres soll der ganze Bereich wieder renaturiert sein.
FOTO: BMUB
Diesen Zweiklang aus Handeln und Verhandeln unterstreicht das Konferenzkonzept nach dem Motto „eine Konferenz – zwei Zonen“. Während die Bula-Zone (Fidschi für „willkommen“) rund um das World Conference Center Bonn (WCCB) und den UN-Campus als Verhandlungszone fungierte, war die Bonn-Zone in der Rheinaue der Ort, an dem Umsetzungsprojekte und Lösungsansätze gezeigt und diskutiert wurden – und zwar von Regierungen, Ländern, Kommunen, Nichtregierungsorganisationen (NGOs), Wirtschaft oder Wissenschaft. Mit knapp 25.000 Teilnehmern aus aller Welt, darunter rund 500 NGOs und mehr als 1.000 Pressevertreter, war die Weltklimakonferenz die größte zwischenstaatliche Konferenz, die es in Deutschland je gegeben hat. Die Verhandlungen wurden von 400 Side Events begleitet, dazu mehrere hundert Veranstaltungen im Bonner Stadtgebiet plus weitere in den Länderpavillons – allein im deutschen Pavillon der Bundesregierung gab es mehr als 60 Veranstaltungen. Ein beeindruckendes Beispiel war der „Climate Planet“ in den Rheinauen. Die mit einem Durchmesser von 24 Metern weltweit größte Nachbildung des Erdballs wurde 2017 vom dänischen NGO „Global Citizen“ in Aarhus entwickelt. Die Installation bietet im Inneren auf einem 360°-Bildschirm einen Eindruck von den Klimaentwicklungen auf der Erde. Seit dem Ende des COP23 befindet sich die Kugel auf Europatournee.


Die Vielfalt und Masse der Formate zeugt vom Redebedarf zum Thema Klimaschutz. „Wir befinden uns ja in der internationalen Klimadiplomatie in einer besonderen Situation“, sagte Hendricks auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der Konferenz. Aufbau der Bula- und Bonn-Zone auf dem COP23-Gelände in den Rheinauen. Bis Ende des Jahres soll der ganze Bereich wieder renaturiert sein. „Die Weltklimakonferenz in Bonn ist die erste, an der die Trump-Regierung für die USA teilnehmen wird – und die erste seit der Ankündigung des Austritts der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen.“ Hendricks betonte, dass es nun darauf ankäme, ein starkes Signal der Einigkeit zu senden: „Das Pariser Klimaschutzabkommen ist nicht verhandelbar. Und die weltweite politische und wirtschaftliche Dynamik für den Klimaschutz ist inzwischen so stark, dass auch die Trump-Regierung diesen Trend nicht aufhalten kann.“


Veranstaltungen eines solchen Ausmaßes müssen sich oft den Vorwurf gefallen lassen, selbst nicht sonderlich nachhaltig zu sein. Und tatsächlich wirken die 20.000 Quadratmeter temporären Bauten auf dem UN-Campus sowie die 35.000 Quadratmeter große Zeltstadt in der Rheinaue auf den ersten Blick alles andere als umweltfreundlich. Doch Hendricks versicherte, dass die Zeltstadt bis Jahresende wieder vollständig abgebaut und der betroffene Bereich der Rheinaue anschließend renaturiert werde. „Überhaupt versuchen wir, die Konferenz so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Wir arbeiten mit der EMAS-Zertifizierung. Das bedeutet: Alle wesentlichen Umweltaspekte der Konferenz werden ermittelt und die Umweltauswirkungen werden so gering wie möglich gehalten.“ EMAS steht für das freiwillige europäische Umweltmanagementsystem „Eco-Management and Audit Scheme“.

In der Praxis des COP23 hieß dies, in erster Linie elektronische Publikationen anzubieten, den bevorzugten Einsatz von recyclingfähigen Materialien auf der gesamten Weltklimakonferenz, überwiegend vegetarische Gerichte beim Catering, zudem mindestens 50 Prozent Bio-Produkte und Vermeidung von Plastikmüll. „Wir stellen außerdem kostenlos Fahrräder zur Verfügung für den Weg zwischen den beiden Konferenzzonen sowie einen Shuttle, der zum großen Teil aus Elektrobussen besteht.“
Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. 
FOTO: BMUB


EMAS-ZERTIFIZIERUNG

Das Gemeinschaftssystem für das freiwillige Umweltmanagement und die Umweltbetriebsprüfung EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) ist ein von den Europäischen Gemeinschaften 1993 entwickeltes Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen. Für diese leistungsorientierte Zertifizierung unter EMAS ist der Betrieb verpflichtet eine Umwelterklärung zu erstellen, in der er die umweltrelevanten Tätigkeiten und die Daten zur Umwelt, wie Ressourcen- und Energieverbräuche, Emission, Abfälle etc. genau darstellt. Die Qualität von EMAS wird von den Mitgliedstaaten der EU überwacht. Für die Qualitätssicherung in Deutschland ist der Umweltgutachterausschuss (UGA) zuständig. Die aktuelle Rechtsgrundlage ist die Verordnung (EG) Nr. 1221/2009. Diese Novellierung ist am 11. Januar 2010 in Kraft getreten. Der Aufbau eines UMS und die Abläufe entsprechen seit 2001 auch bei EMAS der ISO 14001. www.emas.de

www.emas.de

Die Bundesumweltministerin sieht Deutschland als „Europas Konferenzstandort Nummer eins“ allgemein in einer Verantwortung: „Für die Tagungs- und Kongressbranche bedeutet das vor allem, das Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung und die Nachhaltigkeitsziele bei Tagungen und Kongressen in die Tat umzusetzen.“ Nachhaltigkeit bei Veranstaltungen sei kein Modethema, sondern ein Qualitätsmerkmal. 

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Inwieweit Ergebnisse und Beschlüsse des COP23 dabei helfen, das Klima zu schützen, lässt sich freilich noch nicht absehen. Das sei aber auch nicht die Erwartungshaltung der handelnden Personen, wie Barbara Hendricks bestätigt. Es ginge viel mehr darum, dass sich nachhaltige Lösungsansätze wie grüne Mobilität, Wiederaufforstung oder Solarthermie, die die Bundesregierung in ihrer aktuellen Klimaschutz- Kampagne „Bereit für die Zukunft“ präsentiert, „in den Köpfen der Menschen weltweit verbreiten“, so die Ministerin. Denn was wir brauchen, ist ein grundlegender Wandel in der Art, wie wir Energie erzeugen oder uns fortbewegen. Und dieser Wandel beginnt mit Vorstellungskraft – mit der Fähigkeit, sich das Neue vorstellen zu können. 2009 bei der gescheiterten Klimakonferenz in Kopenhagen gab es diese Vorstellungskraft noch nicht. Heute gibt es sie – und das stimmt mich optimistisch.“ CHRISTIAN FUNK


EMAS-ZERTIFIZIERUNG DER WELTKLIMAKONFERENZ COP23 

Die 23. Weltklimakonferenz 2017 / COP23 soll in besonderer Weise umweltverträglich und nachhaltig sein. Deshalb wurde diese Veranstaltung nach EMAS validiert und registriert. Die EMAS-Zertifizierung basiert auf folgenden, veranstaltungsbezogenen Kernindikatoren:

● Gesamtenergieverbrauch (sowie Gesamtverbrauch an erneuerbaren Energien)
● Gesamtmenge der verschiedenen Einsatzmaterialien
● Wasserverbrauch in m3
● Abfallaufkommen (nach Abfallarten, zudem gefährliche Abfälle)
● Flächenverbrauch in m2 bebauter Fläche
● Gesamtemissionen von Treibhausgasen (sowie Gesamtemissionen in die Luft).

Alle an der Weltklimakonferenz beteiligten Dienstleister, Gäste, Veranstalter und Teilnehmer sollten für die Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sensibilisiert werden. Daher fand im Vorfeld der Konferenz ein Briefing mit folgenden Hinweisen und Vorschlägen statt:

● Verwenden Sie nachhaltige und umweltfreundliche Materialien (u.a. Vermeidung von Plastik)
● Setzen Sie auf möglichst hohe Wiederverwertung eingesetzter Materialien
● Vermeiden Sie Einweggetränkebecher- und Geschirr
● An- und Abreise vorzugsweise mit dem ÖPNV
● Vermeiden Sie Abfälle und trennen Sie verbleibenden Abfall gewissenhaft
● Sparen Sie Druckerzeugnisse ein
● Gehen Sie sparsam mit Wasser und Energie um.
● Handeln Sie nachhaltig! 

„Wir sind die letzte Generation, die den Umschwung noch schaffen kann.“ Prof. Dr. Werner Wahmhoff, Stv. DBU-Generalsekretär.„
Prof. Dr. Werner
Wahmhoff,
Stv. DBU-Generalsekretär
„Mit rund 25.000 Teilnehmern war der COP23 die größte staatenübergreifende Konferenz, die es je in Deutschland gab.„